Review

Gesamtbesprechung

Fast jeder kennt es: Mann findet Frau gut, Mann bändelt mit Frau an, Mann macht Frau einen Heiratsantrag, Frau sagt ja, geht schnell Zigaretten holen und ward nie wieder gesehen.
Wonach jeder normale Kerl einfach nur mit den Achseln zucken würde, um sich anschließend vollaufen zu lassen, gibt John Kanan aber nicht auf.
Nachdem seine Ruby nämlich eines nachts plötzlich spurlos verschwindet, findet er sich nach langer Recherche in Wolf Lake wieder, einem kleinen Kaff am Ende jeder Landkarte, in dem seine Verlobte wohl von einem mysteriösen Trucker abgesetzt wurde.
Der örtliche Sheriff hält zu Beginn nicht viel von ihm, gibt John aber den Job eines Deputy Sheriffs, nachdem klar wird, daß sich ein John Kanan nicht einfach so aus der Stadt verjagen läßt und dazu noch ein relativ kompetenter Kriminologe zu sein scheint.
Während John nun verzweifelt nach Ruby Ausschau hält, versucht er sich am Lösen skuriler Entführungen, Morde, Unfälle und Vergewaltigungen, wobei ihm die Stadtbewohner, aber vor allem der Sheriff selbst, jede Menge Steine in den Weg legen.
Daß es sich bei den Bewohnern von Wolf Lake fast ausschließlich um Werwölfe handelt, zu denen auch Ruby gehört, wird John Kanan nie erfahren, auch seine Verlobte wird er nie wieder in den Armen halten, die vielversprechende Serie wurde leider nach nur neun Folgen eingestellt, einen Abschluß gibt es nicht.
Dabei setzt Wolf Lake erfrischenderweise nicht auf plakativen Horror oder bombastische Spezialeffekte – eine Verwandlung zum Werwolf bekommt man nie zu sehen, und in Wolfsform sehen die Werwölfe aus wie normale Wölfe – sondern auf schrullige Charaktere und Verschwörungen im besten Seifenopernniveau.
Da gibt es Vivian Cates, die Frau des Rudelführers Willard Cates, der grade an Krebs eingeht, was seine Frau in die Arme von Tyler Creed treibt, der nach Willards Tod die Herrschaft in Wolf Lake übernehmen will, weswegen Willard ihm Ruby (Johns Verlobte – das riecht nach Ärger!!!) zur Frau versprochen hat, um zwei große Wolfsfamilien zu vereinen und eine jahrhundertlange Fehde zu beenden.
Vivian war natürlich einst Sheriff Matthew Donner versprochen, der es allerdings vorzog das Rudel zu verlassen, um eine Frau zu heiraten, der er an deren Totenbett versprechen mußte, sich nie wieder in einen Wolf zu verwandeln, was für seine Tochter Sophia nicht leicht ist, da sie selbst grade in der Phase ist, in der sie sich entscheiden muß – gibt sie ihren animalischen Trieben nach und hat somit größere Chancen bei ihrem Schwarm Luke Cates (ja, der Sohn von Vivian und Willard), oder bleibt sie ein normaler Mensch und steht zu ihrem Vater?
Zu guter Letzt zieht im Hintergrund auch noch Sherman Blackstone seine Fäden, er dient der Familie Cates als Arzt und Berater, unterrichtet Werwolfevolution an der High School und hat aus unerfindlichen Gründen auch John Kanan in die Stadt gelockt, um ihm ab und zu bei seiner Suche nach der Wahrheit unter die Arme zu greifen.

Woran erkennt man, daß es sich bei einem Film um ein B-Movie handelt?
- Lou Diamond Phillips spielt die Hauptrolle.

Die Bemerkung stammt selbstverständlich aus neiderfülltem Kritikermund, was der Tatsache, daß vieles was der Herr in den letzten Jahren angefaßt hat, zu Müll wurde aber keinen Abbruch tut, Phillips dürfte inzwischen der König Midas der Scheiße sein.
Dabei gibt er John Kanan äußerst souverän, ein liebeskranker Cop, der durch die Stadt stolpert und keine Ahnung hat, was um ihn herum geschieht, die Rolle scheint wie für ihn gemacht.
Mia Kirshner als seine Verlobte hingegen, darf mit ihren großen Kulleraugen oft weinen, so daß auch der härteste Kerl irgendwann dahinschmilzt, Kinderficker Scott Bairstow, als Thronfolger ist so schön böse, daß man ihm jede Minute den Tod an den Hals wünscht und Mary-Elizabeth Winstead als verunsicherte Teeniegöre Sophia ist niedlich, auch mit Brille auf der Nase, soll wohl intelligenter machen, klappt aber nicht.
Den Vogel aber schießt Graham Greene ab, er spielt die Rolle des mysteriösen Indianers so überdreht, daß man davon ausgehen kann, daß er als einziger genau wußte, auf was er sich da eingelassen hat, B-Trash der obersten Güteklasse, der für Fans ein wahres Fest ist.
So begegnet man mit Freude der Geschichte der homosexuellen inzestuösen Brüder, die auf dem Weg zur Hochzeit in Mexiko noch ein letztes Ding drehen wollen, und so in der Honeymoonsuite im Hotel in Wolf Lake absteigen, um letztendlich den Fehler zu begehen, mit gezogenen Waffen in die Wahl zum neuen Rudelführer zu stolpern.
Man erlebt die herrlich blöde Selbsthilfegruppe des Sheriffs für abstinente Werwölfe, das läufige Verhalten eines Weibchens, daß sich unbedingt paaren will und natürlich erleben wir herrlich doofe Twin Peaks Momente, wenn John Kanan im Fieberwahn im Hotelzimmer sitzt und seltsame Visionen hat, nachdem Blackstone ihm Hühnersuppe serviert hat.
Das Tüpfelchen auf dem I ist letztlich die konsequente Art, in bester Star Trek Tradition jede Folge einen neuen Charakter einzuführen, um ihn am Ende einen grausamen Tod sterben zu lassen.
Die amerikanischen Zuschauer haben am Ende nicht begriffen, daß das alles nur ein großer Spaß ist, in dem die Werwolfproblematik zur totalen Nebensächlichkeit verkommt, so bekam eine weitere gute Serie leider viel zu früh den Todesstoß, und Lou Diamond Phillips darf sich noch weiter in den Wirren der B-Movie Welt verlieren.

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