Die Frage, die sich mir stellt, ist, wie hoch man den Maßstab ansetzen darf, wenn man einen Film wie Schöne tote Mädchen bewerten soll. Muss man dem Film zu Gute halten, dass er aus Kroatien stammt? Ich denke man muss, denn Kroatien dürfte man guten Gewissens wohl nicht unbedingt als ein Land bezeichnen, das auf eine große Filmemacher-Geschichte zurückblicken kann. Umso mehr ist es bewundernswert, dass es ein Film aus Kroatien zu uns in die Videotheken geschafft hat. Dass es für den kroatischen Film wohl noch etwas zu früh ist, die deutschen Leinwände zu erobern, ist also nicht wirklich verwundernswert. Abzüge bekommt der Film aber für die Lauflänge von lediglich 77 Minuten.
Von der Geschiche her ist der Film wirklich nicht schlecht. So wird man in den Film ziemlich hineingeworfen. Es geht mit großem Getöse los und man hat zuerst wirklich keine Ahnung, um was es überhaupt geht. Der Film fängt damit an, dass die Polizei an einer Tür eines ziemlich abgewrackten Hauses klopft. Ein Mann öffnet sogleich die Tür, dessen Frau Olga (Inge Appelt) von einer gewissen Iva (Olga Pakalovic) beschuldigt wird, dessen Sohn entführt zu haben. Hierauf folgen nur knappe Andeutungen der Darsteller, die einen allerdings nichts über die eigentliche Thematik des Films verraten. Als die Untersuchung der Polizei ergebnislos verläuft, fährt der Inspektor (Milan Strlcjic) mit Iva in deren Wohnung. Nun erzählt Iva ausführlich die Beweggründe, die sie dazu veranlassen zu glauben, dass Olga für das Verschwinden ihres Sohnes verantwortlich ist.
Es stellt sich heraus, dass vor Jahren Iva mit ihrer lesbischen Freundin Marija (Nina Violic) als Mieterin in eine Wohnung von Olga eingezogen sind. Zuerst dachten die beiden Mädchen, dass die Hausbewohner alle in Ordnung sind. Dies stellte sich jedoch nach kurzer Zeit als Fehldeutung dar, denn jeder in diesm Mietshaus hatte seine Leichen im Keller. Lasic (Zdenko Sertic Krieger) ist Kriegsveteran, er kann manchmal nachts nicht schlafen, also hört er laute Marschmusik. Das einzige Mittel ihn davon abzuhalten ist den Strom auszuschalten. Dann gibt es noch die Prostituierte Lidija (Jadranka Dokic), der die Freier wegsterben, einen gewissen Herrn Rukavina (Mirko Boman), dem seine Frau schon längst tot im Sessel liegt, er sich aber von ihr nicht trennen will und sie deshalb vor sich hinmodern lässt. Dr. Peric ist Gynekologe. Er operiert mittlerweile zuhause. Zu ihm kommen z.B. Geschwister, die Inzest getrieben haben oder Nonnen, die sich ein Kind wegmachen lassen wollen. Frau Olga hat auch noch einen Sohn namens Daniel (Kresimir Mikic). Daniel lässt sich von Lidija einmal im Monat verwöhnen, damit er dicht hält über die Aktivitäten im Haus seiner Mutter. Allerdings ist er seit dem Einzug der beiden neuen Mädchen scharf auf Iva. Was er am Anfang leider nicht weiß ist, dass Iva und Marija ein Paar sind. Auch die Vermieterin Olga weiß dies nicht. Sie ist der Meinung, dass genau diese Iva die richtige für ihren Sohn ist. So lange sie dieser Meinung ist, ist sie auch noch absolut nett zu Iva. Als sie aber durch Schnüffelei - sie geht mit dem Zweitschlüssel in die Wohnung der Mädchen und entdeckt sie beim Sex - herausbekommt, dass die Mädchen lesbisch sind, dreht sie durch und schmeißt die beiden aus der Wohnung. Sie kann eine solche Unsittsamkeit nicht verkraften. Ihren Mann hingegen stört das Privatleben der beiden herzlich wenig. Das größte Problem entsteht allerdings dadurch, dass Marija irgendwann Daniel als hirnamputierten, impotenten Schwachkopf bezeichnet. Dies veranlasst Olga die Mädchen mit sofortiger Wirkung aus der Wohnung zu schmeißen. Als dann auch noch Daniel mit Lidija eine Wette abschließt, dass er Iva doch rumbekommt, grät die Geschichte völlig aus dem Ruder. Er täuscht eine Verletzung vor - er schneidet sich absichtlich mit einem Messer in die Hand - und will damit Iva, die Medizin studiert, veranlassen, dass sie ihm in ihrer Wohnung die Wunde verbindet. Als dieses Manöver Erfolg hat, frägt er sie wieder und wieder, ob sie nicht einmal als gute Freunde zusammen ausgehen können. Natürlich geht Iva nicht auf dieses Angebot ein, was Daniel in einer Kurzschlußreaktion aus gekränkter Eitelkeit zu etwas Schrecklichen veranlasst....
Fazit:
Betrachtet man den Film ansich, hat er natürlich große Defizite. Er ist zum Teil ziemlich verwirrend. Auch die Menge der "Leichen" der Bewohner des Mietshauses ist wohl etwas sehr übertrieben. Zusätzlich ist es einfach nicht wirklich erklärbar, dass die Polizei, obwohl sie des öfteren auf das Mietshaus aufmerksam wird, nie den Ungereimtheiten wirklich nachgeht bzw. einfach einmal das Haus stürmt und die Bewohner wirklich verhört. Also da ist meiner Meinung nach sehr vieles unrealistisch und willkürlich an den "Haaren herbei gezogen". Allerdings muss man Dalibor Matanic zu Gute halten, dass er als kroatischer Regisseur sehr großen Mut und Anstrengung bewiesen hat, überhaupt einen solchen Film herauszubringen. Auch die Länge des Film von nur 77 Minuten ist etwas zu knapp für eine bessere Bewertung ausgefallen...
Kurz und knapp: Man kann nur hoffen, dass es nicht das letzte Werk von Matanic war und er sich von Film zu Film weiterentwickelt...anschauenswert
7/10 Punkte