Knapp die Hälfte aller Morde in den USA wird durch Handfeuerwaffen begangen. Weitere Schusswaffen lassen die Quote auf rund 75 Prozent steigen, den Rest machen vor allem Messer oder sonstige zweckentfremdete Werkzeuge aus. Zu erklären ist die Verteilung allenfalls durch die jeweilige Verfügbarkeit. Zumindest diejenigen, die mit Wut im Bauch morden, würden bei freiem Zugriff auf alles, was die Fantasie hergibt, wohl auf andere, spektakulärere Methoden zurückgreifen. Wie wäre es zum Beispiel zur Abwechslung mal, die gute alte Rache am Steuer eines laut röhrenden Monster Trucks auszukosten?
Dummerweise setzt sich die NRA noch nicht für das Recht eines jeden Amerikaners auf einen Monster Truck in der heimischen Garage ein, also muss es mal wieder der Exploitationfilm der Gattung „Revenge“ richten. Wenn das kastenförmige Vehikel aus „Monster Truck“ über die geparkten Karren auf dem Gebrauchtwagenhof knattert, wird damit anno ’87 nicht nur sehr bildhaft die Nachfrage nach dem frisch entstandenen US-Markt für Show-Unterhaltung mit hochgezüchteten Pick-Ups bedient, sondern zugleich ein neues Symbol etabliert, das dem Motiv der blinden Vergeltung wie angegossen steht: Platt möge gewalzt werden, was plattgewalzt gehört, mitsamt des gesamten Umfelds, Kollateralschäden inbegriffen. Völliger Kahlschlag statt gezieltem Schuss in die Brust: So löst man innere Verspannungen.
Dabei beginnt das Actiondrama zunächst mit der provinziellen Genügsamkeit jener Familienserien, die damals im amerikanischen Fernsehen zur Vorabendzeit liefen. Wenn hier Kerzen auf dem Geburtstagskuchen ausgepustet und Liebesdinge am Küchentisch ausdiskutiert werden, wähnt man sich fast in einer Folge „Unsere kleine Farm“, nur dass draußen Autos statt Pferde parken. Die anfangs im Mittelpunkt stehende Vater-Sohn-Romantik (Lawrence Dane als Big Joe, Don Michael Paul als Little Joey) gedeiht also auf fruchtbarem Boden, man könnte es fast schon als kitschig bezeichnen, wie harmonisch da alles ineinander greift. Auf der anderen Seite der Medaille werden die Doyles eingeführt, wie die Ratten im fahlen Licht ihrer eigenen Stripbar lungernd, angeführt von einem herrlich widerlich gestylten Ned Beatty mit Zahnlücke und phänomenal modellierter Rockabilly-Frisur, der seinen Rattenkindern mit harter Hand die eigene Weltanschauung eintrichtert.
Fiese Barbesitzer gegen gutmütige Transportunternehmer also, Schwarz und Weiß, zwei Welten, die sich im Alltag jobbedingt bereits streifen und die bald endgültig miteinander kollidieren werden – so will es das Genre, in dem hier verkehrt wird. Als die liebreizende Frau von Big Joe mit ihren zwei Kleinsten von den Hillbillies verfolgt und schließlich in einen schrecklichen Unfall getrieben wird, ertönt irritierenderweise jedoch immer noch freundliche Abenteuermusik, und auch die Reaktion der Angehörigen vor Gericht, als das Gesetz die schützende Hand über die Übeltäter hält, fällt vergleichsweise zahm aus. Also legt das Drehbuch noch ein paar Scheite nach… zum einen, damit die 90 Minuten Laufzeit überhaupt gefüllt werden können. Zum anderen, damit Don Michael Paul keinerlei Ausreden mehr hat, sich endlich vom Milchgesicht in einen Berserker zu verwandeln.
Von der nüchternen, deutlich in der Tradition von spröden TV-Filmen stehenden Regie sollte man sich allgemein nicht allzu viel erwarten, aber „Monster Truck“ weiß zumindest im Stuntbereich mit gewissen Qualitäten zu überzeugen, die zur Entstehungszeit zum Standard gehörten, in der heutigen Nachbetrachtung aber durchaus ihre Stärken ausspielen. Wenn man das Getöse modernster Fast-and-Furious-Sequels mit CGI-Tuning gewohnt ist, könnte das Handwerk des rund 30-köpfigen Stunt-Teams rein optisch auf den ersten Blick altbacken wirken, tatsächlich werden bei genauem Hinsehen aber einige ziemlich spektakuläre Einlagen geliefert. Insbesondere ein aus der Spur rutschender LKW nach Ziegelsteinwürfen von einer Brücke weist in Konzeption und Ausführung fast schon Terminator-2-Qualitäten auf; was einzig fehlt, ist die Dynamik in Kamera und Regie. Dieses Duo liefert zumindest ein kleines Highlight, als das mobile Quadrupel-Riesenrad in eine Lagerhalle platzt, um einen Flüchtigen durch einen Haufen Kartons zu verfolgen. Hier spielt Kameramann Laszlo George mal geschickt mit Tiefenwirkung und Perspektiven, während der Stuntmann einen Höllenjob zu erledigen hat, nicht von dem Metallmonstrum über den Haufen gefahren zu werden.
Dessen Design wiederum überzeugt als martialische Verbildlichung reinen Testosterons. Auspuffflammen, die eckige Fahrerkabine und der phallische Bohrkopf an der Frontschürze, der im Finale noch seinen unzweideutigen Zweck erfüllen wird, sorgen für ein betont maskulines Erscheinungsbild der Karosse, die zu ihrem Besitzer fast im gleichen Verhältnis steht wie Lou Ferrigno zu Bill Bixby in der 70er-Jahre-Serie „Der unglaubliche Hulk“ – mit dem einzigen nennenswerten Unterschied, dass der Truck nicht grün lackiert wurde.
Eine Nonstop-Actionsause allerdings ist nicht zu erwarten, vielmehr handelt es sich um punktuelle Aufreger, die das übliche Treiben in dem Ort – Saufen, Belästigen, Vergewaltigen – gelegentlich aufmischen. Gerne mischt sich die Kamera auch unter das Volk, sie beobachtet die Tänzerinnen in der Bar, sitzt mit den Doyle-Krawallbrüdern am Essenstisch oder besucht gemeinsam mit dem gutmütigen, aber recht machtlosen Lieutenant Sullivan (Michael J. Reynolds) die Tatorte und wirkt dabei ähnlich ratlos wie der Mann des Gesetzes.
Was „Monster Truck“ dabei durchgehend fehlt, ist die letzte Konsequenz in der Ausführung des Rachemotivs. Obwohl zweifellos grausame Dinge geschehen, bis der Rächer endlich handgreiflich wird, bleibt es in jeglicher Hinsicht bei Andeutungen. Blut gibt es keines zu sehen, auch der psychologische Terror wird durch die lasche Regie und die fragwürdige Musikauswahl unterdrückt. So stellt sich auch die Frage nach der Zielgruppe, sind die angedeuteten Themen für junge Zuschauer doch zu derb und ist die Inszenierung für die Älteren wiederum zu zahm. Im Finale artet die bis dahin eher im Vigilanten-Actionthriller angesiedelte Handlung sogar Richtung Slasherfilm aus, als der Truck zum Bohrmaschinenkiller mutiert. Dezent postironisch wird dabei sogar mit Alternativen zum berühmten Maisfeld kokettiert, nicht jedoch, ohne das Dilemmma des im Kreis fahrenden Autos lösen zu können, das gegen die Wendigkeit einer Person zu Fuß eigentlich nicht viel ausrichten kann. So mischt sich erneut unfreiwillige Komik in die Horroraspekte, was die zuvor bereits festgestellte Unentschlossenheit in der Tonalität nur noch einmal betont.
Weil aber echte, handgemachte, unbearbeitete Autostunts mit der Zeit aus der Mode gekommen sind, und weil es überhaupt schwer ist, Rachefilme zu finden, in denen ein Monster Truck als Mordwaffe benutzt wird, hat „Monster Truck“ durchaus schlagkräftige Argumente auf seiner Seite. Wenn eine Weichflöte wie Don Michael Paul mit einer futuristischen Rampensau aus Gummi und Metall seinen Pizzateig knetet und anschließend Ned Beatty im Backofen bei 180 Grad den Elvis wegfönt, dann guckt man sich das gefälligst an – selbst wenn das gesamte Drumherum nach Michael-Landon-Familienberieselung müffelt.