Review

Spannender und toll besetzter Klosterkrimi nach dem gleichnamigen Bestseller von Umberto Eco.
Eine abgeschiedene Abtei im Mittelalter: Es tobt ein Streit zwischen verschiedenen Orden, die sich darüber streiten, ob die Kirche in Armut leben muss oder nicht und auch zwischen der verarmten Zivilbevölkerung und den Klerikern gibt es Spannungen. Dazu ist dann auch noch Winter, denn Regisseur Jean-Jacques Annaud lässt keine Chance aus hier von Anfang eine möglichst düstere, aber stimmige Atmosphäre zu schaffen.
In eben jene Abtei kommen auch der alteingesessene Mönch William von Baskerville (Sean Connery) und sein Novize Adso von Melk (Christian Slater). William ist der klerikale Oberchecker und sieht direkt, dass hier etwas faul ist als er ein frisches Grab entdeckt. Natürlich keine tolle Sache, denn die Abtei erwartet Gesandte des Papstes, die mit Vertretern das Armutsdogma der Kirche bequatschen wollen. Zeitdruck, ein geheimnisvoller Todesfall, ein gewitzter Protagonist – der klassische Krimistoff, trotz des mittelalterlichen Settings.

William und Adso machen sich daran die Hintergründe des Todesfalles zu ermitteln und kommen auf den Trichter, dass der Verstorbene wohl Selbstmord begangen hat. Kurz atmet man unter den Mönchskutten auf, doch dann gibt es weiteren Toten und der wurde eindeutig ermordet…
„Der Name der Rose“ ist ein düsterer und stimmungsvoller Krimi voller Zitate und Anspielungen. Da wären auf der einen Seite reale historische Hintergründe (Armutsdebatte innerhalb der Kirche, Ketzerprozesse usw.), auf der anderen Seite diverse Medienzitate. Zum einen beschäftigt sich der Film viel mit Medien, zum anderen lehnt er sich an berühmte Vorbilder an. Denn William von Baskerville und Adso sind z.B. nur Mönchsversionen von Sherlock Holmes und Watson: William weiß nahezu alles und fragt Adso oft, um zu erfahren, ob er die Zusammenhänge versteht (nebenbei auch noch ein nützliches Mittel sonst nicht ausgesprochene Gedanken an den Zuschauer weiterzugeben), wobei Adso natürlich klar der unerfahrene Schüler ist.
Der zu klärende Fall an sich hätte Sherlock Holmes dann auch alle Ehre gemacht, denn unsere beiden Detektivmönche ermitteln sich durch eine spannende und gut erdachte Geschichte. Die Story präsentiert überraschende Wendungen en masse und Regisseur Annaud zieht das Tempo immer stärker an, was dem Film die richtige Dynamik gibt. Längen gibt es nur kleinere, z.B. dann wenn ein paar Subplots zu stark betont werden. Aber die meisten Nebenhandlungen sind wirklich gut eingeflochten und erweitern den Film sinnvoll, z.B. die Fehde Williams mit dem Inquisitor oder das Bauernmädchen, in das sich Adso verliebt (und das nach bester Kriminalfilmtradition eine mögliche Verdächtige ist).

Doch obwohl „Der Name der Rose“ ein Kriminalfilm ist, so freut man sich, dass es sich um keinen herkömmlichen Krimi handelt, was an dem mittelalterlichen Setting liegt. Vor allem die stimmige Inszenierung Annauds und der Schauplatz der düsteren, leicht schaurigen Abtei sorgen dabei für die richtige Stimmung. Allerdings legt man William von Baskerville auch mal den einen oder anderen trockenen Spruch in den Mund, um das Geschehen aufzulockern.
Diese Rolle ist mit Sean Connery dann auch sehr treffend besetzt, denn der Schotte spielt den gewitzten Ermittler mit dem Mönchskluft mit dem gleichen ironischen Augenzwinkern, das bereits seine Rollen als James Bond auszeichnete. Der junge Christian Slater kann da natürlich nicht ganz mithalten, macht aber auch einen guten Job, während F. Murray Abraham einen herrlich arroganten Inquisitor abgibt. In einer frühen Rolle ist Ron Perlman als geistig etwas zurückgebliebener Buckliger zu sehen und das spielt er extrem überzeugend, wofür ihm Respekt gebührt.

Trotz kleinerer Längen ist Jean-Jacques Annaud mit „Der Name der Rose“ ein sehr spannender und atmosphärischer Klosterkrimi gelungen.

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