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Dieser europäische Kriegsfilm basiert auf dem im Jahr 1973 veröffentlichten Buch "Enemy at the Gates" von William Craig. Das französische Regie-Ass Jean-Jaques Annaud (Der Name der Rose, Sieben Jahre in Tibet) führte nicht nur Regie, sondern schrieb auch das Drehbuch zusammen mit Alain Godard (Der Name der Rose, Dracula und Sohn). Für die Umsetzung stand ein ordentliches Budget von 74 Millionen Dollar zur Verfügung.

Stalingrad 1942: Der russische Scharfschütze Vassili Zaitsev (Jude Law) rettet Commisar Danilov (Joseph Fiennes) das Leben, dieser macht ihn zum Helden von ganz Russland. Denn es gelingt Danilov den strengen Nikita Khrushchev (Bob Hoskins) von einer anderen Politik der Truppenmotivierung zu überzeugen, so leitet Danilov von nun an den Druck einer Zeitung, welche die heldenhaften Soldaten der roten Armee ehrt. Desweiteren sind Vassili und Danilov beste Kumpel, doch dies ändert sich, als Beide die Kämpferin Tania Chernova (Rachel Weisz) kennenlernen. Ausserdem muss Vassili um sein Leben fürchten, denn die Deutschen haben ihren besten Scharfschützen Major König (Ed Harris) nach Stalingrad geschickt, um Vassilis Ruhm ein Ende zu bereiten.

"Duell - Enemy at the Gates" zieht den Zuschauer durch seinen drastischen Auftakt in den Bann. Vassili und andere Soldaten werden in einem Zug nach Stalingrad gefahren und dort gnadenlos in die blutige Schlacht geschickt. Nur jeder zweite Mann erhält eine Waffe, schon bei der Fahrt über den Fluss wird man von den Deutschen mit Flugzeugen attackiert, massenweise Soldaten sterben bevor sie überhaupt das Schlachtfeld betreten haben. Auch die Brutalität, wie man die Soldaten zum Kämpfen zwingt, erzeugt ein mulmiges Gefühl in der Magengrube. Deserteure und jegliche Fluchtversuche werden mit dem Tod bestraft, man schießt sogar massenhaft eigene Soldaten über den Haufen, nur weil sie den Rückzug antreten, weil sie gegen die deutschen Stellungen einfach keine Chance haben. Erfreulicherweise lässt Annaud den Pathos größtenteils weg und erzählt die Geschichte ausschließlich aus der Sicht der Russen. Doch der Krieg in Stalingrad gerät immer mehr in den Hintergrund. Danilov und Vassili lernen sich kennen, durch Propaganda wird Vassili zum Helden. Doch die beste Freundschaft zerbricht, wenn eine Frau ins Spiel kommt. So verknallen sich Danilov und Vassili in die Soldatin Tania, den Klischees entsprechend wird uns Danilov immer unsympathischer, während Vassili von Anfang an die besseren Karten bei Tania hat.

So konzentriert sich Annaud bald auf eine Dreiecksbeziehung und das Duell zwischen Vassili und Major König. Es ist besonders schade um die authentische Kulisse. Hier gibt es keine schönen Bilder, das zerbombte Stalingrad ist ungemütlich, man muss sich im Untergrund vor den Deutschen verstecken. Doch das schreckliche Geschehen in Stalingrad verkommt zur Nebensache, leider erhält besonders die Lovestory zuviel Screentime. So kommt es besonders in der zweiten Halbzeit zu kleineren Durchhängern, während das Duell der zwei Sniper recht spannend in Szene gesetzt ist. Man belauert sich, es gibt Verluste auf beiden Seiten und man benutzt einen Jungen als Informanten. Annaud lässt dabei Brutalitäten nicht aussen vor, so fallen die Einschüsse größtenteils ziemlich graphisch aus. Aber gerade das Finale wirkt dann unglaubwürdig, wie stümperhaft Major König seine Deckung verlässt, um sich Vassili quasi auf den Präsentierteller zu setzen. Obendrein endet "Duell - Enemy at the Gates" sehr kitschig. Jude Law (Repo Men, Sherlock Holmes) liefert eine gute Leistung ab, ganz anders die Kollegen Joseph Fiennes (Der Rote Baron, Luther) und Rachel Weisz (Die Mumie, In meinem Himmel) die über die gesamte Distanz hinter ihrem Können agieren. Immerhin Ed Harris (The Abyss, Appaloosa), Bob Hoskins (Unleashed, Super Mario Bros) und Ron Perlman (Blade 2, Hellboy) wissen ihre Rollen glaubwürdig zu verkörpern.

Man verstrickt sich zu sehr in eine Liebesgeschichte und das Duell zweier Sniper, das Kriegsgeschehen rückt dabei völlig in den Hintergrund. "Duell - Enemy at the Gates" ist wahrlich kein schlechter Film, besonders die Sets sprechen Bände. Aber im Endeffekt unterhält dieses zweistündige Kriegs-Vehikel nicht lückenlos, man konzentriert sich zu sehr auf Nebensächlichkeiten.

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