Review

Gerade als der kalte Krieg so richtig in Gang gesetzt wurde, begannen viele Autoren ihre Ängste in literarische Werke umzusetzen, was primär auf amerikanischer Seite zu einigen Dystopien führte. Waren es nicht extraterrestrische Invasoren, wurde kurzerhand ein fiktiver Ostblockstaat mit totalitärem Regime erfunden, wie im vorliegenden Fall, der auch gleich eine Fantasiesprache zwischen russisch und serbokroatisch einbindet.

Dr. John Marlowe (Douglas Fairbanks Jr.) hat eine neuartige operative Methode erfunden und soll nun im Polizeistaat Vosnien dafür geehrt werden. In Wirklichkeit soll er jedoch das Staatsoberhaupt medizinisch behandeln. Als dieses stirbt, wird überall nach dem Mediziner gefahndet, der sich fortan auf der Flucht befindet, gemeinsam mit der Sängerin Lisa (Glynis Johns)...

Im Verlauf erinnert die Chose frappierend an einige Frühwerke von Hitchcock, später explizit an "Der Unsichtbare Dritte", welcher jedoch einige Jahre später erschien. Fairbanks performt den Mediziner auf der Flucht recht gekonnt, da sein kantiges Gesicht einerseits die Züge eines Arbeitstieres widerspiegelt und auf der anderen Seite trotz einiger prekärer Situationen stets eine gewisse Würde, gepaart mit Galgenhumor übrig bleiben. Sein Gegenpart in Form von Colonel Galcon (Jack Hawkins) wird leider zu selten in den Vordergrund gerückt, doch auch er erhält gerade noch genügend Raum, um die wesentlichen Hintergründe seines Handelns zu vertreten.

Zunächst verläuft die Erzählung zwar ein wenig schleppend, doch einige Egosichtweisen der Hauptfigur (Seine Gegenüber sehen direkt in die Kamera, ein Niederschlag wird durch verschwimmende Bilder umgesetzt) überraschen positiv. Etwa ab Mitte der Handlung dominieren einige Stationen während der Flucht, da überall Polizei mit Fahndungsfotos lauert. Es geht aufs Boot, in eine Schwebebahn, durch die Berge und zum Barbier, während eine dritte Person über Umwege erpresst werden muss, um in einem fremden, kontrollierten Land überhaupt an die Staatsgrenze zu kommen.

Dieses isolierte Gefühl wird durch Kommunikationsbarrieren natürlich verstärkt und auch die Tatsache niemandem trauen zu können, intensiviert diesen Aspekt.
Leichte Anflüge von Humor wirken zwar zuweilen ein wenig aufgesetzt und einige Verhaltensweisen sind letztlich doch zu auffällig, um ungesehen zur nächsten Station zu gelangen, doch durch viel Abwechslung in der zweiten Hälfte werden einige Mankos locker kaschiert.

Leider fällt der Ausgang (eine Szene zu Beginn nimmt bereits ein wenig vorweg) reichlich unglaubwürdig und arg konstruiert aus, auch wenn die letzte Einstellung mit einem leichten Schmunzler nachwirkt. Immerhin ist dem positivem Ausgang kein unnötiger Kitsch beigefügt worden, wobei man den weiteren Verlauf natürlich der eigenen Phantasie überlassen kann.

Alles in allem unterhält der britische Thriller recht solide, die Schauplätze sind treffend gewählt, die Ausstattung ist grundsolide und auch die Kamera liefert zum Teil ausgezeichnetes Material. Ferner ist der Score gut abgestimmt, die Darsteller performen mindestens ordentlich und auch das Timing ist meistens optimal. In Sachen Politkritik hätte der Stoff noch ein wenig mehr in die Tiefe gehen können und einigen Figuren hätte ein wenig mehr als eine oberflächliche Einbindung gut getan, doch im Gesamtbild liefert "Staatsgeheimnis" grundsolide, wenn auch nicht übermäßig kreative Unterhaltung.
Knapp
7 von 10

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