Wenn man sich mal überlegt, wie viele Verwurstungen von Stephen King-Adaptionen die Leinwand sahen, die einfach nur mittelmäßig bis schlecht waren, kann man eigentllich nur dankbar dafür sein, dass sein Roman "Sie" von Rob Reiner verfilmt wurde, der schon das Glanzstück "Stand by Me" verfasste. Ein Kammerspiel, das nur viel "Psycho" bot und doch durch Extremitäten wie durch eine Beine-Amputation durch eine Axt zeigen sollte, kam bei vielen namhaften Schauspielern nicht gut an. Hinzu kam die Tatsache, dass die männliche Hauptrolle den ganzen Film an ein Krankenbett gefesselt sei, durch eine psychisch labile Amazone auf Trab gehalten wird - so dass im Dutzend namhafte Schauspieler absagten. Für die Hauptrolle unseres Helden sagten beispielsweise William Hurt, Kevin Kline, Michael Douglas, Harrison Ford, Dustin Hoffman, Robert De Niro, Al Pacino , Robert Redford und Gene Hackman ab, in der Befürchtung einen Image-Schaden durch die Rolle zu erleiden. So sagte James Caan zu, der das Geld dringend für Botox und gestrecktem Koks brauchte, und ihm ziemlich egal war, ob die Beine mit der Axt abgehackt werden. Schließlich einigte sich das "Producer-Team" um Rob Reiner darauf, diese Szene zu "entschärfen", und so bekam das Opfer die Füße nur zertrümmert...
Die Rolle der Psycho-Tussie wurde schnell mit Kathy Bathes besetzt, die hier die Rolle ihres Lebens spielt uns zu Recht einen Oscar dafür bekam.
Doch worum geht es eigentlich ?
Paul Sheldon (James Caan), erfolgreicher Autor der Misery-Romane erleidet einen Unfall, bei dem er schwer verletzt von der ehemaligen Krankenschwester Annie Wilkes (Kathy Bates) gefunden und gerettet wird, die ihn auf ihrer in der Walachai abgelegenen Ranch wieder zusammenflickt. "Der größte Fan", wie sich die Frau nennt, ist jedoch derb angepisst von Sheldons letztem Misery-Roman, bei dem er die Romanheldin sterben lässt. Uns so zwingt sie ihn, mit teilweise derben Methoden, die Auferstehung von"Misery" zu schreiben. Schließlich hat sie ihn in der Hand: Der Rest der Welt vermutet, dass der Schriftsteller bei diesem Autounfall ums Leben gekommen ist, und nur Annie weiß, dass er am Leben ist.
Dieses einmalige Kammerspiel beginnt mit einer bedächtligen Ruhe. Man weiß als Zuschauer, dass die Kacke mächtig am Dampfen ist, aber es dauert eine gewisse Zeit, bis Annie ihren ersten Wutanfall bekommt. Paul, der ans Bett gefesselt ist, spielt nur die Marionette und kommt nach und nach dem psychischen Wrack Annie auf die Schliche.
"Misery" kann nicht durch eine geniale Soundkulisse punkten, Rob Reiner verlässt sich ganz auf seine zwei Charaktere, wie sie harmonieren, bzw. sich im Zuge des anderen weiterentwickeln. Dies fesselt einen, spätestens ab der zweiten Filmhälfte kommt Hochspannung auf, der für einen großen, schwarzen Haufen Dung zu übelster Dünschiss beim Zuschauer sorgen wird. Wie Rob Reiner es gelang, noch einige humorische Aspekte zu setzen, wenn sie auch noch so zynisch rüberkommen, bleibt sein Geheimnis.
Diese würzige Granate ist jedem zu empfehlen, der nicht tausend Tode pro Minute braucht, sich auf ein fieses Kammerduell einlassen kann und checkt, dass der Pinguin nicht nach Norden sondern Süden steht.
Eine der besten King-Adaptionen
9/10