Nachdem zwei Kisten mit einem Abbild eines Stammesgottes aus Brasilien im Chicagoer Museum für Naturgeschichte ankommen, geschieht ein eiskalter Mord an einem Wachmann. Der Kopf wurde abgerissen - das Gehirn entnommen. Lieutenant Vincent D'Agosta (Tom Sizemore) und Detective Hollingsworth nehmen sich ihrer dem Fall an. Zusammen mit der Evolutionsbiologin Dr. Margo Green (Penelope Ann Miller), die ebenfalls im Museum arbeitet, versuchen sie den Mord aufzuklären. Gleichzeitig ist eine Gala geplant - ein schlechter Zeitpunkt, denn der Killer scheint angeblich noch immer im Museum sein Unheil zu treiben. D'Agosta rätselt über die Identität des brutalen Mörders und muß schnell herausfinden, dass es sich nicht um einen normalen Mordfall handelt.
Ein Horrorfilm, produziert von Gale Ann Hurd (bekannt durch Werke wie Terminator 1-3, Hulk, Dick, Virus, Armaggeddon, Dante's Peak und Aliens) und unter Regie von Peter Hyams (Presidio, Time Cop, Sudden Death und End of Days), basierend auf einem exzellenten Roman von Douglas Preston, scheint viel zu versprechen. Zusätzlich kann die internationale Produktion (USA, Japan, Deutschland, Neuseeland und UK) durch ein recht spektakuläres Staraufgebot überzeugen. Und tatsächlich, die Rechnung geht auf: Mit "Das Relikt" findet der Suspense- und Horrorfreund ein wirklich unterbewertetes Kleinod des Genres.
Als allererstes kann die gut ausgeklügelte Story überzeugen, die Liebe zum Detail beweist. Romanautor Douglas Preston erschuf eine spannende und originelle Geschichte um tiefe Charaktere, die nicht in der Oberflächlichkeit versumpfen und in die man sich gut hineinversetzen kann, was bei Horrorfilmen nicht unbedingt üblich ist. Sowohl Autor, als auch Regisseur Peter Hyams, haben persönliche Beziehungen zum Chicagoer Museum, deshalb ist die Geschichte teils authentisch.
Der Zuschauer kann sich nicht über mangelnde Horror- und Gruselsequenzen beschweren. Die düsteren Gänge und Schächte des schier riesigen Museums wirken gruselig und klaustrophobisch. Durch eine gute Regie und einen brauchbaren Schnitt sind erschreckende Überraschungsmomente garantiert. Beim ersten Anschauen wird der Zuschauer sicher ein paar mal aus seinem Sitz springen. Verschweigen sollte man bei all der Spannung und gelungenen Schockmomenten allerdings nicht, dass vielleicht einige der Szenen für Genrefans etwas offensichtlich sind - diese überwiegen allerdings nicht, das Werk bleibt somit frisch.
Als größter Pluspunkt hervorzuheben ist, dass der gewagte Stoff um ein riesiges Monster nie lächerlich wirkt. Die durchgehende Ernsthaftigkeit von Hyams' Streifen ist (positiv) erschreckend und somit wird eine unglaublich realistische und gruselige Atmosphäre erschaffen. Selbst die ziemlich komischen Wortwitze haben einen sarkastischen Nachgeschmack - da kann einem schon mal das Lachen im Hals stecken bleiben.
Durch die guten Requisiten und durch Aufnahmen aus dem echten Naturgeschichte-Museum in Chicago wird sowieso eine exzellente Atmosphäre hergestellt. Die erstaunlichen Kamerafahrten durch die düsteren Gänge des riesigen Museums sind atemberaubend und geben ihren absolut besten Beitrag zum Schockelement des Filmes. Gekonnt erschafft Hyams eine klaustrophobische Grundstimmung, wenn z.B. die Protagonisten sich mit einer winzigen Taschenlampe durchs Museum kämpfen.
Hinzu kommen makellose Effekte. Der Goregehalt des Films bewegt sich überhalb der normalen Grenze. Der Zuschauer bekommt es mit einer Reihe brutalster Enthauptungen zu tun. Gen Ende verwandelt sich der Film mit steigender Geschwindigkeit zu einem kleinen Massaker. Sämtlicher Gore ist hervorragend in Szene gesetzt, was die Frage stellt, wieso der Film mit einem FSK16-Zertifikat davonkam. "Das Relikt" ist absolut nichts für die Zarten unter den Kinogängern und für Hollywood-Mainstream-Horror ordentlich derb. Das Monster des Films, der Kothoga, eine komische Kreuzung verschiedenster Lebewesen, ist komplett am Rechner entstanden. Der DNS-Unfall ist recht ordentlich gestaltet und teilweise gruselig, allerdings kennt der Horrorfan weitaus Grauenhafteres. Dennoch darf man sich auf eine skurrile und brutale Kreatur freuen, die die Macher des Films immer wieder als plausibel-erklärbar darstellen wollen (DNS- und naturgeschichtlicher Aspekt) und nicht als etwa unglaubwürdiges Wesen aus dem All.
Positiv auch die Schauspieler: Jede noch so kleine Rolle ist perfekt besetzt worden. Überzeugen kann wie immer der fabelhafte Tom Sizemore als Lt. D'Agosta. Neben ihm findet man Hollywoodgrößen wie Penelope Ann Miller, Linda Hunt und James Whitmore. Der Rest des Stabs (Regie, Produktion, Schnitt, Kamera, ...) vollbrachte ebenfalls perfekte Arbeit.
Fans und Nicht-Fans des Horrorgenres sollten sich nicht vom schwachen Anfang abschrecken oder entmutigen lassen, denn hinter "Das Relikt" versteckt sich einer der besten Mainstream-Horrorfilme der 90er. Hier hat man fast alles richtig gemacht - kleine Mängel kann man getrost übersehen. Somit handelt es sich bei diesem Streifen um eine hervorragende Romanverfilmung. Am besten selber ansehen und sich ein Bild machen. Als ernster Horrorstreifen ist "Das Relikt" auf jeden Fall einen Blick wert.