Louis de Funès ist leider nicht wirklich mein Spezialgebiet, aber gerade dann kann man’s ja auch mal mit dem Remake halten und sich auf Slys Schultern abladen, auch wenn mir alleine schon John Landis’ Remake-Umsetzung mal wieder fürchterlich unnötig vorkommt. Die Verwechslungskomödie, die sich an nur einem Morgen in nur einem (wenn auch großen) Haus abspielt, scheint mir einfach prädestiniert für den hektischen kleinen Franzosen, den ich mir, ohne das Original gesehen zu haben, bildhaft vorstellen kann, wie er so durch das Haus wuselt und ein großes Fragezeichen auf dem Kopf montiert hat. Was soll da bitte ein Sylvester Stallone noch neu einbringen?
Für den Actionstar war es die erste Komödie nach Abschluss seiner großen Filmreihen “Rocky” und “Rambo”. Zu Beginn eines neuen Jahrzehnts formte sich also die Gelegenheit, mit dem eigenen Ruf abzurechnen und sich selbst auf die Schippe zu nehmen. Das hatte sich in “Tango & Cash” schon angedeutet und in “Stop! Oder meine Mami schießt” war die Selbstparodie ein Jahr später komplett - wenn auch ohne Erfolg. “Oscar” wirkt allerdings wie ein Versuch, sich als von der Vergangenheit unbeeinflusster Komödiant zu präsentieren. Das treibt dann auch ein Stück weit die Sinnlosigkeit dieser Neuverfilmung an, obwohl sich Stallone wacker schlägt und manchmal sogar so etwas wie eine Nase für gutes Comedy-Timing beweist.
All dessen ungeachtet hat Landis da einen flotten und amüsanten Beitrag abgeliefert. Er zieht geschickt seine Fäden durch einen Verwechslungsplot, der mit zunehmender Zeit und immer wieder neu eingeführten Charakteren zu einem gigantischen Netz mutiert, dem nur jene Zuschauer folgen können, die von Anfang an dabei sind, und dann bricht er die Absurdität der Beziehungsnetze in Rekapitulationsphrasen humoristisch auf. Die verzwickten Situationen werden also in ihrer Entstehung gezeigt, bis sie sich so weit verheddert haben, dass es lustig wird, sie noch mal Revue passieren zu lassen. Auf dieser Art von Humor baut “Oscar” (was übrigens nicht der Name von Stallones Hauptfigur ist, sondern der Name der zunächst mal gar nicht im Film vorkommenden Figur, die das ganze Theater überhaupt ausgelöst hat) auf, und das Resultat ist keine slapstickhafte Schenkelklopfercomedy, sondern eher Situationskomik, die zum Schmunzeln mehr anregt denn zum Lachen.
Dazu muss ein Gerüst aus Charakter-Aufeinandertreffen und Dialogen im Hause des ehemaligen Gangsterbosses Angelo “Snaps” Provolone (Stallone), der seinem Vater (Kirk Douglas) am Sterbebett geschworen hat, ehrlich zu werden, ausreichen. Angesiedelt ist die Handlung in den Dreißigern zur Zeit der Prohibition, was ausstattungstechnischen Aufwand zur Folge hat, der wirklich schick anzusehen ist. Leider spielt der Film wirklich fast komplett in Provolones Villa, so dass die Möglichkeiten, die das Produktionsdesign bietet, überhaupt nicht ausgenutzt werden und sich die hübsche Optik manchmal ein wenig wie fauler Budenzauber anfühlt, der nur vorgibt, aufwändig zu sein, es aber eben nur an einem zentralen Set ist. Die Vielfalt des Produktionsdesigns von Jackie Chans optisch (und teils auch inhaltlich) ähnlich gelagerter Gangsterkomödie “Miracles” (1989) ist in diesem Punkt deutlich beeindruckender.
Allerdings empfindet man es auch nicht unbedingt als nötig, sich aus dem Hause herauszubewegen und die Straßen Chicagos zu begutachten - schließlich ist dies eine Komödie und kein Epos, das gesellschaftliche Folgen der Prohibition aufzuzeigen beabsichtigt. Lediglich zu Beginn und am Ende stört die Fixierung auf den einen Drehort etwas, als ein befeindeter Gangsterboss Provolone beschatten lässt, weil er nicht glauben kann, dass sein Rivale tatsächlich ehrlich geworden sein soll.
Der Einstieg ist noch etwas zäh, aber spätestens, als Provolone beginnt, mit seinen Fremdwörtern anzugeben und sich anschließend in sein Atrium verzieht, um von einem Angestellten (Vincent Spano) verklickert zu bekommen, dass der seinem Boss 50.000 Dollar gestohlen und seine Tochter gebumst hat und gedenkt sie zu heiraten, und Provolone kann als frischgebackener ehrlicher Banker nichts dagegen tun, da beginnt die Sache langsam Spaß zu machen. Obwohl die Tatsache, dass Provolone ein neues Leben als ehrlicher Mann beginnen will (muss), im weiteren Verlauf nicht mehr allzu geschickt verarbeitet wird, mangelt es nicht an raffinierten Ideen, den überforderten Provolone immer wieder in neue absurde Situationen zu bugsieren. Jeder, der da im Haus verkehrt, hat so seine Leichen im Keller versteckt und wird noch eine Bedeutung haben für die Ereignisse, die sich an diesem Morgen häufen. Zwar muss manche Figur deswegen mit unglaubwürdigen Motiven vorlieb nehmen und so manches Logikloch lässt sich auch nicht umkurven (warum ist die schwarze Aktentasche nur immer so schrecklich unbewacht?), aber das tut dem Spaß an den Verzwickungen keinen Abbruch.
Dazu tragen freilich auch die Darsteller bei, die ihre Figuren insgesamt sehr over the top anlegen und das Interaktionsgerüst damit stets attraktiv halten. Wie schon vorab angekündigt, geht Stallone trotz fehlender selbstparodistischer Bezüge sehr souverän mit seiner Rolle um, auch wenn er nichts zu erreichen vermag, was nicht ein Louis de Funès viel effektiver hätte erreichen können. Stallone ist eben kein Vollblutcomedian, auch wenn ich seine Fähigkeiten als Comedy-Darsteller rückblickend für unterschätzt halte. Denn immerhin ein paar richtig gute Momente hat er, wenn er fragend in die Kamera blickt oder mit einem Hühnerschenkel auf seinen zukünftigen Schwiegersohn zielt.
Mafioso-Abonnent Chazz Palminteri gibt als rechte Hand von Provolone eine konventionelle, nichtsdestotrotz interessante Vorstellung als übereifriger Vollblutgangster, der seine Herkunft nicht so gut verbergen kann wie sein Boss. Marisa Tomei überzeugt als überaus nerviges, verwöhntes Stallone-Töchterlein besonders in den Szenen, in denen sie einen Heulkrampf bekommt, weil sie so missverstanden ist. Wie fast immer das Nebenrollen-Highlight ist aber Tim Curry als menschenfremder Linguist, der jede Person, die ihm über den Weg läuft, anhand seiner Aussprache analysiert. Er grimassiert wie üblich mit dem richtigen Gespür für die Szene, ohne also seine mimischen Extreme durchweg bis zum Anschlag auszutesten. Schade, dass er erst im letzten Drittel zum Ensemble stößt.
Was bleibt, ist eine flotte, vetrackte Verwechslungskomödie im Gangstermilieu, die durch schräge Situationen und Konstellationen bis zum Ende zu erfreuen weiß. Mit der Logik oder nachvollziehbaren Charaktermotivationen ist es zwar oft weit her, das geht aber im Tempo unter, ebenso wie die Tatsache, dass John Landis sich vieler Standards bedient, und zwar nicht nur beim Original. Um so erfreulicher ist es allerdings, dass es dennoch durchweg spannend und unvorhersehbar bleibt und man stets wissen will, was als nächstes passiert. Die Ausstattung ist edel, wenn die Handlungsorte auch eingeschränkt bleiben, und Stallone darf auf eine nette Mitspielerrunde bauen, mit der er prächtig agieren kann. So gesehen ist “Oscar” lupenreiner Unterhaltungsspaß, auch wenn über Sinn und Unsinn dieses Remakes wie so oft gestritten werden kann.