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James Caan spielt einen bekannten Romanautoren, der durch seine Roman-Reihe "Misery" bekannt wurde und nun plant, diese mit dem Tod der Hauptfigur zu beenden. Als er in einem Schneesturm einen Autounfall baut, wird er von seinem größten Fan, gespielt von Kathy Bates gerettet. Diese nimmt ihn bei sich auf, als sie jedoch sein neues Skript liest und feststellt, dass er seine Reihe beenden will, zwingt sie ihn, einen neuen Roman zu schreiben.

Wenn man "Stephen King-Verfilmung" hört, denkt man im ersten Moment unweigerlich an trashige B-Movies mit schwachen Darstellern, und ein paar Computer-Spiel-Ekel-Effekten. Bis auf wenige Ausnahmen, wie "Die Verurteilten", "Shining", "Dead Zone", "Carrie", "Green Mile" oder eben "Misery" mag dies auch zutreffen. Aber "Misery" ist definitiv besser und nicht nur etwas für Trash- und Horror-Fans, zumal ich ihn eher als Psycho-Thriller bezeichnen würde. Dabei muss man die, zugegebenermaßen etwas unglaubwürdige Ausgangssituation, erst einmal hinnehmen. Aber dennoch ist die Story auf jeden Fall ordentlich. Die Grundidee ist zunächst einmal relativ unverbraucht und die Story somit über weite Strecken nicht vorhersehbar. Die Charakterkonstruktion ist vor allem bei der überaus reizbaren und psychopathischen Kathy Bates hervorragend gelungen, wobei die Story zwar ein bisschen Tiefe hat, aber dennoch würde ich sie nicht unbedingt als vielschichtig bezeichnen wollen. Parallel zu dem, hervorragend entwickelten und dargestellten Zweikampf zwischen Bates und Caan gibt es einen Nebenhandlungsstrang um einen Sheriff, der den verschollenen Autoren sucht. Damit gibt es ein bisschen Abwechslung von dem intensiven Zweikampf der beiden Hauptdarsteller. Alles in allem ist die Story gut gelungen.

Regisseur Rob Reiner zeigt nach eher amüsanten Filmen wie "Harry und Sally" und "Die Braut des Prinzen", dass er nicht nur ein besonders guter Regisseur ist, sondern, dass er auch für ernste und spannende Filme durchaus zu gebrauchen ist. Später konnte er dies mit "Eine Frage der Ehre" oder "Das Attentat" fortsetzen. Die Filmmusik ist die ganze Zeit über eher ruhig, wirkt aber dennoch bedrohlich und baut bereits früh eine Atmosphäre der Angst auf, die den ganzen Film über gehalten werden kann. Vor allem, da Caan verletzt und hilflos ans Bett gefesselt ist und damit den Launen seiner erbarmungslosen Entführerin ausgesetzt ist, wird die Atmosphäre noch dunkler, gespannter und klaustrophobischer. Die Kulisse ist ebenfalls hervorragend gelungen, Reiner fängt die eisige Kulisse der verschneiten Berge hervorragend ein und zeigt damit noch einmal deutlich, wie ausweglos die Situation von Caan wirklich ist. Mit diesen hervorragenden Naturaufnahmen der amerikanischen Berge wirkt der Film gleich viel gewaltiger. Das Erzähltempo ist nicht überhastet, lässt aber auch zu keinem Zeitpunkt Langeweile zu. Reiner gelingt alles. Der Unterhaltungswert ist somit natürlich entsprechend hoch, zumal der Film sich zum Ende hin immer weiter steigert und in einem furiosen Finale endet. Anders als bei vielen Stephen King-Verfilmungen wird größtenteils auf Blut und übertriebene Gewalt verzichtet.

Natürlich benötigt man bei einem Psycho-Thriller wie "Misery" 2 überzeugende Hauptdarsteller, die den zentralen Zweikampf entsprechend darstellen können. Jodie Foster und Anthony Hopkins zeigten in "Das Schweigen der Lämmer", wie viel die Darsteller bei Filmen dieser Art wirklich ausmachen und dieses Duo ist definitiv ebenbürtig. Kathy Bates, die für ihre Darstellung als Psychopathin den Oscar bekam, zumal man diesen für Psychopathen- und Behinderten-Rollen überaus gern verleiht, ist überragend. Anfangs wirkt sie noch nett und liebenswert, aber wenn sie dann ihr wahres Gesicht zu zeigen beginnt, sieht man ihr überragendes Talent. Vor allem ihre kurzen Wutausbrüche und ihre Stimmungsschwankungen sind hervorragend gelungen. Mit dieser Rolle schaffte sie schließlich den Durchbruch und bewies später mit "About Schmidt" oder "Grüne Tomaten", dass "Misery" definitiv kein Glückstreffer war. James Caan kann zwar nicht ganz mit seiner Kollegin mithalten, präsentiert sich aber als hilfloser Buchautor in den Fängen einer Psychopathin überzeugend. Nach "Der Pate" und "Rollerball" sieht man erneut sein großes Talent und mit seiner sympathischen und ruhigen Art ist er sehr gut besetzt, zumal ich es nicht leiden kann, wenn die Charaktere in solchen Filmen in Hysterie verfallen. Der übrige Cast ist ebenfalls gut.

Fazit:
Mit zwei hervorragenden Darstellern setzt Rob Reiner den Zweikampf seiner beiden Hauptfiguren hervorragend um. Durch eine düstere Atmosphäre und einige unvorhersehbare Wendungen steigert er die Spannung zum Ende hin immer weiter und liefert damit einen der spannendsten Psycho-Thriller überhaupt und wird der genialen Vorlage von Stephen King damit auf jeden Fall gerecht. "Misery" sollte man sich nicht entgehen lassen.

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