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Computeranimierte Filme mit "ernsthaftem" Hintergrund haben es nach wie vor schwer: Final Fantasy, Immortal (o.k,. eher ein Zwitter), und nun auch Kaena liefen bislang weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Dabei bietet das Subgenre zumindest einen unschätzbaren Vorteil: Da wo die Kollegen aus den "realen" Sci-Fi-Filmen durch angeblich exotische Universen reisen und dabei meist nur müde kostümierten Schauspielern als Aliens begegnen (Musterbeispiel: Star Trek Voyager) kann man im CGI-Film auch ohne irrwitzige Budgets exotische Welten und Tonnen von schrägen Kreaturen auf die Leinwand oder den TV-Schirm bringen. Kaena ist ein neuer Versuch in diese Richtung; auch hier klaffen Anspruch und Realität noch ein ganzes Stück auseinander, aber Zuschauer auf der Suche nach dem "Etwas Anderen" sollten dem Film eine Chance geben.

Wir werden zunächst Zeuge einer nicht näher erklärten Weltraumkatastrophe, aus der offenbar nur ein Wesen überlebt. Jahre später: Das junge Mädchen Kaena lebt in einer Welt, die irgendwie an einen zu groß geratenen Baum erinnert und muss mit ihrem Volk einen seltsamen Saft für obskure "Götter" ernten. Doch ihre Neigung zur Rebellion und die Begegnung mit einem Fremden verändern ihr Leben und das ihrer Welt.

Wenn die Informationen hier zutreffen, wurde der Film ursprünglich als Rendervorspann für ein PC-Spiel entwickelt, und das sieht man (leider). Die Animationen sind zwar fantasievoll, schön bunt, weitgehend flüssig und in einigen Sequenzen (etwa die Auftaktszene) durchaus ansehnlich Nur: Kinotaugliche CGI-Bilder sehen anders aus. In vielen Szenen fehlt schlicht die Tiefe, die Auflösung ist sehr begrenzt, und wenn das schon auf meinen vergleichsweise mickrigen Röhren-TV auffällt, so mag man sich nicht vorstellen, wie das auf einer großen Leinwand aussehen mag. Ein guter Benchmark für die technische Qualität ist die Darstellung der menschlichen Figuren (und hier vor allem der Haare), und da offenbart sich ein Abstand von einigen Lichtjahren zwischen Kaena und der (technischen) Genrereferenz "Final Fantasy". Kaena selbst sieht ein bisschen aus wie Lara jr. in der PC-Spiele-Serie, da hat man offenbar etwas zu viel Mühe auf ihre Oberweite und zu wenig auf Gesichtszüge und Haare verwendet. Immerhin bietet die Orginalfassung exzellente Sprecher (u.a. Kirsten Dunst, Richard Harris), und auch die deutsche Synchro klingt wirklich gut (ich meine, TV-Veteran Claus Wilcke auf der Harris-Rolle erkannt zu haben).

Und inhaltlich ? Auch da ist der Eindruck zwiespältig. Szenario und Handlung schwanken irgendwo zwischen fantasievoll und durchgeknallt. Dass wir über den Hintergrund der ganzen Welt und ihrer Bewohner wenig erfahren, ist bei nicht mal 90 Minuten Laufzeit zu verschmerzen, dennoch stapeln sich am Ende die Fragezeichen fast so hoch wie der komische Weltenbaum. Was sind das für seltsame "Götter", was ihr "Bote", was das merkwürdige "Gehirn" ?. Bei aller Kritik: Irgendwann ist einem der ganze Unfug, der einem da vorgesetzt wird, ziemlich egal, man hört auf nach Antworten zu suchen und wartet nur noch darauf, dass mal wieder ein paar hübsche Bilder kommen.
Nur am Rande erwähnt sei, dass der Film auch zielgruppentechnisch etwas unentschlossen daher kommt; schon die FSK-Freigabe signalisiert, dass die ganz jungen Zuschauer restlos überfordert sein dürften, aber auch die offenbar als kleiner Anreiz für diese Altersgruppe gedachten Würmer haben nur arg begrenztes Kuschelpotential.

Fazit: Auch der nächste Versuch, einen nicht-komischen CGI-Animationsfilm an Mann, Frau und Kind zu bringen, wird dem Genre nicht zum Durchbruch verhelfen. Die Animationen haben trotz vereinzelter schöner Bilder schlicht keine Kinoqualität, und die Handlung überschreitet die Grenze zwischen fantastisch und "nicht mehr nachvollziehbar" zu oft in die falsche Richtung. Dennoch: Für einen knallbunten DVD-Abend auf einem nicht zu großen Schirm reicht es.

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