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Ein frisch ausgelernter Psychologie-Student stattet einer psychiatrischen Einrichtung einen Besuch ab und wird von dem Leiter der Einrichtung sogleich angehalten, unter den Insassen den ehemaligen Chef ausfindig zu machen. Auf seiner Führung wird er also mit allen Patienten, ihren Geisteskrankheiten und auch ihren Krankengeschichten bekannt gemacht…

ASYLUM aka. „The House on the Strand“ (mächtig unpassender Titel!) ist einer d e r sehenswertesten und kultigsten Episoden-Horrorfilme, die ich kenne.
Zwar handelt sich’s hierbei um einen schon deutlich in die Jahre gekommenen Vertreter seines Fachs, in Punkto Einfallsreichtum, Atmosphäre und Grusel macht dem Spezi hier aber nicht so leicht einer was vor.

Story 1: Ein Kerl will sein Frauchen gegen seine Geliebte austauschen, doch die zerstückelten Überreste seines Hausdrachens wollen irgendwie nicht so recht in der Gefriertrue bleiben und nehmen erbitterte Rache…
Story 2: Ein Schneider wird beauftragt einen Anzug aus einem ganz besonderen Zwirn zu schneidern. Wie sich herausstellt, ist der Stoff in der Lage, Tote zu neuem Leben zu erwecken…
Story 3: Eine Dame wird von ihrem schizoiden Alter-Ego zum Morden gedrängt…
Story 4: Ein überarbeiteter Arzt lässt seine Seele in eine Spielzeug-Puppe schlüpfen und geht dem Leiter der Anstalt an die Gurgel…
Wie ihr seht, schlägt der letzte Shorty auf überaus pfiffige Weise eine Brücke zur Rahmenhandlung, die Auflösung, wer denn nun einst auf dem Chefsessel der Klapse saß, birgt freilich noch eine kleine Überraschung in sich.

Ich steh’ ja eigentlich nicht so auf alte Schinken, ganz besonders nicht auf alte Horrorschinken. Aber der hier ist ganz klar 'ne Ausnahme.
Die kriechenden, in alte Zeitungen gewickelten Gliedmaßen, die aufziehbaren Mini-Roboter, Peter Cushing… - dass auf dem Celluloid bereits eine meterhohe Staubschicht schlummert, merkt man an den Kulissen, den FX, den Frisuren, der Filmmusik… an einfach allen Ecken und Enden, was dem Streifen aber nicht nur hohen Trashwert, sondern auch enorme Sympathiepunkte verleiht.
Ferner ist ASYLUM auch mit dem typisch modrigen Grusel-Flair im Stile der alten "Dracula"-Filme ausgerüstet, Unterschied aber, dass dieses Machwerk hier glücklicherweise nicht ganz so sehr auf "Sülz"-Dramaturgie und schwarze Capes aufgebaut ist.
Für diese Kriterien hatte anscheinend auch Kuscheltier-Papa Stephen King ein Näschen, weshalb er dem Film auch ein paar Momente in seiner „World of Horror“-Doku widmete.
Wie dem auch sei: ASYLUM ist wohl die Mutter, Großmutter des Episoden-Horrors und Wegbereiter für Filme wie „Geschichten aus der Schattenwelt“, „Body Bags“ oder „H. P. Lovecroft’s Necronomicon“.

Fazit daher:
Kultverdächtiger, sehr stimmiger Episoden-Grusler mit Geisterstunden-Feeling, meilenweit von schnarchigen „Hammer“-Machwerken - handelt sich’s hierbei eigentlich auch um eine „Hammer“-Produktion? Kein Plan… - entfernt.
Einfach eine coole Oma.

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