Nicholas Sparks’ Bestseller „The Notebook“ brachte Herzen zum Schmelzen, was lag da näher als eine Verfilmung mit zwei aufstrebenden Jungstars.
Die Rahmenhandlung des Geschehens spielt allerdings in einem Altenheim in der Gegenwart und in dieser Jungstar-freien Zone lebt auch eine nicht näher bezeichnete Alzheimerpatientin (Gena Rowlands). Sie erhält regelmäßig Besuch von jemandem (James Garner), der ihr vorliest. Tatsächlich packt „The Notebook“ dabei das Thema Alzheimer auf mutige Weise an und redet nicht drum herum, sondern beschäftigt sich immer wieder mit dem Folgen für die Patienten und deren Familien.
Bei seinen Lesungen erzählt der Herr dann die Haupthandlung des Films, die in den 40er Jahren beginnt. Allie Hamilton (Rachel McAdams) residiert über die Ferien in der Küstenstadt Seabrook, wo sie den smarten Arbeiter Noah Calhoun (Ryan Gosling) kennen lernt. Mit einiger Überredungskunst schleppt der sie auf ein Date und tatsächlich verlieben sich die beiden, worauf es dann die glücklichen Kodakmomente in der Montage hagelt.
Allies Eltern sind davon weniger angetan und forcieren die Trennung des Paares. Jahre später trifft sich das Paar wieder, Kriegsheimkehrer Noah will sich niederlassen – doch Allie ist mittlerweile anderweitig verlobt...
Das klingt nach eiskalt kalkuliertem Zielgruppenkino und so ganz kann sich „The Notebook“ nicht von seiner Formelhaftigkeit befreien, die ihm jedoch nur zu Beginn des letzten Drittels zum Verhängnis wird. Hier ist die Wiedervereinigung des Paares nach einigen Schwierigkeiten eigentlich nur noch Formsache, doch „The Notebook“ zögert den Moment immer weiter heraus. Das hätte nicht Not getan, jedoch kriegt „The Notebook“ die Kurve nach diesem Hänger.
Ansonsten ist der Film von Nick Cassavetes’ ruhiger Hand recht souverän inszeniert, gerade in Rottöne getauchte Vorspann ist ein filmisch wirklich eindrucksvolle Sequenz. Zudem vermeidet das Script trotz leichter Ansätze zum Pathos das Abrutschen in den Kitsch, das zu starke Gewolltsein. Tatsächlich wirkt die altbekannte Geschichte von der Tochter aus gutem Hause und dem Arbeiterjungen immer noch frisch, nicht zuletzt dank der mal witzig-pointierten, mal gefühlvollen Dialoge, in denen „The Notebook“ nie zu dick aufträgt, sondern vielmehr auf warmherzige Weise vom Verlieren und Wiederfinden der großen Liebe erzählt.
Immer wieder unterbricht dabei die Rahmenhandlung das Geschehen, wirkt teilweise kommentierend und nach einer Weile hat der Zuschauer durchaus eine gute Vorstellung davon, wer denn nun die beiden Gesprächspartner sind. Doch gerade das verstärkt die Tragik der Hauptgeschichte noch, das Ende des Films ist schön, gefühlvoll und trotzdem auf tieftraurig. Denn gerade dieser ausgesprochen konsequente Schluss hebt „The Notebook“ dann von irgendwelchen Westentaschenromanzen oder dem 08/15-Kram mit Happy End Garantie ab. Wobei man sich streiten kann, wie unhappy man das Ende nun sehen möchte, schließlich endet es für beide Partner mit einem Moment des Glücks.
Doch auch den Darstellern muss man dabei Lob zollen, sowohl der altehrwürdigen als auch den jungen aufstrebenden. Das Hauptdarstellerquartett spielt mit Elan und Würde, bringt die Emotionen der Hauptfiguren stets auf überzeugende Weise rüber und harmoniert wunderbar in der paarweisen Gruppierung. Dagegen ist Joan Allen als energische Mutti etwas kalt und klischeehaft, auch wenn der Film dies gegen Ende bricht, doch Sam Shepard als lockerer Papa Noahs kann da mehr Punkte sammeln. Soliden Support gibt es von Kevin Connolly, während James Marsden mal wieder den aalglatten Lover spielt, der gegen Ende dann verschmäht wird – doch den Mann hat man schon besser gesehen.
„The Notebook“ erfindet die Romanze nicht neu, wirkt stellenweise beinahe kalkuliert und doch: So warmherzig und mitreißend wurde eine derart altbekannte Mär selten erzählt. Vor allem das traurig-schöne Finale rundet den Film dann ab – da darf er dann ruhig auch passagenweise etwas sehr formelhaft sein.