Jean-Jacques Annaud ist mit „Der Name der Rose“ eine der besten Literaturverfilmungen der vergangenen 25 Jahre gelungen… Bei der erstklassigen Vorlage von Umberto Eco war das schließlich auch kein Wunder, musste Annaud doch nur im Vorfeld darauf achten, die richtigen „Zutaten“ mit an Bord zu nehmen…
Der Franziskanermönch William von Baskerville (Sean Connery) ist gemeinsam mit seinem Novizen Adson von Melk (Christian Slater) zu Gast in einer norditalienischen Abtei, die in der jüngsten Vergangenheit und Gegenwart durch eine rätselhafte Serie von Todesfällen in Angst und Schrecken versetzt wurde. Zunächst sind die Mönche rund um ihren Abt (Michael Lonsdale) einhellig der Meinung, dass teuflische Mächte am Werke sind; doch William von Baskerville verfolgt eine ganz andere Spur, die darauf hindeutet, dass nicht Teufels Werk, sondern die mörderische Hand eines Menschen hier zugange ist.
Ja, die richtigen „Zutaten“ hat Annaud wahrlich gefunden. Das fängt bei der Rollenbesetzung an und endet schließlich mit der Auswahl der richtigen Kulissen. Sean Connery spielt hier als väterlich-liebenswürdiger, gebildeter und wissbegieriger Franziskanermönch William von Baskerville eine der stärksten Rollen seiner langen Karriere; Christian Slater agiert in einer seiner ersten Rollen als würdiger Sidekick des alt-ehrwürdigen Ex-Bonds; Michael Lonsdale als undurchsichtiger Abt und F.Murray Abrahams als Inquisitor Bernardo Gui sind – neben den vielen anderen hervorragend agierenden Nebendarstellern – als die größeren Lichtblicke im Cast zu nennen.
Die literarische Vorlage niemals aus dem Auge lassend hat Jean-Jacques Annaud daraus einen erstklassigen Film gestrickt, der an atmosphärischer Dichte kaum zu übertreffen ist. Die Spannung wird kontinuierlich um die notwendigen paar Grad angeheizt, die gelegentlichen Überraschungsmomente geschickt eingeflochten und so merkt der Zuschauer zu Ende kaum, dass bereits zwei Stunden „verflogen“ sind. Die Kulissen wirken dabei nie zu pompös, aber zugleich auch nie zu „billig“, sodass zu jedem Zeitpunkt der Eindruck aufrecht erhalten bleibt, man betrachte eine mittelalterliche Abtei. Ob die Umsetzung hundertprozentig historisch korrekt ist, sei dahin gestellt; jedenfalls ist die hundertprozentige literarische Korrektheit des Filmes jederzeit gewahrt.
Nun liegt es vielleicht daran, dass ich ein großer Fan von Romanen und Filmen bin, die eine Art mittelalterliche Kriminalgeschichte beinhalten, dass ich so sehr ins Schwärmen gerate, wenn es um „Der Name der Rose“ geht; doch eigentlich müsste sich jeder Film- und auch Literaturfreund eingestehen können, dass „Der Name der Rose“ sowohl als Film als auch als Buch ein erstklassiges Stück Unterhaltung darstellt und man als Rezensent aus diesem Grund einfach nicht an der Höchstnote vorbeikommt.