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Als ich im frühen Teenageralter eine Symbiose mit der Gutmütigkeit und Profitgier unserer örtlichen Videothek einging, die mir einige interessante Streifzüge durch die Schundbestände erlaubte, stieß ich zum ersten Mal auf Jon Mikl Thor, der im von mir fortan aus völlig undefinierbaren Gründen abgöttisch geliebten Zombie Nightmare spielte. Thor zeigte sich auch für den gelungenen Metal Soundtrack verantwortlich, zu dem er neben Legenden wie Motörhead, Girlschool und Fist auch eigene Stücke beisteuerte. Erst mit der Zeit tauchten dann Exemplare seiner Schallplatten in meiner Sammlung auf und dank Internet konnte ich später erstmalig überblicken, was für eine One Man Show der gute Mann eigentlich darstellt.
Jon Mikl Thor feierte seine ersten Erfolge nämlich bereits in den 70ern, wo er als Bodybuilder zahlreiche Preise auf nationaler und internationaler Ebene abräumte. Diesem Status schloß er zum Ende dieser Dekade mit seinen Muscle Rock Shows an, bei denen er Eisenstangen verbog und Wärmflaschen platzen ließ. Als so um Öffentlichkeit bemühter Rockstar ist es nun kaum verwunderlich, daß er neben der übrigens mit einem vor kurzem veröffentlichtem Album immer noch laufenden musikalischen Karriere auch den Filmen nicht abgeneigt ist und unterdessen, als comichafter Charakter nicht ganz abwegig, Held von Comicheften wurde. An die in den 80ern abgebrochene Filmlaufbahn hat Thor im übrigen seit 2003 wieder angeschlossen.

Der heute besprochene Film stammt allerdings noch aus den 80ern und wurde direkt im Anschluß an Zombie Nightmare gedreht, wo Thor auch Regisseur John Fasano kennenlernte, der inzwischen noch durch Drehbucharbeiten an Und wieder 48 Stunden, Universal Soldier - Die Rückkehr und Der Fluch von Darkness Falls zu Ruhm gelangen konnte. Als Produktion und mit Drehbuch von Thor selbst ist der Film allerdings noch sinnfreier, dafür aber auch um ein vielfaches unterhaltsamer als sein Vorgänger. Eigentlich unter dem Titel The Arc Angel geplant, erschien der Film in England unter dem Titel The Edge of Hell, während man ihn in Amerika Rock 'n' Roll Nightmare taufte. In Deutschland hielt man sich an die europäische Vorgabe und formte zu Im Angesicht der Hölle um, was zwar Sinn macht, jedoch kaum eine Vorstellung von dem gibt, was den Zuschauer wirklich erwartet.
Im Grunde handelt es sich nämlich primär um einen riesigen Promoclip für die Musik Thors, der sich im Film John Triton nennt und eine fiktive, aus Schauspielern bestehende Band namens The Tritonz um sich schart. Trotzdem veröffentlichte er zum Film ein komplettes Soundtrack Album auf RCA, wie es bereits zuvor für seine Musik zum Film Recruits geschehen war. Ob es hier eine Begründung für die danach eingesetzte längere Pause in Thors Karriere zu finden gibt, weil die Fans lieber einen Anschluß an die regulären Alben Only the Strong und Live in Detroit gesehen hätten, sei mal dahingestellt, die von Rock 'n' Roll Nightmare rockt nämlich ganz famos.

Bevor der lediglich aufs filmische Vergnügen bedachte Leser sich hier nun aber ausklinkt, sei gesagt, mit einem Faible für Trash gibt es hier eine zwar minimale, aber gar berauschende Spielhandlung, die, besonders im Zeitalter des Videobooms ungewöhnlich, sogar auf 35 mm gedreht wurde. Rock 'n' Roll Nightmare erklärt in einem kurzen Intro ein Haus für verflucht, nur um nach einem Zeitsprung unsere Band hier nebst Groupies einziehen zu lassen. Wer hier nun damit rechnet, daß die Band ihren geplanten Proben nachgeht, die Groupies in an Soft Sex grenzenden Szenen die Möpse in die Kamera halten und so nach und nach Monster auftauchen, die einen nach dem anderen meucheln, der hat bis zum letzten Drittel des Films ziemlich recht.
Könnte man hier noch von spaßig hirnloser Unterhaltung sprechen, passiert dann ein Wandel, der einen die Kinnlade gen Boden sinken läßt. Jon Mikl Thor versteht nämlich Spaß und führt den bisher verfolgten Plot völlig ad absurdum. Wie? Ja, das werde ich nicht verraten, dies ist ein grandioses Erlebnis, für welches sich ein Import der US DVD für beinharte Trashologen absolut rentiert.

Wem Shocker zu tiefsinnig war oder wer eine etwas rundere Alternative zu Hard Rock Zombies sucht, der findet in Rock 'n' Roll Nightmare ein Fest aus reichlich Rock, baren Busen und einem Kaleidoskop aus Gummimonstern, die auch mal in Form von Sockenpuppen oder zugeworfenen Plastikpolypen auftreten können. Als Kultfilm wird er immernoch auf Parties zelebriert und so eignet er sich auch für die heimatliche Trashrunde vorzüglich. Am besten wahrscheinlich mit dem erwähnten Hard Rock Zombies und vielleicht noch Linnea Quigley's Horror Workout als Feature, damit die Birne so richtig unterfordert ist.

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