Review

Kann man die Entstehungsgeschichte eine Bildes verfilmen und daraus einen abendfüllenden Spielfilm machen? Peter Webber versucht, Tracy Chevalier's bekannten Roman möglichst lebendig und detailgetreu auf die große Leinwand umzusetzen, was ihm auch weitestgehend gelungen ist.

„DAS MÄDCHEN MIT DEM PERLENOHRRING" spielt in der Mitte des 17. Jahrhunderts im niederländischen Delft und erzählt die Umstände und Hintergründe, die bis zur Fertigstellung des gleichnamigen weltbekannten Gemäldes des berühmten Malers Johannes Vermeer an den Tag getreten sind.

Von Beginn an stellen wir fest, dass die Lebensumstände der damaligen Epoche in Bauten und Kostümen hervorragend eingefangen werden und jederzeit nachvollziehbar sind. Verdienterweise wurde dies auch mit Oscar-Nominierungen bedacht! Wenn im winterlichen Holland wunde Frauenhände grobe Leinenstoffe waschen und Gemüse putzen, Metzger auf den Markt gut gelaunt Schweinsköpfe anbieten und Kinder spielend zwischen den Arbeitenden herumtoben und im Winter auf dem Kanal Schlittschuh fahren, entwickelt der Film mit dieser Detailtreue und atmosphärischen Dichte seine stärksten Momente - das alles ist zudem auch noch in exzellenten Bildern und stimmungsvoller Cello-Musik fantastisch eingebettet.

Scarlett Johansson
ist als unschuldige und zerbrechliche Magd Griet einfach nur zauberhaft und liefert die vielleicht beste Vorstellung ihrer noch jungen Karriere. Mit sprechenden Blicken und wortlosen Gesten stellt sie das Erwachen des feinfühligen Mädchens dar und sorgt für erotisches Knistern.
Colin Firth
spielt den Maler mit Inbrunst und Kühnheit - Mit Kühnheit und gleichzeitiger innerer Zerstreutheit zeugt auch seine Darstellung von Vermeer von einer beeindruckenden Schauspielkunst.

Weil die eigentliche Geschichte um das mysteriöse Gemälde relativ kurz gehalten ist, beeindruckt Peter Webber's Inszenierung als zeitgeschichtliches Dokument, das sich vor allem mit den allgegenwärtigen Standesunterschieden auseinandersetzt, der Kunst und dem Leben in einer schweren Zeit.

Somit funktioniert „DAS MÄDCHEN MIT DEM PERLENOHRRING" als wunderschöner zeitgeschichtlicher Bilderbogen mehr als das eigentliche „Drama": In dessen Zentrum steht die misstrauische, eifersüchtige Ehefrau, eine kalt berechnende Schwiegermutter und ein lüsterner Mäzen, welcher der jungen Magd nachstellt und ein Porträt von ihr in Auftrag gibt - eben jenes titelgebende berühmte Bildnis des Mädchens. Für Freunde anspruchsvoller und wunderschön bebildeter Historienfilme eine Augenweide, wenngleich der Inhalt ohne besondere Höhepunkte etwas Esprit vermissen lässt.

(7,5 / 10)

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