Review

Wieder mal kommt Hollywood mit einem relativ groß aufgemachten Grusler der Marke "Monsterhorror" daher und wundert sich hinterher, daß die Einspielergebnisse lang und breit hinter den Erwartungen zurückbleiben. Denn obwohl wir es hier mit einem interessanten Viech in reizvoll-atmosphärischer Museumsumgebung zu tun haben, ist der rote Faden wieder mal arg transparent und der Reiz verliert sich am Ende in einem konfusen Hickhack im Düsterdunkel, den wir schon x-mal gesehen haben.

Dabei fängt alles im Urwald noch recht interessant an und macht ob seiner mangelnden Erklärungen, was denn nun vorgeht, tatsächlich Appetit auf mehr. Nach gut 10 Minuten wechselt die Szenerie zum Museum für Naturgeschichte in Chicago und nun wird es rein ausstattungstechnisch sogar erlesen. Eine geradezu gewaltige, halb düstere-halb morbide (reichlich ausgestopfte Tiere) Kulisse türmt sich vor dem Betrachter, in deren verschleierten Tiefen die Hauptdarsteller zu Winzlingen schrumpfen. Diese sind mit Tom Sizemore als abergläubischem Polizisten und Penelope Ann Miller als Wissenschaftlerin erfrischend sympathisch und unverbraucht gezeichnet. Doch schon da werden die Zutaten des folgenden offensichtlich: eine Monsterstatue, Urwaldblätter mit einem seltsamen Pilz, ein Wissenschaftler, der nie da ist, ein anderer als vollendetes Ekel, der hinter Forschunggeldern her ist. Anschließend erwischt es (leider) einen netten Wachmann, der auf dem Klo gerade einen Joint durchzieht, anstelle von zwei nervigen Blagen, die sich einschließen lassen haben. Daß es künftig heftig zur Sache geht, beweisen schon abgerissener Kopf und ausgelutschtes Gehirn in Großaufnahme.

Doch leider geht die Suspense-Qualität mit zunehmender Filmdauer flöten. Die Jagd der Protagonistin durch eine verwinkelte, menschenleere Aberglaube-Ausstellung (eine blickverdrehende Kamerafahrt, aber leider zu schnell und hektisch geschnitten) ist das letzte Highlight, ehe alles (logo) auf den großen Ball der Sponsoren mit Ausstellungseröffnung zuläuft, wo natürlich das Massaker vorprogrammiert ist. Hier teilt sich der Film in drei Teile und das Drehbuch weist Schwächen auf. Der Polizist läuft ziellos in düsteren Kellergängen herum, die Wissenschaftlerin ist eingeschlossen und alle übrigen Canapee-Genießer werden in der Lobby weggehäckselt. Also ordentlich Panik, Flucht, geschlossene Türen und abgebissene Köpfe.

Leider verliert sich die Hatz im letzten Drittel zu sehr in genügend bekannten düsteren Kellertunneln und die blutigen Effekte (schön!) können nicht ganz darüber hinwegtäuschen, daß das Monster nacheinander an allen möglichen ewig weit auseinanderliegenden Plätzen auftaucht, um ein paar Hypotalami wegzunaschen. Das sind nur bekannte Bilder, ordentlich umgesetzt, aber nicht sehr innovativ. Immerhin bleibt die Spannung auf ausreichendem Level, bis es zu einem überraschend kurzem Showdown kommt, der zwar optisch gut umgesetzt ist, aber bei dem die Logik total flöten geht (Ich sage nur: Hätte sie nicht bereits fünfmal eingeholt sein müssen?).

Wirklich schön ist die Kreatur, die so viele Tierchen in sich vereint, daß man sie alle im Halbdunkel nie so recht ausmachen kann. Sieht aber lecker monströs aus - da kann man schon mal den Kopf verlieren. Die menschlichen Charaktere haben nur einen beschränkten Wendekreis und sind (besonders der gierige Scientist, die Sponsoren und der Bürgermeister) bisweilen bloße Pappkameraden aus der Bastelkiste. Trotzdem machen Sizemore und Miller einen frischen Eindruck, wenn man sich auch mehr Sizemore (More Size?) gewünscht hätte.

Wer also einen sorgfältigen Monsterhorror möchte, der akzeptabel umgesetzt und teilweise recht hart ist und trotzdem diverse Klischees nicht scheut, kann hier mal reinschauen. Und anschließend eine Runde durchs Museum. (7/10)

Details
Ähnliche Filme