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Juhuu, eine Neuauflage von "die Schöne und das Biest". Die Schöne ist Penelope Ann Miller, das Biest ein Untier, eine Mischung aus Reptil und Mensch, die Verwirklichung verborgener Ängste. Dessen Lieblingsspeise sind mit Pilzen bewucherte Blätter, als Dessert gönnt es sich ganz gerne auch einen Hippothalamus. Natürlich am liebsten frisch, ähnlich wie bei Kokosnüssen muß die Schale, in diesem Fall also die menschliche Schädeldecke, dazu aufgeknackt werden. Das ist also der Stoff, aus dem ein typischer Vertreter der 90er-Jahre-Horror-Schocker gestrickt wurde.

Hyams verfilmt hier eine ganz passable Romanvorlage zu einem durchschnittlich grusligen Kinoerlebnis. Der Plot verläuft vorhersehbar und geradlinig, alles paßt wie Mosaiksteinchen zusammen und ergeben präzise ablaufend wie ein Uhrwerk ein zu erahnendes Gesamtbild. Der Zuschauer wird weniger zum mitdenken, als vielmehr zum rezipieren aufgefordert - da Fiffi, friss schon, ist doch ganz lecker, nicht wahr?

Man kann sich nicht so recht entscheiden, soll man Gähnen ob schlecht umgesetzter und verpatzter Detailarbeit, oder die berühmten "Fünfe grad sein lassen" und die Gesamtheit auf sich wirken lassen und honorieren. Frau Miller und Herr Sizemore tragen ja nicht unerheblich zu einem passablen Ergebnis bei, insbesondere Sizemores sympathische Art trägt ähnlich wie zuvor in "Heat" stark zur Identifikationsfigur bei. Seine menschliche Furcht, sein Aberglaube hilft hier ordentlich mit, erscheint aber doch durchkalkuliert.

Überhaupt das Zusammenwirken der Protagonisten ist so eine abgekartete Sache. Die beiden sich verlaufenden Schulkinder, der verschwundene Professor, die typischen kalkulierten Spannungsverstärker - alles etwas abgeschmackt und zu sehr konstruiert. Was ein Zufall, daß das Monster gerade dann wütet, als die große Eröffnungsgala ansteht. Das kommt zwar vom Ergebnis her gut rüber, aber ohne dieses Ereignis wär die Story keine Story sondern ein schlafendes und vermutlich verhungerndes "Relikt" im Museumskeller - unverfilmbar. Ein Dilemma, dessen Lösung halt immer ein "G'schmäckle" haben wird bei solchen Stories: konstruiere die absurdesten Zufälle zu einem Gesamtwerk zusammen, damit Spannung aufkommt und wir einen Plot zur Verfilmung geeignet gefunden haben, garniert mit typischen Drehbuchtricks nach Schema F. Großes Lob dafür an die Kulissenbauer: das Museum und dessen Einrichtung ist perfekt gelungen und trägt viel zur nackenhaareaufstellenden Atmosphäre bei.

Für Genrefans ist das "Relikt" sicherlich ein unterhaltsamer Schinken, für Anspruchsvolle allenfalls akzeptable Unterhaltung.

(5/10)

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