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Orientiert an Filmen wie dem englischen „Witchfinder General“ schien in Deutschland 1970 der Exploitation-Beitrag „Hexen bis aufs Blut gequält“.
Nach einer anfänglichen Jagd auf Nonnen und einer Hexenverbrennung startet die Haupthandlung des Films mit der Versicherung die Geschehnisse basierten auf realen Fällen. Sicher zur Skandal- und Schockverstärkung, andrerseits dürfte der religiöse Fanatismus im Mitteljahr tatsächlich ähnlich grausam oder nach schlimmer gewesen sein als im Film dargestellt, denn bei der Erfindung von Foltermethoden war der menschliche Geist ja stets sehr erfinderisch.
Im Grunde geht es hier um ein Dörfchen, in dem der Hexenjäger Albino (Reggie Nalder) die Macht innehatte. Doch der Inquisitor Lord Cumberland (Herbert Lom) kommt mit seiner Nummer zwei, Graf Christian von Meruh (Udo Kier), dorthin, löst Albino ab – doch besser wird es für die Angeklagten nicht…

Was dann folgt, ist Exploitation in Reinkultur, die gerne mal auf erzählerische Finessen verzichtet. Man erlebt verschiedene Anklagen an mehr oder minder Schuldige, als roter Faden dient die Geschichte der Schankmaid Vanessa (Olivera Vuco), welche Albino der Hexerei anklagt, weil sie ihn nicht ranlässt. Derartige Anklagen gegen das Ausnutzen der Hexenjagden zum persönlichen Vorteil finden sich viele, z.B. soll ein Adeliger um das ererbte Vermögen gebracht werden oder die Ehre eines unkeuschen Bischofs verteidigt werden, indem man die entsprechenden kritischen Stimmen durch Hexerei-Bezichtigungen mundtot macht – und durch Folter später nicht nur mundtot.
Freilich fehlt da etwas die erzählerische Geschlossenheit, da die einzelnen Handlungsstränge bestenfalls rote Fäden sind, die das Konglomerat aus Anklagen, Seitenhieben und Folterszenen zusammenhalten. Letztere sind für ihre Zeit durchaus explizit, aber nicht so vordergründig oder ermüdend wie man es modernen Folterfilmen Marke „Hostel“ kennt, sondern wirklich kleine, markant gesetzte Schockpunkte, die ihren Zweck erfüllen.

Dramaturgisch ist das Ganze teilweise etwas plump, z.B. wenn etwas hysterisches Gekreische der Schankmaid ausreicht, um die duckmäuserischen Dörfler in einen Lynchmob zu verwandeln, dafür ist „Hexen bis aufs Blut gequält“ erfreulich ironisch. Gerade die Szenen zwischen Christian und Vanessa sind als Romanze gedreht, die oft den Heimatfilm parodiert: Man marschiert durch die idyllische Alpenlandschaft, neckt sich, im Hintergrund läuft typische Heimatfilmmusik – und in der nächsten Szene wird dann wieder gefoltert. Die musikalische Untermalung mit ihrem prägnanten Streichereinsatz ist eh sehr gelungen, recht lustig auch der Marionette umgebaute Hase und das Anti-Happy End, welches diverse Zuschauererwartungen gegen den Strich bürstet.
Udo Kier spielt etwas steif, aber es ist schon lustig zu beobachten, wie ruhig er bleibt, während allein seine Anwesenheit alle Mädels wuschig macht. Toll hingegen Herbert Lom als Oberinquisitor mit unbezahlbaren Sätzen wie „Verstärkt die Folter“ und Reggie Nader als widerlicher Hexenjäger. Ordentlich auch Olivera Vuco, wenngleich sie oft nur auf ihren Ausschnitt reduziert wird – aber das ist eben Exploitation.

Alles in allem ein putziger deutscher Beitrag zum Exploitationgenre, erzählerisch nicht immer das Gelbe vom Ei, aber stilsicher als böser Anti-Heimatfilm inszeniert, kurzweilig und stellenweise sogar kritisch gegenüber religiösem Fanatismus.

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