Wenn man von qualitativ hochwertigen B-Movies spricht, kommt einem der Name Royal Oaks sicherlich nicht unbedingt zu erst in den Sinn. In den wenigen Jahren ihres Bestehens hat sich die Produktionsfirma doch eher mit lahmen Action und leicht sleazigen Filmen hervorgetan, erwähnt sei nur der unsägliche „Masseuse“ von Fred Olin Ray. Das man es auch besser kann, zeigt sich mit dem Science-Fiction Thriller „Scorpio One. Der ist zwar auch noch ein großes Stück davon entfernt ein Top-Film zu sein, aber zumindest hat er durchaus auch positive Eindrücke zu bieten.
Die Story ist dabei wohl leider etwas aus dem Ruder gelaufen. So gibt es ein wildes Sammelsurium an Storyversatzstücken, die sich leider nie so ganz zu einer Einheit zusammenfügen wollen.
Hauptschauplatz ist die Raumstation „Scorpio One“, die außerhalb der Erdatmosphäre kreist. Die Station wird verwendet um an der „kalten Fusion“ zu forschen, die mit einem Schlag sämtliche Energieprobleme der Erde lösen würde. Das lassen sich skrupellose Politiker und Rüstungsunternehmer natürlich nicht entgehen und so ist bald die Besatzung der Raumstation tot und es braucht einen echten Helden um herauszufinden was dort oben vor sich geht. Nach einem kurzen Abstecher in den Nahen Osten, wo noch im Vorbeigehen ein paar Terroristen getötet werden, befindet sich Jared Stone (Jeff Speakman) auch schon an Bord eines Space Shuttle und fliegt mit einer 5 Köpfigen Crew (u.a. David Carradine, Robin Curtis und Steve Kanaly) und 6 Army Rangern ins All. Was er nicht ahnt, nicht nur an Bord des Shuttles spielen einige falsch, auch in den Reihen des CIA und der Regierung sitzen die Feinde.
Klingt soweit ganz ordentlich, scheitert aber leider zumeist an den eigenen hohen Ansprüchen. Regisseur Worth Keeter und Drehbuchautor Steve Latshaw übernehmen sich doch gewaltig. Nicht nur, dass der Film viel zu lange braucht, um mit der eigentlichen Handlung zu beginnen, er wird auch immer wieder durch die verschiedensten Umschnitte auf immer neue Verschwörungen auf der Erde, gnadenlos ausgebremst. Die CIA spielt
falsch, die Regierung auch und dazu mischt noch die Rüstungsindustrie kräftig mit. Die Handlung im All wird da streckenweise zur Nebensache, was aber zu verschmerzen ist, da sich auch hier nichts wirklich Entscheidendes ereignet. Tempo nimmt der Film nur ganz selten auf. Da hilft es auch nicht wenn, nach gut der Hälfte der Spielzeit, zum ersten Mal leichte Anflüge von Action aufkommen, die aber auch so schnell wieder verschwinden wie sie auftauchen.
Der geneigte B-Action Fan wird also sichtlich enttäuscht sein, denn abgesehen von 2 kleinen Shoot-outs und 2-3 kleineren Handgemenge wird wenig geboten. Schade, da man mit Jeff Speakman ja durchaus einen ordentlichen Kämpfer als Hauptdarsteller dabei hat. So muss der sich aber, wie der Rest des Casts auch, zumeist auf die eher bescheidenen Schauspielerischen Fähigkeiten verlassen und das wirkt dann doch zumeist eher hölzern und driftet auch schon mal ins unfreiwillig komische ab. Am besten schlagen sich hierbei noch David Carradine als Shuttlepilot und Verbündeter von Speakman und Georg Murdock, der als zwielichtiger CIA Chef zumindest mit sichtlicher Freude bei der Arbeit ist.
Erstaunlich gut sind die Effekte von „Scorpio One“ ausgefallen. Wobei Worth Keeter gar nicht erst den Fehler macht und beispielsweise einen Shuttle Start mit seinem bescheidenen Budget von der Special Effects Abteilung verlangt, sondern sich auf Stock-Footage verlässt. Das wird aber zumindest passend und harmonisch zum Rest des Films eingesetzt. Aber auch abseits davon gelingen durchaus ansehnliche Effekte. Sei es nun die Raumstation oder auch die Flugszenen des Space Shuttles im All. Ganz klar, hochqualitativ ist das nicht, aber zumindest stimmt auch hier die Optik und man merkt doch, dass hier, ebenso wie bei den recht gut gelungenen Kulissen, zumindest ein wenig Arbeit und Geld investiert wurde In Anbetracht des Budgets wirkt das alles durchweg gelungen und lässt einen über die ein oder andere vermeidbare Sache hinwegsehen. So etwa die Fototapete, die den Blick auf die Erde darstellen soll.
„Scorpio One“ erfindet den Science-Fiction Film nicht neu, ist über weite Strecken hoffnungslos in einer viel zu aufgebauschten Story gefangen, klischeehaft und kommt viel zu spät wirklich auf die Handlung an sich zu sprechen, aber trotz all dieser Mankos kann man dem Film einen durchaus vorhandenen Unterhaltungswert nicht absprechen. Man sollte nur nicht mit den falschen Erwartungen an den Film gehen. Denn wer auf Action aus ist, der wird hier sicherlich enttäuscht sein, für einen recht ordentlichen B-Movie Sci-Fi–Thriller reicht es aber dann doch. Und zumindest kann sich der Film rühmen einer der besseren aus der Royal Oaks Schmiede zu sein. Das ist doch auch was.
4 von 10 Punkten.
Review wurde auch auf www.filmbesprechungen.de veröffentlicht.