Die sagenumwobene Stadt der Toten, Hamunaptra, ist in den 1920er Jahren das Ziel gleich mehrerer Gruppen. Zu einer gehört der Abenteurer Rick O'Connell, der in Begleitung von Evelyn Carnahan und deren Bruder Jonathan zu dem mysteriösen Ort in der ägyptischen Wüste unterwegs ist. Doch finden sich dort nicht nur Schätze, in dem von Stephen Sommers inszenierten Abenteuerfilm wird auch gleich noch eine Kreatur wiedererweckt, die den Helden das Leben schwer macht.
Bei dem Titel des Films ist es nicht schwer zu erraten, was das sein könnte und mit eben genau dieser beginnt der Blockbuster auch. So erfährt man, dass die Mumie mal der Priester Imhotep war, der mit der Frau des Pharao anbandelte und deswegen zu diesem grausamen Schicksal verdammt wurde. Historisch mehr als ungenau ist dies erzählerisch aber ein gelungener Kniff, bekommt der eigentlich ausgewiesene Antagonist so doch etwas Inhalt mit auf den Weg. Ein zumindest halbwegs interessanter Gegenspieler wertet eine Erzählung immer auf und die hier im Hintergrund mitschwingende Tragik ist, wenn auch nicht mit viel Anspruch gesegnet, ein nettes Detail.
Im Vordergrund ist das auf dem dem 1932er „The Mummy“ basierende Werk allerdings einfach ein großer Abenteuerfilm mit so ziemlich allem, was dazugehört. Exotische Kulissen, ein gewisser Retrocharme, ein Haudegen, eine reizende Dame und ein mystischer Hintergrund. Recht altmodisch, nicht umsonst schwebt hier ein Gefühl von „Indiana Jones“ durch den Raum, Parallelen findet man ohne lange zu suchen. Aber es ist auch nicht leicht, sich nicht von der Blaupause des modernen Abenteuerkinos schlechthin beeinflussen zu lassen.
Dennoch funktioniert „The Mummy“ als mehr denn nur eine Hommage. Sommers inszeniert das sandige Abenteuer mit einem guten Fluss und einigem Witz. Das Skript liefert immer wieder mal flapsige Sprüche, Elemente der Screwball-Komödie oder etwas Slapstick. Die Dosierung macht klar, dass das Ganze hier keine allzu ernste Angelegenheit ist, sondern eine filmische Achterbahnfahrt. Action und Schauwerte gibt es nicht zu knapp, die (CGI-)Effekte sind sichtbar aus den 90ern, sie schwanken zwischen in Ordnung und schwach. „Charmant“ kann man da teilweise schon nicht mehr sagen, aber es war eben die Zeit. Das reißt immer wieder mal etwas raus, macht den Film aber nicht kaputt.
Dazu ist er viel zu unterhaltsam, wozu auch die Besetzung beiträgt. Mit Brendan Fraser (Rick) und Rachel Weisz (Evelyn) bekommt man ein sympathisches Duo vorgesetzt, welches sich mit Einsatz und Kabbelei durch das Abenteuer bewegt. John Hannah (Jonathan) kratzt in seiner Eigenschaft als witzig gemeinter Sidekick immer mal wieder an der Nervgrenze, Kevin J. O'Connor (Beni) und Oded Fehr (Ardeth) spielen ihre Nebenrollen passend runter. Arnold Vosloo kann in seinen gelungenen Auftritten ein gewisses Charisma vorweisen, bekommt als titelgebende Mumie aber gar nicht mal so viel zu tun. Die Figur profitiert eben von ihrer Hintergrundgeschichte und darf immer wieder mal medioker animierten Schrecken verbreiten. Durchweg gelungen ist der Score von Jerry Goldsmith, der die Szenen atmosphärisch passend untermalt.
Was den Horroraspekt angeht, den man bei der Thematik eventuell erwartet - da liefert „The Mummy“ eher semi. Man bewegt sich durch die Katakomben, nicht wenige Leute segnen das Zeitliche, da wird per Käfer, Feuer oder mit Kugeln beseitigt, Imhotep saugt seine Opfer auch mal aus. Aber man sieht in der Regel davon nicht viel, da spielt sich mehr mit Schatten oder im Off ab. Man bekommt mal das Ergebnis mancher Tat zu sehen oder überlässt es der Phantasie des Publikums. Graphisch wird es nicht, es bleibt in mehrerlei Hinsicht trocken. Die Ausstattung trägt durchaus eine Atmosphäre, doch „The Mummy“ zielt nicht auf Horror, auch wenn Versatzstücke aus dem Genre genutzt werden. Wichtiger sind ihm Tempo sowie Kirmes und lenkt man seine Erwartungen in diese Richtung, dann funktioniert das auch ausreichend gut.
„It's just a book.“
Ein typischer Sommerblockbuster, aber einer von den guten. Stephen Sommers aufgeblasenes B-Movie „The Mummy“ bietet genug Abenteuer und Witz, ein paar sympathische Figuren sowie Action mit einer Prise mystischem Grusel. Die in die Jahre gekommenen visuellen Effekte muss man mitnehmen, dafür bekommt man einen hörenswerten Score und in seiner Inszenierung selbst schön altmodisches Achterbahnkino.