Review

Warum unbedingt ernst nehmen?


"Red Dawn" (Die Rote Flut) gilt allgemein als das reaktionärste Machwerk welches je in Hollywood produziert wurde. Für viele ist der Film noch total mies inszeniert und obendrein technisch äußerst schwach.
Und in der Tat: es gibt Einstellungen in diesem Film, welche an manche Wald- und Wiesen-Produktion von (Semi-)Amateuren wie Olaf Ittenbach erinnern.
Trotzdem halte ich diese geistige Ausgeburt von John Milius (Conan, der Barbar) für einen der originellsten Streifen überhaupt, zumindest der Achtziger Jahre: wie es der Zufall so will sollten einige der jungen Darsteller damit auch noch ihre mehr oder weniger große Karrieren beginnen. Vergleicht man "Red Dawn" mit anderen politisch fragwürdigen Filmen wie John Waynes Vietnam-Fantasie "The Green Berets" oder die "Missing in Action"-Filme von Chuck Norris, so sollte es eigentlich leicht festzustellen sein, dass sich diese Filme doch ganz anders geben: "Red Dawn" ist keineswegs verbissen oder wirklich an seiner antikommunistischen Sache interessiert - eher sowas wie eine spaßeshalber am Lagerfeuer erfundene Geschichte von einem Krieg den es gar nie gegeben hat. Etwas das man aber doch nicht wieder so groß machen will um es womöglich niederzuschreiben. Umso dankbarer sollte man sein dass es diesen Film gibt, und nicht zuletzt gilt "camping" auch als Synonym für alles was nicht ganz ernst zu nehmen ist. In vielen Szenen erinnert "Red Dawn" dabei schon wieder an das später entstandene, und noch viel eindeutiger überhöhte "Invasion vom Mars"-Remake Tobe Hoopers.
Ausgedacht von jemandem der halt so erzogen wurde, und es einfach nicht besser wußte - was klarerweise nie eine Entschuldigung sein kann, aber in diesem Fall auch nicht wirklich schwer wiegt: so gesehen ist der Film schon wieder offen, aufschlußreich und ehrlich - jedenfalls ehrlicher als "Dirty Dancing"...
Und wenn in dem im deutschsprachigen Raum berüchtigten Vorspann die Grün-Bewegung als Motor hinter der russischen Invasion vermutet wird, so deutet das nicht unbedingt auf eine unveränderliche Abwehrhaltung gegen alles was "links" oder "ökologisch" ist, hin - vielleicht fuhr Milius wie sein Freund Schwarzenegger heute noch, einfach gerne dicke Benzinfresser und fühlte sich so vom Umweltschutzgedanken eher pragmatisch als ideologisch bedroht. Natürlich alles auch wieder bloß wilde Spinnereien, diesmal aber von mir selbst fabriziert... Wie dem auch sei, ein Film der zum Denken anregt.



Rating 7.0 68%

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