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„Halloween war immer die tollste Zeit des Jahres für mich!“

Schon lange vor „Scary Movie“ existierten komödiantische Horrorfilm-Parodien. Ein früher Vertreter der Slasher-Persiflage ist US-Regisseur Greydon Clarks („Alien Shock“) im Jahre 1982 ein paar Monate nach dem ähnlich gelagerten „Was macht der Tote auf der Wäscheleine?“ veröffentlichter „Wacko... da wackelt die Bude“.

„Ich mäh' nur den Rasen, mein Kind...“

Dreizehn Jahre ist es her, dass die damals vierjährige Mary Graves (Julia Duffy, „Night Warning“) Zeugin eines abscheulichen Verbrechens wurde: Im Vorfeld der Halloween Prom Night wurden ihre große Schwester und deren Freund von einem Psychopathen, der seinen Kopf unter einem großen Kürbis verbarg, mit einem Rasenmäher grausam ermordet! Nun möchte Mary mit ihrem Freund Norman Bates (Scott McGinnis, „Einsatz Petticoat“) selbst am Halloween-Schulball teilnehmen, doch der Kürbiskopfkiller scheint zurückgekehrt zu sein und Jagd auf Mary zu machen. Polizist Dick Harbinger (Joe Don Baker, „Die Meute“), ebenfalls traumatisiert von den damaligen Ereignissen, lag mit seinen düsteren Vorahnungen richtig, nur will ihm niemand Glauben schenken. Als der Schulball seinen Warnungen zum Trotz stattfindet, hinterlässt der Mörder eine blutige Spur…

„Doctor ist mein Vorname! Ich habe nie einen Doktortitel erworben.“

Bereits der Vorspann entpuppt sich als Persiflage auf John Carpenters „Halloween“, im Anschluss berichtet Mary zunächst aus dem Off von den dreizehn Jahre zurückliegenden Bluttaten. Nacheinander werden die einzelnen Figuren vorgestellt: Marys notgeiler Vater Doctor Graves (George Kennedy, „Die Zwangsjacke“, später: „Die nackte Kanone“), der ständig seine Tochter bespannt, seine Frau (Stella Stevens, „Der verrückte Professor“), die Scream Queens parodiert, indem sie zu jedem Anlass kreischt, der fette schmuddelige Detective, der ein beachtliches Waffenarsenal hortet, Marys Freund Norman, der bei Erregung immer grunzen muss, und Tony Schlongini (Andrew Dice Clay, „Police Patrol – Die Chaotenstreife vom Nachtrevier“), gegen den selbst ein Vinnie Barbarino aus „Saturday Night Fever“ alt aussieht.

Detective Harbinger durchbricht die vierte Wand und spricht direkt zum Publikum, um eine Rückblende zu den dreizehn Jahre alten Verbrechen einzuläuten. Zurück in der Gegenwart referenziert „Wacko…“ neben den (Proto-)Slashern „Psycho“, „Halloween“ und „Prom Night“ auf diverse Genrefilme, von „Der Exorzist“ (Schlongini macht einen Regan-Move) und „Das Omen“ (Marys gruseliger kleiner Bruder heißt Damien) über „Die Insel des Dr. Moreau“ (ein Schuldoktor namens Moreau verwandelt Menschen in Tiere) und „Der Elefantenmensch“ (der schaut auch mal kurz vorbei) bis hin zu Ridley Scotts „Alien“, wofür Norman Bates gegen Ende noch einmal herhalten muss, nachdem seine mumifizierte Mutter zuvor bereits als Bauchrednerpuppe zum Einsatz kam. Und in einem Football-Match treten die Hitchcocks gegen die De Palmas an…

Nach ungefähr einer Dreiviertelstunde wird ein Verdächtiger nach dem anderen etabliert, auf den ersten Gegenwartsmord durch die Kürbisrübe muss man jedoch eine Stunde warten. Dann geht’s Schlag auf Schlag, jedoch nie mit einem Rasenmäher. Gegen Ende folgt die obligatorische Enttarnung des Unholds, doch das ist im Prinzip alles Makulatur: „Wacko…“ setzt weniger auf eine stringente Handlung denn vielmehr auf Wortwitz und Klamauk sowie reihenweise alberne Gags, als einziger roter Faden fungiert, dass man den Rasenmähermörder immer mal wieder kurz in den Dialogen aufgreift – das hat mehr Alibifunktion als alles andere. Neben ein paar Autostunts und -crashs finden sich durchaus einige gelungene Späße im bunten, zuweilen an ZAZ-Produktionen erinnernden Reigen – beispielsweise eine darauf hinweisende Texttafel, dass die folgende Traumsequenz nichts mit dem Film zu tun habe –, und als Filmfreak macht es naturgemäß Laune, alle Zitate und Referenzen zu erkennen und zuweisen zu können. So sympathisch all das auf den ersten Blick auch anmuten mag, so oberflächlich fiel die Auseinandersetzung mit dem Slasher-Subgenre doch aber letztlich aus. Viele Gags sind ihrer hohen Frequenz und ihren Pointen derart flach, dass sie in ihrem Buhlen um die Zuschauergunst aufdringlich wirken und ihnen zugleich die selbstironische Distanz fehlt, andere erweisen sich gänzlich als Rohrkrepierer.

Andererseits verfügt „Wacko…“ über ein namhaftes Darstellerensemble, das sich für nichts zu schade und mit Verve bei der Sache ist. Wäre es gelungen, den Humor pointierter zu gestalten und einzusetzen sowie die eigentliche Geschichte stärker zu gewichten, hätte Clarks Film eventuell sowohl als Slasher-/Horror-Hommage als auch als augenzwinkernde Parodie funktioniert. So bleibt es zumindest bei einem den parodierten Topoi eher despektierlich gegenüberstehenden Versuch, der in die erweiterte Slasher-Sammlung gehört, sich dort als Kuriosität einreiht und nicht zuletzt einen historisch interessanten Mosaikstein in der Entwicklung der Horror-Spoofs darstellt.

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