Review

Nackte Amazonen im Freizeitpark...

Was Amazonenfilme angeht, sollte man doch meinen, dass diese entweder tief in einer Fantasywelt mitsamt irgendwelchen Mythengestalten spielt, oder es ein urtypisch sperriger Sandalenfilm mit einer Horde emanzipierter Frauen ist, der eine krumme Rache ,- und Liebesstory zum besten gibt, in denen das kämpferische Weibvolk die Herren zur Versklavung verdammt. Das Alles hat oder hätte so seine Reize, doch Jesus Franco, der Inbegriff des pursten Trash aller Trashgiganten konzipiert einen theatralisch einfältigen Möchtegernabenteuerfilm, der seine Karten schon in den ersten Sekunden verspielt. Denn während wir wohlwollend akzeptieren, dass die Amazonen recht nackt und liebestoll gen Blutakt reiten, erhaschen wir, sofern wir uns nicht von den lächerlichen Kostümen aus dem Faschingsverleih ablenken lassen, dass hier nichts mit Sagenwelten ist und die Argonauten und Griechen durch Indios mit Medizinmännern, Ärchaolgen und einer Wilden, die ihre toten Eltern rächen möchte, ersetzt wurden.

Franco katapultiert seine Charaktäre völlig bezugslos in ein Treiben, dass anfänglich durch diverse Zeitenwechsel und Rückblicke verwirrend wirkt um dann in noch größere Peinlichkeiten abzudriften. Franco präsentiert uns direkt seine Amazonen, barbarisch, anmutend, kämpferisch und voller Hochmut erschiessen sie ein Paar, welches sich an dem Gold der Amazonen vergangen hat. Wenig später, und so wenig, dass jegliche Dramatik oder Feingefühl verloren geht, machen wir Bekanntschaft mit einer jungen "Wilden" namens Liane (!!!), die grazil mit Leopardenbuschigkeiten durch den amazonischen Dschungel girlandet, auch wenn man jegliche Szenerie eindeutig in seiner Künstlichkeit als Naturpark entlarven kann. Und Künstlichkeit hatte bisher hier seinen Namen gefunden, agieren die Darsteller bisher mit einer Mimik und Gestik, die allerbestens zum dilletantischen Schultheater aus Max 8. Klasse passt, während einige dumm-schauend herum stehen, bis sie ihren Part spielen sollen.

Authentisch wirkt hier bisweilen nichts, und auch wenn sich Franco alle Mühe gibt, hier einen überzeugenden Abenteuerfilm mit allen möglichen Gefahren und Action hinzulegen, versinkt das Teil Minute zu Minute in Belanglosigkeit, beweist sich der darauf folgende Road Trip als zusammenhangloser, bisweilen absolut abgearbeitet wirkender und seelenloser "Auf Teufel komm raus" Film, der es vehement verpasst, Höhepunkte zu setzen, irgendwie spannend zu wirken, oder sehenswert zu sein. Doch das mag irgendwo Francos Stärke sein. Sein Minimalprinzip - aus einem Minimum an Fähigkeiten, Mitteln, Budget und Drehbuch irgendetwas rauszuholen. Sei es nur Müll, aber wenigstens hat man was geschafft. Immerhin wissen wir jetzt schon einmal, dass die vermutlich Wilde die Tochter der zuvor getöteten Golddiebe ist, mittlerweile wohl etwas Zeit in den Raum verflogen ist, und sie fortan, nachdem sie eilig von einem weiteren Monotonoveractor gerufen wurde, zur Rache schreiten wird. Wie um alles in der Welt das Mädchen aus der Wildnis den Hilferuf hören konnte, obwohl sie sich der Zivilisation abgesagt hatte, bleibt wohl ein Rätsel, aber vielleicht hat sie auch ihren eigenen Privatdschungel von 100 m² hinter ihrem Elternhaus, in dem sie mit Elefanten und ihrem Schimpansen Rocky toben kann. Jedenfalls passiert es so schnell, dass man sich fragt, wo denn der Realismus auf der Strecke blieb, oder ob Regiemaestro Franco mal wieder ein Drehbuch so schnell wie möglich runterrattern musste.

Bis hierhin ists mit Amazonen noch in weiter Ferne, denn Franco versucht mit weiteren Stationen, so als wäre das Ganze eine Art Rollenspiel, Verbündete aufzugabeln. Mitsamt Medizinmann, der während des kompletten Filmes seine Psalmen zum Besten gibt, ob nun unpassend oder nicht, und einem Archaologenteam begeben sie sich zum goldenen Tempel. Freilich gibts hier keinen Tempel, denn Francos Möglichkeiten liessen wohl nur ein Lagergebäude zu, dass man schlichtweg in goldenglänzende Alufolie gewickelt hat. So sieht es zumindest aus. Innendrin siehts zwar etwas besser aus, bemüht man sich zumindest mal um Säulen, um gefährliche Schluchten etc. doch das macht den Kohl nicht fett, vorallem weil in den platten Bildabfolgen bis jetzt immer noch nichts spannendes oder actionreiches passiert, was man in einem Film, der von Amazonen handelt und mit "Keine Vermietung bla bla" wirbt, erwarten könnte. Und auch die Gefangenschaftszene mitsamt Folter wirkt da nur äusserst unfreiwillig komisch, auch wenns wohl ein schweisstreibendes Mitfiebern werden sollte, während sich die anderen, der Medizinmann, der wenigstens noch Zaubertricks vollführt, und die schöne Liane, sich sprichwörtlich abseilen müssen.

Es hat alles den Charme eines vollkommen uninspirierten und durchgekloppten Filmes, denn man so schnell wie möglich heruntergekurbelt hat, dem seine Charaktäre egal sind, dem das Drehbuch egal ist, keinerlei Action aufweisen kann und in allen Faktoren einfach nur "amateurhaft" und belanglos wirkt. Mit genug Bier und Sitzpolster kann man sich allerhöchstens noch an den miesen Darstellern und vorallem an dem lächerlichen Medizinmann erheitern, wer aber ein spannendes und innovatives Abenteuer sucht, in dem man mit den Protagonisten mitfiebern kann und nicht die entblössten Brüste die Helden sind, sollte die Finger von Francos goldenen Amazonen lassen.

Allen Trashfans, Franco - Fans und solche die es werden wollen, sei dieses unfertige Ding aber ans Herz gelegt, vorallem wenn man erfahren möchte, wie schlecht man interessante Themen in den Sand setzen kann, wenn man die Regiearbeit im Dauerexzess wie Franco (über 160 Filme) vollführt...Franco mag für einige Werke berühmt geworden sein, für einige Sachen belächelt, doch er wusste zu vermarkten, aber wie es mit allem irgendwo ist:

Es zählt Klasse statt Masse, und Der Goldene Tempel der Amazonen ist leider weit davon entfernt ein klasse Abenteuerfilm zu sein.

Objektiv: 37%

Trashwertung: 67%

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