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Malcom McDowell hat sich schon lange zum heimlichen Kult-Star unter den Nebendarstellern gemausert. Auch wenn er schon die ein oder andere Hauptrolle spielen durfte (z. Bsp. in "Uhrwerk Orange und "Caligula"), so waren es doch hauptsächlich die Nebenrollen, in denen er sein grandioses Können unter Beweis stellen durfte. So gab er u.a. den Austin Cloquet in "Mr. Magoo", war als Kesslee in "Tank Girl" zu sehen oder rettete auch den Film "Star Trek: Generations", durch seine Darstellung des Dr. Tolian Soran, vor Abgründen. In "The Barber" nun durfte er endlich mal wieder eine Hauptrolle spielen. Herausgekommen ist dabei ein spannender Thriller, der ungewöhnliche Wege geht und mit einem wunderbaren McDowell aufwarten kann.

Auf den ersten Blick sieht allerdings auch "The Barber" wie ein gewöhnlicher Killer-Thriller aus. In einer kleinen Stadt, in den tiefen Alaskas, geschehen plötzlich zwei Morde. Emsig macht sich der Kleinstadtbulle Corgan daran, den Fall aufzuklären. Zur Seite wird ihm ein schmieriger FBI-Agent gestellt, der aber kaum eine größere Hilfe ist. Beobachtet wird das ganze Treiben dabei von dem Friseur Dexter, der dem Zuschauer auch als Erzähler der ganzen Geschichte dient und dabei einige merkwürdige Andeutungen fallen lässt. Schnell wird einem somit klar wie der Hase läuft! Ohne Frage, diese kleine Geschichte wirkt auf den ersten Blick recht konventionell, doch von dieser Einstellung wird man sich mit Sicherheit sehr schnell lösen, denn der Kniff liegt im Detail.

Denn wo es den Machern bei anderen Filmen dieser Art eher darum geht, den Zuschauer möglichst bis zum Schluss aufs Glatteis zu führen, bei dessen Suche nach dem Mörder, so wird einem hier schon in den ersten fünf Minuten ganz klar angedeutet, wer hinter den grausamen Morden steckt. Auf die spannende Frage "Wer war es?", wird somit, im Grunde, komplett verzichtet, wenn einem der Mörder auch nicht gleich auf dem Silbertablett geliefert wird. Doch wer genau hinhört, dem dürfte die Lösung auf diese Frage sofort klar sein und das ist 100% auch so beabsichtigt.

Denn dieses mal geht es nämlich mehr um die Frage wie lange es dauern wird, bis die Polizisten im Film auf die richtige Spur kommen. Und damit wird einem dann doch ein netter Spannungsbogen geliefert. Zwar kann dieser dennoch nicht ganz mit Spannungsbögen der Filme mit der Frage nach dem Täter mithalten, doch wenn die Polizisten sich mal wieder auf die falsche Fährte begeben und verschleierte Indizien falsch deuten, dann kann der Zuschauer schon mitfiebern.

Ein weiterer Clou liegt zudem im Ende, was dann so gar nicht konventionell sein möchte. Zwar ist der Mörder wirklich der, der einem von Anfang klar sein müsste, doch trotzdem hat der Film einen wunderbaren Ausgang, den man so sicher nicht erwartet hätte. Zwar wird einigen dieses Ende sicher nicht schmecken, doch Filmfans, die schon immer mal einen etwas anderen Schluss bei einem Krimi haben wollten, die werden mit diesem Schluss sicher bestens bedient.

Was die Darsteller angeht, so kann vor allem Hauptdarsteller Malcolm McDowell, als Provinz-Friseur, überzeugen. Zwar hat er, als Hauptrolle, vielleicht etwas arg wenig Screentime abgekriegt, doch wenn er dann mal auf dem Bildschirm erscheint, kann er mehr als nur überzeugen. Eigentlich schade, dass er es nie unter die ganz Großen in Hollywood geschafft hat, verdient hätte er es jedenfalls. Na ja, auf der anderen Seite ist er somit aber auch dem immensen Star-Druck ausgeliefert, was sich am Ende dann vielleicht doch positiv auf sein Spiel auswirkt. Wie dem auch sei, hier ist er jedenfalls einmal mehr richtig spitze. Die anderen Schauspieler kennt man dafür nicht so gut, legen aber ebenfalls allesamt eine Leistung ab, über die man nicht meckern kann!

Fazit: Spannender kleiner Killer-Thriller, mit dem atmosphärischen Schauplatz Alaska, der zwar in Sachen Grundstory sicher nicht viel Neues bietet, dafür aber in punkto Handlung, mit einigen interessanten Kniffen, den Zuschauer bei Laune hält. Auch wenn es sicherlich spannendere Filme gibt, so kann auch der Bogen bei "The Barber" überzeugen, auch wenn man (eigentlich) schon von Anfang an weiß, wer der Täter ist. Dazu ein herrlich unkonventionelles Ende und ein Malcolm McDowell in Bestform. Für einen kleinen aber feinen Film kann das schon mehr als ausreichend sein!

Wertung: 7/10 Punkte

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