Review

In der Wüste New Mexicos werden mehrere Menschen angegriffen und schrecklich verstümmelt. Schnell finden Polizei und Umweltamt heraus, was es mit den mysteriösen Vorgängen auf sich hat: Durch Atombombentests verstrahlte Ameisen sind zu riesigen Monstern mutiert und treiben nun ihr Unwesen. Obwohl das Nest der Riesenameisen bald zerstört werden kann, entkommen einige der Kreaturen - und werden zur mörderischen Bedrohung für Los Angeles.

Die 50er-Jahre sind bis heute eine Schatzkiste für Trashfilm-Fans: Billig produzierte Monsterfilme mit altmodischen Tricks, vollgestopft mit Pseudowissenschaft und unglaubwürdigen Details, zeugen von der erzählerischen Naivität, mit der Hollywoods Drehbuchautoren damals das weite Feld der modernen Wissenschaft für ihre Zwecke plünderten. Aus der Masse solcher Science-Fiction- und Horrorfilme sticht „Formicula" ein kleines Stück heraus, obwohl auch dieser legendäre Streifen all diese Schwächen in sich vereint - papierdünne Reißbrettfiguren, klischeehafte Rollenverteilungen (selbst eine Wissenschaftlerin ist hauptsächlich dazu da, beim Anblick der Riesenameisen panisch zu schreien) samt üblem Macho-Gehabe und eine pseudowissenschaftliche Erklärung für die Monster, die immerhin leichte Kritik an der Entwicklung der Atombombe übt. Darüber hinaus erweist sich auch die Dramaturgie als schwerfällig und teilweise ungeschickt: Beginnt der Film noch als scheinbar räumlich begrenzter Survival-Thriller in der Wüste, nimmt ihm der Wechsel nach Los Angeles viel von seiner zunächst erzeugten Spannung und sorgt im Mittelteil für einige Durchhänger. Erst im furiosen Finale wird es wieder spannend und spektakulär.

Natürlich nur, wenn man sich von modernen Sehgewohnheiten verabschieden kann: Statt CGI-Kreaturen kriechen hier riesige handgemachte Monster-Puppen durch die Gegend. Das sieht nicht wirklich überzeugend aus, ist in seiner scheinbaren Einfachheit aber so sympathisch, dass es jedem Trash-Fan zu Herzen gehen dürfte. Und was „Formicula" an überzeugenden Effekten fehlt, macht er zumindest streckenweise mit geschickter Inszenierung wett: etwa die anfänglichen mysteriösen Hinweise auf seltsame Begebenheiten und die atmosphärischen Wüstenbilder, die im wahrhaft gelungenen ersten Auftauchen einer Monsterameise gipfeln. Auch ist der Aufwand, der hier betrieben wird, im Vergleich zu vielen ähnlich gelagerten Streifen jener Zeit deutlich höher - mehr Kulissen, mehr Darsteller, mehr Flammenwerfer! Und wie schon gesagt: Das actionreiche Finale in den Abwasserschächten von Los Angeles kann wirklich packen und prächtig unterhalten.

„Formicula" ist sozusagen eine Blaupause aller 50er-Jahre-Monsterstreifen - naiv, in mancher Hinsicht aus heutiger Perspektive fragwürdig (etwa was die Rolle der Frauen angeht oder die positive Verklärung des heldenhaften Militärs), aber mit vergleichsweise simplen Mitteln unterhaltsam und actiongeladen. Und filmhistorisch ist es überaus interessant, hier die diffuse Angst der Menschen kurz nach Entwicklung der Atomkraft (und deren erster schrecklicher Auswirkungen im Zweiten Weltkrieg) visualisiert zu sehen. Die Monsterameisen jedenfalls gehören trotz allzu simpler Story zum Besten, was das Creature Feature dieses Jahrzehnts zu bieten hatte - für Genre-Fans ein echter kleiner Klassiker!

Details
Ähnliche Filme