ACHTUNG ! SPOILER !
Gehirn ausschalten und der Mummy-Mumbo-Jumbo kann beginnen, Teil II.
"Kharis still lives...lives for the moment he will carry death and destruction to all those who dared violate the tomb of Ananka! That moment has now arrived!"
Mit diesen finsteren Worten, die George Zucco als Hohepriester Andoheb an seinen Nachfolger Mehemet (sic) Bey richtet, wird die Handlung des Films zu Beginn kurz und schmerzlos auf den Punkt gebracht.
Qualitativ unterscheidet sich THE MUMMY'S TOMB nur in Nuancen von seinem knapp zwei Jahre zuvor entstandenen Vorgänger "The Mummy's Hand". Wenn man an den Film nicht zu kritisch herangeht, hat er durchaus einen gewissen, nostalgischen Unterhaltungswert. Immerhin bleiben uns plumpe komödiantische Elemente, wie sie noch in "The Mummy's Hand" vorkamen, erspart. Das Tempo der Handlung ist nicht mehr ganz so behäbig (dass der vor sich hin schlurfenden Mumie schon!), und einige Szenen, in der die Mumie ihre Opfer mit einer Hand erdrosselt, sind dynamisch inszeniert und vermitteln ein wenig von der postulierten übermenschlichen Kraft der Mumie.
Am Anfang des Films sehen wir einen älter gewordenen Steve Banning aus "The Mummy's Hand", der von seinen Abenteuer in Ägypten erzählt. Illustriert werden seine Worte durch Szenen aus diesem Film, die sich auf rund 12 Minuten summieren, so dass der Zuschauer die Höhepunkte daraus, quasi im Schnelldurchlauf, noch einmal erleben kann. Jedwede Logik außer Acht lassend, erzählt Banning hier detailliert von Dingen, die er eigentlich überhaupt nicht wissen kann, da er bei den jeweiligen Ereignissen gar nicht präsent war. Da THE MUMMY'S TOMB insgesamt nur eine Laufzeit von 60:33 Minuten hat, bleiben für die eigentliche Handlung schließlich noch rund 50 Minuten übrig.
Dabei wird zunächst relativ beiläufig erklärt, warum Andoheb und die Mumie Kharis, die am Ende von "The Mummy's Hand" erschossen respektive verbrannt waren, sich plötzlich wieder unter den Lebenden tummeln. Nachdem der Zuschauer diese Erklärung mit viel gutem Willen hingenommen hat, nimmt das Drama seinen Lauf. Und wie es nun mal so ist: history repeats itself! Anders gesagt, die Drehbuchautoren haben es sich leicht gemacht und im Prinzip noch einmal die bereits bekannte Geschichte erzählt. Denn wie schon in "The Mummy's Hand" verguckt sich auch diesmal der eigentlich sittsame Hohepriester in die Heldin des Films und strebt mit Ihr zusammen ein Leben in alle Ewigkeit an. Das geht natürlich schief und der Plan nimmt ein böses Ende...
Etwas plump arrangiert wirken dabei die ach so zufälligen Begegnungen des Hohepriesters mit der Heldin des Films. Denn in den wenigen stillen Momenten, in denen Mehemet Bey die Mumie Kharis gerade mal nicht auf ahnungslose Menschen hetzt, findet er tatsächlich die Muße, im feschen Sonntagsstaat durch die Felder zu spazieren. Dabei begegnet er selbstredend jedes mal dem ausgelassen im Gras turtelnden Liebespaar und hat so ausreichend Gelegenheit, das obskure Objekt seiner Begierde zu beäugen. Da kann man sich ein Lachen ob dieser an den Haaren herbei gezerrten Situationen nicht verkneifen!
Als der Film damals in die Kinos kam, wurde in der Werbung besonders herausgestellt, dass Lon Chaney, der kurz zuvor mit "The Wolf Man" einen Hit für das Universal-Studio gelandet hatte, nun die Rolle der Mumie übernommen hatte und damit Tom Tyler aus "The Mummy's Hand" ablöste. Wenn man den Film und die beiden noch folgenden Fortsetzungen sieht, kommen einem aber gewisse Zweifel, ob Chaney die Figur wirklich durchgehend verkörpert hat. Zwar gibt es plakative Publicity-Fotos, die Chaney im Mumien-Outfit zeigen, an seiner Seite Make-up Mann Jack Pierce, doch im Film selbst hat man den Eindruck, dass der Darsteller der Mumie von der Statur und der Physiognomie her nur wenig Ähnlichkeit mit Lon Chaney hat. Es spricht einiges dafür, dass Eddie Parker, damals Stuntman für alle Fälle bei Universal, in vielen Szenen an Stelle von Chaney agiert. Gerüchte dieser Art kursieren spätestens seit einem Artikel von Joe Dante in einer Ausgabe des Magazins "Famous Monsters of Filmland", in dem der Autor darüber spekuliert, dass ein Stuntman die Figur der Mumie verkörperte und dass die Verantwortlichen bei Universal den Namen Lon Chaney nur zum Zwecke der Promotion nutzten. Eindeutige Belege für diese Hypothese gibt es allerdings nicht. Chaney selbst hat sich häufiger abfällig über die Figur der Mumie geäußert und die Rolle als eine seiner uninteressantesten beschrieben.
Neben Chaney agiert Turhan Bey als neuer Hohepriester und er ist wohl der eleganteste Übeltäter der ganzen Kharis-Serie. Ein regelrechter Schöngeist des Bösen. Dick Foran als um Jahre gealterter Steve Banning hat nur einen kurzen Auftritt zu Beginn des Films und fällt dann recht schnell der Mumie zum Opfer, ohne dass man das als Verlust empfindet. Sein Kumpel Wallace Ford, der hier plötzlich Babe Henson heißt (warum auch immer) hat da schon eine größere Rolle, tritt aber nicht mehr ganz so forsch wie noch in "The Mummy's Hand" in Erscheinung. Auch er wird schon sehr bald auf offener Straße von Kharis ins Jenseits befördert. John Hubbard und Elyse Knox als obligatorisches Liebespaar ohne eigentliche Funktion fallen am ehesten durch darstellerische Arbeitsverweigerung auf, wobei Elyse Knox wenigstens noch nett anzuschauen ist. Das Schicksal der Marginalität teilen die beiden im Übrigen mit allen anderen Liebespaaren der Kharis-Serie.
Technisch gibt es an dem Film nichts auszusetzen, wurde er doch augenscheinlich mit etwas mehr Sorgfalt inszeniert als "The Mummy's Hand".
Wie dem auch sei: THE MUMMY'S TOMB "is a minor masterpice of illogic" wie John Soister es formuliert hat (Svehla 1997, Seite 70), und dieses Urteil gilt gewiss für die gesamte Kharis-Serie.
In Deutschland ist der im Oktober 1942 in den USA erstmals aufgeführte Film nie offiziell gezeigt worden. Laut OFDb gab es aber eine rund sieben Minuten langen Super-8 Fassung unter dem Titel "Das Grab der Mumie", die von Piccolo Film veröffentlicht wurde.
Ausführliche Zusammenfassung der Handlung:
Die Handlung des Films THE MUMMY'S TOMB setzt etwa 30 Jahre nach den Ereignissen in The Mummy's Hand ein. Der Archäologe Stephen Banning (Dick Foran) hat sich zusammen mit seiner Schwester Jane (Mary Gordon) in seiner Heimatstadt Mapleton, Massachusetts, niedergelassen. Seine Frau Marta lebt nicht mehr und ihr gemeinsamer Sohn John (John Hubbard) lebt mit seiner Verlobten Isobel Evans (Elyse Knox) ebenfalls in Mapleton. Eines Abends erzählt Stephen seinem Sohn, Isobel und deren Mutter (Virginia Brissac) von seinen Abenteuern in Ägypten und von der Mumie Kharis.
Unterdessen weiht der alt gewordene Andoheb, der Hohepriester von Karnak (George Zucco), in Ägypten seinen Nachfolger Mehemet Bey (Turhan Bey) in das geheime Wissen um die Unsterblichkeit der Mumie Kharis ein. Andoheb berichtet Bey ausführlich von der verbotenen Liebe zwischen Kharis, dem "Prince of the Royal House" und Ananka, der Tochter von "King Amenophis". Anschließend erklärt Andoheb, wie Bey mit Hilfe der Blätter vom mystischen Tana-Baum die Mumie für seine Zwecke nutzen kann: "Once each night, during the cycle of the full moon, you will dissolve three tana leaves to keep his heart beating and nine leaves each night to give him life and movement". Kharis und Mehemet Bey sollen nun die letzten Mitglieder der Familie Banning und die anderen noch lebenden Grabräuber vernichten.
So reist Bey mitsamt dem in seinem Sarkophag schlummernden Kharis (Lon Chaney) per Schiff in die USA. Er begibt sich nach Mapleton, wo er den Platz als Friedhofsverwalter des Ortes einnimmt. Von hier aus kann er in aller Ruhe seinen Rachefeldzug planen. Gleich in der ersten Vollmondnacht erweckt er die Mumie mit Hilfe des Lebenselixiers, gewonnen aus Blättern des Tana-Baumes, zum Leben. Kharis dringt anschließend unbemerkt in das Haus der Bannings ein, tötet Stephen und kann unerkannt entkommen.
Der Sheriff der Ortes (Cliff Clark) ist zunächst völlig ratlos. Inzwischen hat Stephens alter Freund Babe Henson (Wallace Ford) von den Ereignissen gehört und reist umgehend nach Mapleton. In der gleichen Nacht in der Babe im Ort eintrifft, tötet die Mumie Jane Banning. Wieder kann das Monster unbemerkt zum Friedhof zurück kehren. Inzwischen machen die Morde landesweit Schlagzeilen. Zahlreiche Reporter wittern eine Story und reisen nach Mapleton: "Ace Newsmen of country here to 'cover' mystery" titelt die lokale Zeitung. Babe meldet sich beim Sheriff und erzählt von der Mumie Kharis, da er davon überzeugt ist, dass Kharis wieder am Werk ist. Der Sheriff zweifelt allerdings an Babe's Geschichte, so dass dieser sich an einen Reporter wendet. Mehemet Bey hat dies zufällig mit angehört und hetzt in der folgenden Nacht die Mumie auf Babe, der keine Chance hat, seinem Schicksal zu entkommen. Am Tatort entdeckt man jedoch einen Fetzen von den Bandagen der Mumie, und nach eingehender Untersuchung im Labor besteht für die Staatsgewalt kein Zweifel mehr: Der Killer ist eine lebende Mumie! Für den Sheriff ist klar: "Living or dead, I'm going after it!"
Inzwischen hat Bey gefallen an John Bannings Verlobter Isobel gefunden und will mit ihr als unsterbliches Paar weiterleben "until the world crumbles and there is no longer a stone or a rock or a tree or a blade of grass!" Er lässt Isobel von Kharis entführen. Der Sheriff hat inzwischen erkannt, das Mehemet Bey die mordende Mumie manipuliert und rüstet die Männer des Ortes mit Fackeln und Waffen aus. Als sie den Friedhof stürmen, tritt ihnen Bey entgegen und leugnet alle Anschuldigungen. Kharis verschleppt zur gleichen Zeit Isobel zum Haus der Bannings. Bey versucht derweil vergeblich, die Massen zu beruhigen. Als er keinen Ausweg mehr sieht, versucht er John zu erschießen, doch der Sheriff ist schneller und tötet Bey. Der Mob zieht nun zum Haus der Bannings und setzt es in Brand. John kann Isobel im letzten Moment aus den Flammen retten. Im lichterloh brennenden Haus verbrennt die Mumie Kharis...
"Reign of Terror end's in Flames! John Banning weds Isobel Evans culminating long courtship. Romance scores triumph over terror reign!" titeln die Zeitungen am folgenden Tag. Das Happy End ist damit besiegelt...
Aus der Werbung (Trailer):
Dead 3000 Years But Alive!
All New Terror...All New Thrills!
Literatur:
Gary J. and Susan Svehla (Editors): Lon Chaney, Jr. (Midnight Marquee Actors Series); Midnight Marquee Press, Inc., 1997