Review

Eine Jugendliche, die Reißaus nimmt ... Eltern, die für eine Nacht wieder jung werden ... ein toter Hase, viele kleine Abenteuer und ein Rettich in Penisform - das ist NACH FÜNF IM URWALD.

Aber erstmal die Handlung in Kurzform:
Anna ist ein nettes, schüchternes Mädchen, das auf Janis Joplin steht und vom Spießbürgertum ihrer Eltern mächtig die Schnauze voll hat. Als ihr Vater ihr nach einer etwas aus den Fugen geratenen Party eine Ohrfeige gibt, schnappt sich Anna ihre Gitarre und haut von zu Hause ab, um bei einem Casting in der Großstadt teilzunehmen. Nachdem ihr Auftritt dort in die Hose gegangen ist, sie aber immer noch keinen Bock auf daheim hat, beschließt sie eine Nacht in der Stadt zu verbringen ...

... Und dort besteht sie eben (genau wie ihre Eltern auf der Suche nach ihr) kleine Abenteuer, macht Bekanntschaft mit einigen netten Zeitgenossen und sammelt wertvolle Erfahrungen.
Ein Film wie eine warme Sommernacht, der glücklicherweise relativ unreißerisch und ungeschminkt daherkommt und vollkommen auf Hollywood-typischen Kitsch und eine hektische Videoclip-Optik verzichtet.
Für den einen oder anderen dürften die schlichten Bilder und die ebenso ruhige Erzählweise wahrscheinlich zu unspektakulär ausfallen, ich meine aber in dieser Ruhe steckt die Kraft von NACH FÜNF IM URWALD. Dem Film gelingt es nämlich ein wenigstens annähernd glaubhaftes und authentisches Flair aufzubauen, womit er schon einmal jedem Teenie-Jugend-Film made in USA etwas voraus hat.

Sehr ansprechend ist auch der dezente Humor, mit dem der Film einen unbeschreiblichen Zauber versprüht. Hier gibts zwar kiffende Eltern, die rituelle Bestattung eines Hasen, "Dosenschießen", etc... , jedoch wird die Situationskomik nicht übertrieben dargestellt, sondern ist wie der ganze Film sehr schlicht gehalten.

Ein besonders dicker Pluspunkt geht noch an die Hauptdarstellerin Franka Potente, die hier in ihrer ersten großen Rolle eine einfach bezaubernde, meiner Meinung nach sogar ihre bis dato beste Figur abliefert (vergesst "Lola rennt"!).

Ich fasse also zusammen:
Der Film ist sehr unterhaltsam und anspruchsvoll zugleich (meiner Meinung nach ein absoluter Drahtseilakt), auf scharmante Weise witzig und herzerfrischend lebensbejahend.
Der Konflikt zwischen den Generationen, ihre Unterschiede und ihre unentdeckten Gemeinsamkeiten werden hier, genau wie die Probleme des Erwachsenwerdens und das jugendliche Streben nach Eigenständigkeit, fabelhaft verarbeitet und umgesetzt.

Keine schillernde Optik, keine schrillen Charaktere und keine überdramatisierte, überzogene Geschichte.
Ein Film, wie ihn das Leben selbst hätte schreiben können, und welcher ganz nebenbei auch noch auf die Frage eingeht, wieso man nach fünf nicht mehr in den Urwald gehen soll ....

Sehr sehenswert!

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