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ACHTUNG ! SPOILER !

Gehirn ausschalten und der Mummy-Mumbo-Jumbo kann beginnen, Teil I.

„"For who shall defile the temples of the ancient gods, a cruel and violent death shall be his fate. And never shall his soul find rest unto eternity. Such is the curse of Amon Ra, king of all the gods!“"
Mit diesen düsteren Worten beginnt die erste Fortsetzung des Films „"The Mummy"“ (1932), der bereits acht Jahre zuvor, mit Boris Karloff in der Titelrolle, entstandenen war. THE MUMMY'S HAND ist allerdings eher eine Variation dieser Geschichte als eine echte Fortsetzung. Mit  "„The Mummy's Tomb"“ (1942), "„The Mummy's Ghost“" (1944) und "„The Mummy's Curse"“ (1945) folgten noch drei weitere Filme der Universal-Studios um die Mumie Kharis, im folgenden als „Kharis-Serie“ bezeichnet.  Der 1955 entstandene Nachzügler "„Abbott and Costello Meet the Mummy"“ hat nicht mehr viel mit der Kharis-Serie gemeinsam, und die Story um die Mumie „Klaris“ (sic) diente nur den Albernheiten der beiden Hauptdarsteller. Während im vorliegenden Film die Mumie von Tom Tyler verkörpert wird, spielte Lon Chaney Jr., damals der neue Horrorstar bei Universal, die Rolle in den drei folgenden Filmen.  
Lebende Mumien waren schon immer ein beliebtes Motiv in Horrorfilmen, und das Sub-Genre kam Ende der neunziger Jahren mit „"The Mummy"“ (1999) von Stephen Sommers, gefolgt von „"The Mummy Returns"“ (2001) sogar zu Blockbuster-Ehren. Zuletzt spielte gar Tom Cruse die Hauptrolle (nicht die Titelrolle!) in „"The Mummy"“ (2017) von Alex Kurtzman.
 
Die Handlung von THE MUMMY'S HAND dreht sich um zwei Abenteurer, die im Auftrag eines New Yorker Museums in Ägypten die Grabkammer der vor 3000 Jahren gestorbenen Prinzessin Ananka suchen. Versehentlich stoßen sie dabei aber auf das Grab von Kharis, der sich in Ananka verliebt hatte und für diese verbotene Liebe mit dem Tode bestraft und lebendig begraben wurde. Im Auftrag eines Hohepriesters, der die Mumie mit einem Lebenselixier aus den Blättern des mystischen „Tana-Baumes“ wieder zum Leben erweckt, macht sich Kharis daran, die Grabschänder nach und nach für ihr frevelhaftes Tun zu bestrafen.
 
Der für rund $ 84.000 inszenierte Film ist alles in allem eine unausgewogene Mischung aus Komödie, Romantik, Action und Horror. Die komödiantischen Elemente, inklusive einer zünftigen Schlägerei in einer Bar, finden sich vor allem im ersten Drittel des Films, wobei sich besonders der hemdsärmelige Wallace Ford als Abenteurer Babe Jenson und Cecil Kellaway als großspuriger Magier Solvani hervortun. Für die romantischen Momente sorgen dagegen Dick Foran und Peggy Moran als frisch verliebtes Paar, doch wird deren Romanze zum Glück nicht überstrapaziert.  Für Action und Horror ist schließlich die Mumie zuständig, die aber erst nach rund 40 Minuten ihren Auftritt hat, ziemlich spät für einen Film mit einer Laufzeit von gerade einmal 66:45 Minuten. Das Make-up für Tom Tyler als Kharis ist dafür aber wirklich sehr gelungen und unheimlich. Verstärkt wird dieser Eindruck durch eine spezielle Tricktechnik, die bei Großaufnahmen von Tylers Gesicht eingesetzt wurde. Dabei erscheinen die Augen des Darstellers wie pechschwarze, wild flackernde Pupillen, ein sehr dramatischer und wirkungsvoller Effekt. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass im Vorspann des Films kein Make-up Künstler genannt wird, sehr ungewöhnlich für einen Universal-Film aus dieser Zeit. In verschiedenen Quellen wird diese Arbeit Jack Pierce zugeschrieben, was sehr wahrscheinlich ist, da er zu dieser Zeit noch Chef des „Make-up Departements“ bei Universal war.

Auch wenn das Make-up für Tom Tyler beeindruckend und gruselig ist, so ist der Schrecken den die Mumie verbreitet gleichwohl schwer nachvollziehbar. Denn Kharis schlurft, ein Bein nachziehend und einen Arm unbeweglich an den Körper gepresst, nur sehr, sehr langsam durch den Film, und die potentiellen Opfer müssen sich schon ausgesprochen dumm anstellen, um der Mumie nicht zu entkommen. Andererseits gelingt es der Mumie aber innerhalb kurzer Zeit bemerkenswerte Entfernungen zurück zu legen, und obendrein kann sie problemlos allen Verfolgern entwischen, selbst wenn diese hinter ihr her rennen. Man muss schon überaus nachsichtig mit den Drehbuchautoren sein, um über die zahlreichen unlogischen Szenen hinweg zu sehen, die sich aus dieser Ignoranz gegenüber dem gesunden Menschenverstand ergeben. Dieses Manko zieht sich im Übrigen durch die ganze Kharis-Serie. Wie sagte Bill Cosby (angeblich) doch einmal so schön: "“Anyone who couldn't outrun the Mummy deserved to die!“"

Obwohl THE MUMMY'S HAND für Universal-Verhältnisse eher als B-Film einzuordnen ist, ist er doch von recht gediegener Qualität und hat durchaus ein wenig vom Flair der klassischen Monsterfilme des Studios. Zu diesem positiven Eindruck trägt auch bei, dass die Produzenten einige imposante Studio-Sets aus anderen Filmen wiederverwendet haben und die Ausstattung auch sonst recht solide ist. Gleich zu Beginn des Film werden für eine Rückblende diverse Szenen (rund vier Minuten) aus "„The Mummy“" (1932) verwendet.

Neben einigen technischen Unzulänglichkeiten und Anschlussfehlern fallen noch weitere kleine Defizite ins Auge. So wird George Zuccos Ritt durch die Wüste mit Hilfe von Archivmaterial illustriert, und als der Reiter an seinem Ziel ankommt befinden wir uns plötzlich in einer Landschaft mit Bäumen und Sträuchern, die deutlich als Universal Studiogelände zu erkennen ist. Und der Reiter, der vom Kamel steigt ist ganz eindeutig ein Double und nicht George Zucco selbst.

THE MUMMY'S HAND ist ein durchschnittlicher Monsterfilm mit einigen Längen und einem recht gemächlichen Tempo. Die Darsteller bleiben insgesamt eher unscheinbar, wobei Dick Foran einen wenig überzeugenden Helden abgibt. Selbst der famose George Zucco bleibt hier hinter seinen Möglichkeiten zurück. Wallace Ford macht noch die beste Figur unter den Darstellern, liefert er doch etwas mehr als bloß einen Routinejob ab. Tom Tyler als Kharis verläßt sich ganz auf das schon angesprochene Make-up und gibt eine durchaus überzeugende Vorstellung als lebende Mumie. Die komödiantischen Elemente wirken deplatziert und sind generell nicht besonders komisch. Die Ausstattung und die technischen Aspekte (Kamera / Schnitt / Sound) sind, trotz einiger Flüchtigkeitsfehler, auf einem guten Universal-Niveau.  
In Deutschland ist der Film offiziell nicht aufgeführt worden.
 
Ausführliche Zusammenfassung der Handlung:
Ägypten. Im Bahnhof von Kairo steigt ein Mann aus einem Zug, mietet sich ein Kamel und durchquert damit eine Wüste. Er erreicht bald eine Art Tempel auf einem Hügel, zu dem eine große und unebene Treppe aus grobem Stein hinauf führt. Im Inneren des Tempels wird er schon von einem sehr alten Mann in einer Kutte erwartet. Dieser, ein „High Priest of Karnak“ (Eduardo Cianelli) liegt im sterben und will sein geheimes Wissen an seinen Nachfolger weitergeben. Mit den Worten „"Look deep into the waters of Kar"“ zeigt er auf einen kleinen Brunnen, in dessen Wasser sich die Geschichte der Prinzessin Ananka spiegelt. 3000 Jahre zuvor verliebte sich Kharis, ein „"Prince of the Royal House"“ in die Prinzessin Ananka, der Tochter von "„King Amenophis"“. Als Ananka starb, versuchte Kharis sie mit Hilfe der verbotenen Blätter vom mystischen „Tana-Baum“, durch die man ewiges Leben erlangen kann, wieder zum Leben zu erwecken. Doch dieser Frevel blieb nicht unentdeckt und Kharis wurde zum Tode verurteilt. Er wurde lebendig begraben, einbalsamiert und in einer Gruft beigesetzt: „"The sinful Kharis was buried alone in a remote spot.“"
Hier endet die Rückblende. Der Hohepriester übergibt seinem Nachfolger eine Kiste mit Tana-Blättern, mit denen die Mumie Kharis (Lon Chaney), die seit damals in einer Art Dämmerzustand zwischen Leben und Tod in ihrem Sarkophag liegt, wieder zum Leben erweckt werden kann. Er führt aus: "„Once each night, during the cycle of the full moon, you will dissolve three tana leaves to keep his heart beating and nine leaves each night to give him life and movement."“ So haben Kharis und Generationen von Priestern das Grab der Prinzessin Ananka über die Jahrhunderte bewacht, um sie vor Grabräubern zu schützen. Der Priester übergibt dem Mann außerdem mit letzter Kraft ein heiliges Medaillon und nimmt ihm den Schwur ab, dass dieser von nun an als Hoherpriester über Kharis wachen wird und stirbt dann.

In Kairo haben währenddessen die beiden glücklosen Archäologen Steve Banning (Dick Foran) und Babe Jenson (Wallace Ford) auf einem Basar eine alte Vase gekauft, auf der nach Bannings Meinung ein Plan zu erkennen ist, mit dessen Hilfe man das Grabmal von Prinzessin Ananka sowie die darin verborgenen Reichtümer finden kann. Banning bringt die Vase ins „Kairo Museum“, wo er mit seinem Kollegen Dr. Petrie (Charles Trowbridge) über den Fund fachsimpelt. Zusätzlich holen sie sich fachmännischen Rat bei Prof. Andoheb (George Zucco), der für das Museum arbeitet. Der aber behauptet wider besseren Wissens, dass die Vase eine Fälschung sei, denn Prof. Andoheb ist niemand anderes als der Hohepriester, dessen Initiation wir am Anfang miterlebt haben, und der daher natürlich kein Interesse daran hat, dass das Grab von Ananka gefunden wird.  
Banning, Jenson und Dr. Petrie lassen sich aber nicht entmutigen und suche nach einem Finanzier für die geplante Expedition zu Anankas Grab. Durch Zufall treffen sie dabei auf den abenteuerlustigen Magier Solvani (Cecil Kellaway), der sich bereit erklärt die Expedition zu finanzieren, allerdings unter der Bedingung, dass er und seine Tochter Marta (Peggy Moran) an der Exkursion teilnehmen. Nach anfänglichen Bedenken willigt Banning ein und ein Expeditionsteam wird zusammengestellt. Professor Andoheb verfolgt indessen aufmerksam jeden ihrer Schritte.

Schon bald stoßen die Beteiligten der Expedition tatsächlich auf eine Gruft. In dem großen Gewölbe finden sie auch einen Sarkophag. Doch es handelt sich nicht um den Sarg der Prinzessin Ananka, sondern um den der Mumie des Prinzen Kharis. Für Andoheb ist diese Grabschändung ein böser Frevel, und er schwört, alle Grabräuber zu töten. Dazu erweckt er die Mumie Kharis mit der Flüssigkeit von gekochten Tana-Blättern zu neuem Leben. Das erste Opfer der Mumie wird Dr. Petrie, der bei der Wiedererweckung anwesend ist. Anschließend tötet die Mumie Ali (Leon Belasco), einen einheimischer Helfer von Banning. In der folgenden Nacht überfällt die Mumie Solvani, aber bevor er diesen töten kann, wird sie vom Schreckensschrei der im gleichen Zelt schlafenden Marta abgelenkt. Die Mumie entführt Marta und bringt sie zu Andoheb.  Als dieser die schöne Frau erblickt, verfällt er ihr augenblicklich und beschließt, Marta und sich mit Hilfe des Lebenselixiers zur Unsterblichkeit zu verhelfen und bis in alle Ewigkeit mit ihr zusammen zu bleiben.  Banning und Jenson aber sind der Mumie gefolgt, und als Jenson den Eingang des Tempels erreicht, wird Andoheb auf ihn aufmerksam und versucht ihn zu töten, doch Jenson ist schneller und erschießt Andoheb. Im Innern der Gruft ist Kharis inzwischen dabei, sich über das von Andoheb gekochte Lebenselixier herzumachen. Banning versucht das zu verhindern, doch die Schüsse, die er auf Kharis abgibt, zeigen keine Wirkung. Als Kharis die Schale mit der Flüssigkeit zum Mund führt, gelingt es Jenson, ihm diese aus der Hand zu schießen. Schließlich kann Banning die Mumie mit einer Fackel anzünden, so dass diese restlos verbrennt. So besiegelt am Ende die Mumie selbst ihr Schicksal, dank ihrer Gier nach Leben.
Schließlich reisen Stephen und Marta zurück in die Heimat, ihrem Happy End entgegen, begleitet von Jenson, Solvani und dem Sarkophag der Prinzessin Ananka...
 
Literatur:
Thomas M.Feramisco: The Mummy unwrapped. McFarland 2008
Gary J. and Susan Svehla (Editors): Lon Chaney, Jr. (Midnight Marquee Actors Series); Midnight Marquee Press, Inc., 1997
 


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