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Sportkomödien sind meist sehr unauffällig, harmlos und daher nicht gerade Kassenmagneten, doch wenn man dann erstmals bei der Free-TV-Ausstrahlung hineinzappt, lassen sie einen nicht mehr los. Denn nicht selten bieten sie etwas, das den Big Budget-Events in der Regel abgeht: ein vom Alltag inspirierter Charme, die Nähe zum eigentlichen Leben.

Ron Sheltons "White Men Can`t Jump" von 1992 schliesst sich dem zweifellos an und erweist sich gleichzeitig als eine der besten Sportkomödien, was nicht zuletzt an dem ungleichen Team Snipes/Harrelson und den perfekt inszenierten Streetballeinlagen liegt.

Zum Inhalt: Billy Hoyle (Woody Harrelson) ist ein ganz Abgezockter: mit seiner Frau im Gepäck tingelt er durch die USA und grast sämtliche Street Courts ab, um sich auf Kosten anderer Spieler seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Dabei gibt er sich äußerlich als Vollidiot, denn so kann er den Vorteil der Unterschätzung seitens der Gegner gewinnen.
Eines Tages trifft er auf das Großmaul Sydney Dean (Wesley Snipes), Herr seines Platzes und auch Herr der großen Sprüche. Natürlich fällt er prompt auf Billys Masche rein und verliert all sein Geld an ihn. Da wittert Sydney schnell das große Geld: er will Billy zu seinem Partner machen und seine Unbekanntheit im Viertel für seine Zwecke nutzen. Ein neues Team ward geboren, doch leider kommt bald das leidige Privatleben in die Quere...

Vordergründig überzeugt das Spiel der beiden Protagonisten. Vor allem Harrelson bleibt im Gedächtnis als klassischer Verlierer, der zwar mit einem ausgeprägten Talent gesegnet ist, jedoch nicht weiß, wann er gewonnen hat; weder im Spiel noch in der Liebe.


An seiner Seite Rosie Perez, die eine wirklich interessante Figur geschaffen hat, wenn auch oftmals an der Grenze zum Overacting. Mal verständnisvoll, mal zickig, aber immer mit der vollen Portion weiblicher Logik gesegnet, überfordert sie regelmäßig Billys Gedankengänge. Auch als Zuschauer denkt man sich manchmal: hat die Alte einen an der Waffel?, und oftmals wird man sich (als Mann) an eigene Gespräche mit Frauen erinnert fühlen. Doch so ungern man sich das eingestehen will: irgendwann wird klar, dass sie die ganze Zeit über Recht hatte. Zusammen mit Billy steuert man dem nicht ganz so happy end entgegen, immer unter der Annahme, dass man ihr doch noch beweisen könne, dass man gewinnen kann. Doch manchmal sind die Gewinner eben die wirklichen Verlierer.


Auf der anderen Seite steht Sydneys Frau, die endlich aus dem Viertel raus will und ihren Mann dazu treibt, alles dafür zu tun, dass das klappt. So kommt es erst zu den Konflikten zwischen Sydney und Billy. Das Geld ist eben eine ernstzunehmende Konkurrenz für die Freundschaft.

Um dieses Viergestirn spannt sich nun der Plot, der sich aber zunächst einmal dezent zurückhält zugunsten der sehr atmosphärischen Streetballgames. Unterstützt von Zeitlupenaufnahmen schafft Shelton authentische Bilder ohne übertriebene Spielzüge. Im Gegenteil, der Dunk, ein von Natur aus aufsehenerregender Abschluss eines Spielzugs wird hier in Frage gestellt. Die Diskussion gab es schon in der NBA, wo Larry Bird fragte, wieso man unbedingt immer mit Dunks abschließen müsse, wenn es auch einfacher ginge. Im Film drückt sich Billy um die Dunks und muss in seinem Ehrgeiz beweisen, dass er durchaus den Ball direkt ins Netz pressen kann, worauf er dann gleich sein ganzes Preisgeld setzt.

Weiterhin sind die Umstände der Spiele sehr abwechslungsreich. Zum Teil spielen Billy und Sydney gegen Teilzeitgangster, die sich nach der Niederlage eine Knarre besorgen, um alle kalt zu machen, dann gibt es Spiele gegen alternde Streetballegenden, die wieder in der Gegend aufgetaucht sind und auch Competitions mit Preisgeldern finden statt (hier auch einer der Brüller: als Billy ununterbrochen die Gegner beleidigt und dabei quasselt wie ein Wasserfall).

Die Abwechslung ist auch über die Grenzen des Basketballfeldes gegeben: so werden wir Zeuge von Glorias Auftritt bei Jeopardy, den ihr Billy durch ein riskantes Wurfspiel gesichert hatte.

Die Sache mit den Geldeintreibern will aber irgendwie nicht so ganz ins Bild passen. Hier riecht es ein bisschen nach Film, nicht nach einer Momentaufnahme aus dem Alltag.
Ansonsten ist die Grundstory allerdings meiner Meinung nach notwendige Vorraussetzung dafür, dass die eigentlichen Spiele so viel Power haben. Poker ist ja schließlich auch aufregender, wenn es um Geld gespielt wird.

Das Ende ist erfreulich hollywood-untypisch. Es gibt weder einen besonders glücklichen noch einen abgrundtief traurigen Ausgang. Eben so, wie es auch oft im Leben läuft. Plus und minus gleichen sich doch meistens aus.

"White Men Can`t Jump" bleibt ein visuell und handwerklich einwandfreier Film. Über die Qualität des begleitenden Plots mag man streiten können, aber ohne Zweifel wurde er intelligent mit den Sportszenen verknüpft, so dass sich beide gegenseitig bedingen. Das gut eingespielte Team Harrelson/Snipes (auch "Money Train") lebt richtig auf und trägt den Film nach Buddy-Manier quasi im Alleingang.

So gehen Sydney und Billy am Ende weiter ihren Weg und dürfen noch ein wenig über ihre Spielweisen diskutieren ("Wenn man eine Katze in den Ofen steckt, wird noch lange kein Keks daraus:"). Und sind die kleinen Dinge im Leben nicht das, was am Ende zählt?

8/10

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