Nach „Tödliches Inferno“ arbeitete das Team aus Hauptdarsteller Don ’The Dragon’ Wilson, Regisseur Fred Olen Ray, Produzent Roger Corman und Studio Royal Oaks erneut zusammen, wenn auch mit etwas schwächerem Ergebnis.
Hauptfigur ist der FBI-Agent Jarrid Maddox (Don ’The Dragon’ Wilson), begabt mit einer an Hellseherei grenzenden Intuition. Gepaart mit ein paar Rückblenden auf Kinder, die in einem Labor großgezogen werden, macht „The Prophet“ es dem Zuschauer schon recht einfach die richtigen Schlüsse zu ziehen, Jarrid tappt jedoch den meisten Film über im Dunkeln, was die Chose nicht unbedingt spannender anzusehen macht.
Jarrids neuester Auftrag: Eine fünfköpfige Terrorgruppe verhaften, die Mitglieder wenn möglich am Leben lassen. Leichter gesagt als getan: Einer betäubt Jarrid, begeht dann aber Selbstmord, den zweiten muss er in Notwehr erschießen, die dritte ist ganz friedlich, geht dann aber in Jarrids Abwesenheit auf seine Partnerin Taylor (Wendy Schumacher) los, die sie dann umbringen muss. Dem Zuschauer kommt auch dies seltsam vor, doch mit bemerkenswerter Igoranz macht sich Jarrid daran den Job weiter durchzuziehen.
Jedoch bemerkt er immerhin, dass die Opfer ihm im punkto hellseherische Fähigkeiten ähnlich sind und beginnt sich langsam zu fragen, ob da was faul ist. Gerade noch rechtzeitig, denn man will ihm ans Leder...
Wie schon „Tödliches Inferno“ gehört „The Prophet“ zu jenen Fred Olen Ray Filmen, die ohne Stock Footage Orgien auskommen, was ihm schon eine erhöhte Position innerhalb der Ray-Filmographie einbringt. Ansonsten bekleckert sich der Regisseur hier kaum mit Ruhm, z.B. wird der Tod eines Partners von Jarrid durch eine Explosion zu Beginn des Films beinahe bemerkenswert undramatisch dargestellt. Aber auch sonstige Budgetmängel kann Ray nur schwerlich überdecken, wenig überzeugende Waffensounds und das Fehlen von simpelsten Effekten z.B. bei Einschüssen sprechen da eine deutliche Sprache.
Auch das Script kommt nicht gerade rühmlich daher, lässt den Helden diverse Offensichtlichkeiten eine Weile nicht bemerken (siehe oben), damit man auf Spielfilmlänge kommt. Allzu große Verschnaufpausen leistet sich „The Prophet“ nicht, jedoch mangelt es der Chose an Drive; wirklich mitreißen will das Geschehen zu kaum einer Zeit. Zudem sind einige dramaturgische Hänger zu verzeichnen, z.B. der einschläfernde Nachklapp-Showdown nachdem eigentlichen Actionfinale auf dem Zug.
Auch im Krawallbereich kann „The Prophet“ nur wenig punkten. Nahkämpfe gönnt man der Hauptfigur bloß wenige, doch wenn es dann mal auf die Moppe gibt, dann kommt die Angelegenheit recht überzeugend daher, z.B. bei dem netten Barfight. Es wird jedoch mehr geballert, die Schießereien sind jedoch bloß biedere Standards. Hinzu kommt eine vergleichsweise lahme Verfolgungsjagd durch ein Parkhaus, der man leider anmerkt, dass sie mit wenig Tempo gefilmt wurde.
Don ’The Dragon’ Wilson liefert hier auch definitiv keine seiner Ganzleistungen ab, mit der Rolle des hellseherisch begabten Agenten scheint er etwas überfordert; da macht er sich als stoischer Held normalerweise deutlich besser. Barbara Steele kommt in einer Nebenrolle kaum zum Zuge, Wendy Schumacher guckt recht ausdruckslos drein. Paul Michael Robinson kann als Schurke ein paar Akzente setzen, könnte jedoch definitiv mehr Charisma vertragen.
So bleibt dann unterm Strich ein relativ lahmes Actionvehikel, das nur in ein paar Kampfszenen wirklich überzeugen kann. Für Fred Olen Ray Verhältnisse gar nicht mal so schlecht inszeniert, aber das hebt „The Prophet“ qualitativ auch nur ein wenig über dessen Stock Footage Orgien.