Review

„Der Name der Rose" ist sicherlich einer der bekanntesten Vertreter des Mittelalterfilms. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman des italienischen Schriftstellers Umberto Eco. Der ca. 600 Seiten starke Roman steht trotz seines großen Erfolgs im Ruf, eine sehr anspruchsvolle Lektüre zu sein. Was mich angeht: Zuerst muß ich sagen, dass ich das Buch erst vor wenigen Wochen zuende gelesen habe (den Film kannte ich also schon viel früher) und ich fand es gar nicht so kompliziert, immerhin hat es einen umfangreichen Anhang incl. Fremdwörtererklärung usw. Gefallen hat es mir jedenfalls ausgesprochen gut, trotz einiger langgezogener und komplexer Passagen.Wie auch immer, die Verfilmung konzentriert sich sowieso weniger auf „gelehrte Inhalte" als vielmehr auf eine spannende Umsetzung des eigentlichen Themas, obwohl manchmal doch die philosophische Ader des Verfassers durchscheint.

Zur Geschichte: Im Jahre 1327 statten der Franziskanermönch William von Baskerville und sein Zögling Adson von Melk einer abgelegenen Abtei einen Besuch ab. Dort soll ein Zusammentreffen mit päpstlichen Gesandten stattfinden, an dem die beiden teilnehmen werden. Kurz nach ihrer Ankunft wird das Augenmerk von William jedoch auf etwas ganz anderes gelenkt: Es hat einen mysteriösen Todesfall in der Abtei gegeben und William, der als ein sehr scharfsinniger Mensch gilt, wird vom Abt gebeten, sich um die Aufklärung dieses Falles zu kümmern. Doch während unsere beiden Gäste mit den Nachforschungen beginnen, geschieht ein zweiter Mord, und schließlich ein dritter. William kommt nach einigen Überlegungen zu dem Schluß, dass ein Buch des Aristoteles in der Mordserie eine Rolle zu spielen scheint. Ein Buch, von dem der blinde Seher Jorge von Burgos grimmig schnaubend behauptet, es habe niemals existiert.

Doch gerade als William der Sache langsam auf den Grund zu kommen scheint, wird ihm aufgetragen, mit seinen Nachforschungen aufzuhören. Bernardo Gui, ein Mann im Dienste der „heiligen" Inquisition, reist an und wird sich bald um die „Aufklärung" der Mordserie kümmern.

„Der Name der Rose" ist nichts anderes als ein hervorragender Mittelalter-Krimi. Die Geschichte ist spannend erzählt, sicherlich etwas anders als im Buch (siehe unten) aber die meisten ZENTRALEN Sachverhalte bezüglich der Morde kommen drin vor und verbinden sich zu einer geheimnisvollen Krimigeschichte. Einen großen Pluspunkt bekommt der Film durch seine sehr passende und düstere Location. Das Aedificium (welches sowohl den Schreibsaal als auch die geheimnisvolle Bibliothek beherbergt) ist von den Machern brilliant umgesetzt worden, ebenfalls die Kirche und überhaupt die ganze Abtei. Die Bibliothek selbst ist allerdings etwas anders dargestellt als im Buch, was aber wohl seine Grunde hat und nicht negativ ins Gewicht fällt. Die Musik von James Horner gibt dem ganzen Film zusätzlich eine atmosphärische Note.

Bei den Schauspielern muß gesagt werden, dass der Film streckenweise durch die großartige Leistung seines Hauptdarstellers Sean Connery lebt. Sehr charismatisch stellt er William als einen Menschen dar, der sich nicht beirren lässt und auch mal humorvoll sein kann, wenn andere ernst vor sich hinbrüten. Aber auch die anderen Darsteller sind gut, vor allem die vielen skurrilen Charaktere z.b. den buckligen Salvatore, Jorge von Burgos oder auch der „mondgesichtige" Berengar. Auch F. Murray Abraham kann als fieser Inquisitor voll und ganz überzeugen, genauso wie Valentina Vargas als arme, namenlose Schönheit.

Noch ein paar Worte zum Buch: Im Buch spielt die detaillierte Darstellung der mittelalterlichen Machtkämpfe eine große Rolle (ebenso wie die Einordnung der damaligen verschiedenen Sekten oder Ketzergruppen ), der Film greift diese zwar auch auf, aber legt das Augenmerk mehr auf Spannung und die Krimistory, was dem Zuschauer auch recht sein dürfte. Ansonsten gibt es natürlich noch einige Unterschiede, wobei mir manchmal der Film auch besser gefällt. Als Beispiel: Während des Ketzerprozesses meldet sich der Hauptdarsteller deutlich gegen den Inquisitor zu Wort, während er im Buch nichts gegen die unwahre Verurteilung des Kellermeisters unternimmt (dafür reißt er im Buch an anderer Stelle den Mund auf). Auch überlebt das Bauernmädchen am Ende des Films.

Wenn man also den Film mit dem Buch vergleicht, finde ich, dass beide klasse sind, jeder auf seine Art. Jean-Jacques Annaud hat eine gute Verfilmung von Umberto Ecos Roman abgeliefert, zudem ist es auch für mich einer der besten Mittelalterfilme, viel besser als z.b. Luther.
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