John Milius, Drehbuchautor unter anderem von der bleihaltigen Selbstjustizorgie "Dirty Harry II - Magnum Force" oder dem Fantasy-Epos "Conan, der Barbar", inszenierte 1984 unter dem Titel "Red Dawn" (zu deutsch: "Die rote Flut") ein reaktionäres und kontroverses, in seiner Naivität und Unlogik geradezu stupides Machwerk von fragwürdigem und zweifelhaftem Unterhaltungswert.
Als Allegorie auf den Vietnamkrieg gedacht, erzählt der zur Eiszeit des Kalten Krieges spielende Kriegsfilm die Geschichte einer Invasion in den USA durch kubanische, nicaraguanische und sowjetische Truppen, die zur Bildung einer partisanischen Guerilla-Truppe amerikanischer Teenager führt, die den kommunistischen Bastarden in bester "Rambo"-Tradition zeigen, wo der Hammer hängt.
Dabei zelebrieren aufstrebende Jungstars (u.a. Patrick Swayze, Charlie Sheen und Jennifer Grey) getreu dem Motto *Ich war jung und brauchte das Geld* zu Basil Poledouris kraftvoller Marschmusik mit Trommelwirbeln Hurrapatriotismus in Reinkultur, so dass der seinerzeit amtierende US-Präsident Ronald Reagan sicherlich vor Freude an die Decke des Oval Office sprang.
Vor allem aber hatte sich John Milius auch in Hinblick auf sein Zielpublikum viel von der ansteigenden Popularität diverser Darsteller aus Francis Ford Coppolas ein Jahr zuvor entstandenem Jugenddrama "The Outsiders" versprochen, von denen einige anscheinend direkt von den Dreharbeiten zum Schauplatz des Dritten Weltkrieges verfrachtet wurden.
Sieht man einmal von der Geschmacklosigkeit ab, einen Dritten Weltkrieg zum zentralen Thema eines Unterhaltungsfilms zu machen, besticht Milius Werk durch sauber inszenierte Actionszenen, die allerdings nicht die fortlaufende Unlogik dieses Films kaschieren können:
die Fragen, woher die Teenies den routinierten Umgang mit den Waffen beherrschen (sie sind Amerikaner, das lernt man schon in der Vorschule ;-)) oder wieso und durch wen sie über Convois der feindlichen Truppen informiert sind, bleiben genauso unbeantwortet wie der Ursprung ihres Namens "Wolverines".
Das größte Ärgernis allerdings ist das heuchlerische Happy End, in dem einer der feindlichen Generäle das brutale Vorgehen bei dieser Invasion hinterfragt und zwei der Teenager am Leben lässt, da er die Unsinnigkeit des Krieges scheinbar erkannt hat.
Wenn nach der Moral dieses Films Krieg so einfach wäre, dass jeder dann die Waffen niederlegt, sobald er keine Lust mehr hat, dann würde es auf der Welt sicherlicher friedlicher zugehen.
Trotz spannender Momente und reichhaltiger Actionszenen bleibt allerdings der bittere Beigeschmack, der beim Kinostart im Dezember 1984 in Deutschland zu heftigen Reaktionen führte.
Nach Protesten durch Friedensaktivisten wurde der Film in einigen Städten schnell wieder abgesetzt.
John Milius, selbst ein leidenschaftlicher Waffensammler, wird die Aufregung sicherlich nicht verstanden haben. Das hängt aber vor allem damit zusammen, dass die Amerikaner Krieg als Nationalsport betreiben, während die Krauts es doch lieber etwas ruhiger angehen...
6,5/10