Dass so etwas wie „The Horror Show“ anno 1979 auch mal im deutschen Kino lief, ist auch kaum noch vorstellbar.
Natürlich, die 70er entdeckten ihre Clipshows für eine ganze Kinogeneration neu und man spricht dabei nicht nur von Hochglanz-Kompilationen wie „Das gab’s nur einmal“ anno 1974, als MGM kurz vor dem Abriss ihres legendären 40 Jahren alten Backlots die besten Tanz- und Gesangsszenen aus ihren nicht minder legendären Musicals mit den entsprechend verbliebenen Altstars kompilierte. Das Ergebnis war so erfolgreich, dass es das „einmal“ gleich zweimal gab (1976) und später noch ein dritter Teil nachgeschoben wurde. Auch fanden findige Filmemacher reichhaltige Archive voll mit Dutzenden fast deckungsgleicher Szenen und Szenerien aus Hunderten von B-Western, die man auseinander puzzelte, um sie dann neu zusammen zu setzen.
„The Horror Show“, bei uns als „Die große Horror-Show“ vertrieben, ging es um einen nostalgischen Rückblick auf die großen Horrorfilme – ja, nur eines Studios, welches sich mit diesem Genre einen unsterblichen Namen gemacht hatte: Universal.
Ersonnen von dem Autoren, Produzenten und Regisseur Richard Schickel, der auch ein wunderbarer Kritiker war, suchte man aus den Archiven der Universal ein flottes Best-of jedes Gruselklassikers aus dem Keller, dessen man noch habhaft werden konnte.
Was dabei das Besondere war?
Der VHS-Boom stand noch ganz am Anfang und dehnte sich zuerst auf aktuellere Filme aus, die Klassiker waren teilweise seit 30 oder 40 Jahren gar nicht mehr verfügbar, an die eine oder andere Stummfilmproduktion erinnerte man sich nur noch, wenn man die einschlägige Literatur studiert hatte.
Die von Anthony Perkins präsentierte und moderierte Collage war für viele im Publikum die Möglichkeit, alte Klassiker nach Jahren mal wieder zu begutachten, zumindest die Schlüsselszenen: Dracula, Frankenstein, der Wolfsmensch, Dr.Jekyll und der Unsichtbare trafen auf Caligari, Nosferatu und Metropolis. Auch „Psycho“ (und „Die Vögel“) selbst wurden von Perkins geehrt und alles endete in relativer Realitätsnähe mit dem „Weißen Hai“ und dem „Omen“.
Inhaltlich ergab sich für den wahren Fan nicht soviel Neues, der Kommentar war knapp und erwähnte einige Motive und Motivationen sowie Mechanismen des Horrorfilms und seiner beabsichtigten Wirkung auf die Zuschauer, aber im Wesentlichen sollte man die Filmausschnitte genießen.
Hahn und Janssen beschwerten sich in ihrem „Lexikon des Horrorfilms“ schon anno 1984/85, dass man von den alten Klassikern nur kürzere Momente zu sehen gibt, während man die langen Sequenzen aus „Psycho“ und „Jaws“ mehr als Verschwendung ansieht, aber leider ist das heute nicht mehr wirklich nachvollziehbar.
Die Doku ist leider mehr oder weniger vom Radar verschwunden (sie hat nicht mal eine eigene Wikipediaseite) und aufgrund von rechtlichen Schwierigkeiten sind sogar Uploads auf Youtube nur stark gekürzt zu haben, maximal 60 Minuten sind die Zusammenschnitte dort noch lang (enthalten aber fast alle Filme, die in den Listen angegeben sind). Ein ungefährer Eindruck ergibt sich aber, wenn man sich das in guter Qualität auf der Leinwand vorstellte – wenn auch das Original lediglich eine Geburtstagsdoku war, die auf dem CBS-Network im TV ausgestrahlt wurde.
Das Problem für den Fan ist, dass man die Filme im Ganzen dann doch meistens kennt oder mehr schätzt, während gewisse Sequenzen für Unwissende eher Fragezeichen hinterlassen, erzählt man ihnen parallel den Zusammenhang nicht. Aber hübsch anzusehen ist die Produktion dennoch, vielleicht gibt es ja irgendwann doch noch eine Veröffentlichung, obwohl das hier verarbeitete Werk natürlich hochglanzveredelt praktisch komplett einzeln vorliegt. Freundliche 5/10, die heute wohl nicht mehr recht kribbeln.