Review

„Ein Haus auf dem Lande – ganz friedlich auf den ersten Blick...“

Der kanadische Bodybuilder und Rock/Metal-Sänger Jon Mikl Thor tat sich einst als Produzent und Drehbuchautor mit US-Regisseur John Fasano („Freakshow“ alias „Black Roses“) zusammen, der daraufhin im Jahre 1987 mit „Im Angesicht der Hölle“ alias „Rock’n’Roll Nightmare“ debütierte – einer Mischung aus Horror- und Musikfilm, die zu einer echten Trash-Wundertüte wurde, die man gesehen haben muss, um an sie glauben zu können…

„Komm, zeig mir deinen Biberschwanz!“

John Triton, muskelbepackter Sänger der Hardrock/Heavy-Metal-Band „Tritonz“, mietet sich mit seiner Kapelle (und Freundinnen sowie einigen nachreisenden Groupies) in ein abgelegenes Farmhaus ein, um dort weitestgehend von der Außenwelt isoliert Inspiration zu finden und in Ruhe ein neues Album aufzunehmen. Dieses Farmhaus war jedoch einst ein Schauplatz des Schreckens: Dunkle Mächte hatten dort eine ganze Familie dahingerafft. Es kommt, wie es kommen muss: Ausgehungert stürzen sich die Dämonen auf die Musiker und ihren Anhang…

„Sex und Drogen, das wird euch gefallen!“

Ein Voice-over-Sprecher kommentiert den Prolog, der das Massaker an der Familie zeigt. Anschließend darf man minutenlang Jon Mikl Thor alias John Triton dabei zusehen, wie er auf einer Straße fährt – wahnsinnig aufregend. Er befindet sich mit seiner Band auf dem Weg zum besagten Horrorhaus. Vor Ort bequatscht man alles Weitere aber erst einmal mit Manager Phil (Adam Fried, „Student Affairs“) – anscheinend sind alle einfach bei John eingestiegen, ohne zu wissen, wohin es geht und warum. Musiker! Nach diversen weiteren redundanten Füllszenen ohne Sinn und unnötig in die Länge gezogenen Einstellungen isst man gemeinsam zu Abend, woraufhin John sich in seinen, nun ja, extravaganten Bühnendress wirft und man gemeinsam probt und rockt. Seltsame Tonverfremdungen mitten im Lied deuten bereits darauf hin, dass etwas nicht stimmt. Anne zieht sich aus und will Phil verführen, verwandelt sich in ein Monster und beißt ihm ein Stück Fleisch aus der Schulter – dabei wurde doch gerade erst diniert!

Weitere Mädels verwandeln sich in Ungetüme und als die Groupies eintreffen, werden sie direkt wieder vergrault – welch Stutenbeißerei! Wer stirbt, existiert als Monster weiter und ist zudem anscheinend praktischerweise auch gleich noch Gestaltenwandler. Doch show must go on und so trägt John zur nächsten Probe eine rote, gepunktete Mischung aus Frack, Kleid und Kittel. Die Mädels wiederum ziehen allesamt mindestens einmal blank, auch jene Dame, der Phil „die Hand gibt“, die aus seinem Oberkörper hervorbricht. Diverse langweilige Sexszenen werden aneinandergereiht, John bumst unter der Dusche. Der kleine Junge aus dem Prolog (Jesse D'Angelo, „Blood Sisters“) taucht auf und bringt ein ganz seltsames Musikthema mit. Auch er verwandelt sich in ein Monster. Der anschließend als Schattenspiel inszenierte Kampf kann nur als Hommage an den Expressionismus verstanden werden.

Das Hühnchen im Kühlschrank ist nicht gut durchgegart, das kennt man. Als John sich am Ende jedoch als „Erzengel Triton“ entpuppt, wird’s endgültig konfus. Er wird mit Gummiseesternen beworfen und plustert sich als Kraftmeier im knappen Höschen auf, um gegen den Latexteufel höchstpersönlich zu kämpfen. Unglaubliche Szenen spielen sich ab, „Im Angesicht der Hölle“ wirft alles Vorausgegangene über den Haufen und stürzt sich mit dieser Wendung direkt ins filmische Delirium, lässt dem Wahnwitz freien Lauf und seinen Haarspray-He-Man mit Anlauf in die Nonsens-Hölle der Gummipuppen springen. Wer wird stärker sein: John „Erzengel“ Triton oder der mittlerweile zahlreiche Nehmerqualitäten bewiesen habende Zuschauer?

Die generische bis kitschige Musik bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Hardrock, Heavy Rock und Metal, die Dialoge sind aus der Klapse, die Kreaturen mitunter niedliche (!) Handpuppen, Masken und Spezialeffekte billig – und unentwegt rocken fiese Scheitel durchs Bild. Das alles findet auf unbeholfenem Amateurniveau statt und ist nicht für einen Filmmeter spannend, sodass selbst die deutsche Pornosynchro dazu passt.

Die größte Frage ist, wie viel Selbstironie hier im Spiel war. Das ist insofern fraglich, als Jon Mikl Thor bisweilen ein wenig der Realität entrückt wirkt, bei andererseits sehr viel Selbstvertrauen, möglicherweise bis hin zur Selbstüberschätzung. Da drängen sich mir Parallelen zu Christian Anders auf, mit dem Unterschied, dass Thor wesentlich sympathischer scheint und sich zu keinem antisemitischen Schwurbelhirni heruntergewirtschaftet hat. Ein Rollenname wie „Roger Eburt“ zeugt von Humor (davon ausgehend, dass er an den Filmkritikerpapst Roger Ebert angelehnt wurde), und den braucht man auch für diesen Film, der sich als echtes Trash-Bonbon genießen lässt und es ohne seine Streckszenen, bei höherem Tempo also, sicherlich zu größerem Ruhm gebracht hätte. So bleibt er ein Geheimtipp nicht nur für Freunde des bekloppten ‘80er-Jahre-Metal-Films. Im selben Jahr erschien übrigens mit dem etwas besseren „Zombie Nightmare“ Thors zweiter schauspielerischer Gehversuch. Fasano hingegen lieferte ein Jahr später ohne Thor mit „Freakshow“ einen weiteren herrlich durchgeknallten Metal-Horror-Film ab, mit dem er dem Latex-Overkill treu blieb. Aber das ist eine andere Geschichte…

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