Anna ist gerade 17 geworden und möchte das auch gebührend feiern. Doch zuerst machen ihr die Freunde einen Strich durch die Rechnung und dann auch noch die Eltern. Erstere sitzen lustlos rum und kommen so auf dumme Gedanken, welche dann letzt genannte Eltern durchdrehen lassen: Die Wohnung ist verwüstet, Papas Lieblingsplatte zerstört, Mamas Rettich zum Penis geschnitzt im Kühlschrank.
Als dann auch noch ein Plättchen Haschisch auftaucht ist der Ofen aus. Papa wird richtig sauer und scheuert dem sauberen Töchterchen eine. Anna hat die Schnauze voll und entwischt dem angedrohten Hausarrest: ab nach München, dort ist ein Casting, da will sie hin.
Was zunächst wie ein Mädchen-bricht-zuhause-Movie ausschaut entwickelt sich schnell zu einer Vergangenheitsbewältigung auf humorvolle Art. Hans-Christian Schmid versteht es ausgezeichnet gut mit leisen Tönen umzugehen und Charakterstudien zu betreiben. Schnell zeigt sich nämlich eines: die angeblich so perfekte Fassade des Hausherrn bröselt ganz schnell, man besinnt sich auf die eigene Jugend und stellt fest: ja moment einmal, wir waren doch früher auch nicht anders.
Franka Potente mimt die zarte 17jährige überzeugend, allerdings nur wenn man das aufgebaute Szenario betrachtet. Etwas realitätsfern dürfte es schon sein, die Sorgen der Eltern (die sich nicht bewahrheiten) halte ich für durchaus gerechtfertigt - ob die heutige Jugend sich noch so brav verhält wie hier gezeigt? Das Material ist immerhin 10 Jahre alt und das dürfte an der Gesellschaft nicht spurlos vorübergegangen sein.
Dagmar Manzel als Mutti ist natürlich perfekt besetzt, insbesondere achte man auf ihre Hausfrauenkostüme - Papa Bürgermeister in spe natürlich immer fesch in Anzug, also an Klischees mangelt es diesem Film wahrlich nicht. Doch sie tun ihm gut! Schmid zeigt das Familienidyll liebevoll und feinfühlig mit viel Sinn für Details.
Gefühlskino für Liebhaber deutscher klassischer Filme - die Mixtur aus Jugendfilm, Problemdarstellung und Komödie geht wunderbar auf.
(8/10)