Für einen Hai-Horrorstreifen könnte es wohl kaum einen treffenderen Titel geben als „Red Water“ und doch steht hier alles andere als der Hai im Vordergrund
Bezüglich des Titels gestaltet sich das Treiben nämlich eher blutarm, doch glücklicherweise kann die zweite Hälfte mit passablen Actionanteilen punkten.
Zumindest kann man, wenn man über zahlreiche Unzulänglichkeiten hinwegzusehen vermag, mit dieser Fernsehproduktion über weite Teile unterhalten werden.
Das wackelige Grundgerüst der Story ist hingegen selten dämlich:
In einem Naturschutzgebiet in Louisiana finden Ölbohrungen statt, deshalb bittet Kelli ihren Ex John (Lou Diamond Phillips) um Hilfe.
Dort angekommen, muss das Team aber nicht nur Bekanntschaft mit einem aggressiven Bullenhai machen, sondern auch mit ein paar Gangstern, die just hier nach verlorener Beute tauchen wollen.
Besonders während der ersten Hälfte schwankt die Geschichte unangenehm häufig zwischen Gangstermovie, persönlichem Drama um die Titelfigur und typischem Tierhorror, indem erstmal drei Personen Opfer des Ungetüms werden.
Vor Klischees wird natürlich nicht Halt gemacht. Der Held muss ein Trauma verarbeiten, sowie die Trennung von der Ex (natürlich werden sie sich im Verlauf wieder annähern). Oberbösewicht Coolio entspricht in allen Belangen einem typischen Straßengangsta mit schräg gehaltener Knarre, lockeren Sprüchen und usseligem Erscheinungsbild und zudem wird die Umweltmoralkeule geschwungen, bis es trieft. Auf gleicher Ebene muss man über flachphilosophische Sätze wie „Manchmal lässt Gott es eben zu…“ häufiger hinweg hören, da die Dialoge nicht gerade das Highlight des Streifens bilden.
Leider stören auch belanglose Passagen, wie ein Abstecher zu den Cajuns mit leichter Ethno-Mystik oder Szenen, in denen die Gangster unter sich sind.
Zu diesem Zeitpunkt vergisst man beinahe, dass es hier eigentlich um die Bedrohung durch einen Hai gehen sollte.
Erstaunlicherweise wendet sich das Blatt spätestens, als Gangster und die Guten auf der kleinen Bohrinsel aufeinander treffen und aneinander geraten.
Da fällt ein Schuss, man wird geknebelt, man muss tauchen, mit dem Hai um die Wette schwimmen, sich in einem Autowrack vor Haiangriffen verstecken und die Cops im Hubschrauber abwimmeln.
Später folgen noch kleine Kloppereien, einige ordentliche Explosionen und eine final recht ungewöhnliche Bekämpfung des Hais.
So wird das Tempo mit der zweiten Hälfte deutlich gesteigert, der Actionanteil wurde ordentlich eingefangen, nur fesselnde Haiangriffe bleiben, bis auf eine finale Konfrontation, so ziemlich aus.
Dabei sieht das Vieh während der meisten Einstellungen recht brauchbar aus, bewegt sich oft erstaunlich geschmeidig, während es sich in anderen Szenen etwas atypisch verhält und dabei ungelenk wirkt.
Größtes Manko sind hier allerdings die seichten, blutarmen Attacken, da nach einem Zubeißen augenblicklich ein Schnitt einsetzt, - im ungünstigsten Fall eine dieser sekundenlang anhaltenden Werbeschwarzblenden.
Infolgedessen ist das Wasser zwar titelgebend rot, aber abgebissen oder abgetrennt wird hier gar nichts, nur ein Arm treibt mal unter Wasser.
So steht am Ende eine leicht zwiespältige Meinung: Während sich die erste Hälfte lange mit Nebensächlichkeiten aufhält und nicht in die Gänge kommen will, punktet im weiteren Verlauf der Actionanteil, da nahezu pausenlos Bewegung im Spiel ist.
Leider fallen die Haiangriffe etwas zahm aus und treten vor allem zu selten auf, zudem muss man eine Fülle von Klischees und Logiklöchern in Kauf nehmen.
So hält dieser Streifen dem Vergleich zu besseren Haihorrorfilmen wie „Jaws 1 und 2“ oder „Deep Blue Sea“ natürlich nicht stand, kann aber mit niedriger Erwartungshaltung zumindest während der zweiten Hälfte bei Laune halten.
5,5 von 10