So einen Film - so ehrlich, so beklemmend, so bitter ironisch, so knallhart an den erschütternden Tatsachen und gleichsam fesselnd und unterhaltend - wie dieses Meisterwerk von Li Yang hat es aus China noch nicht gegeben. Der Regisseur erzählt in diesem Debüt, für das er fast ausschließlich auf Laiendarsteller zurückgriff, die Geschichte eines gerissenen Verbrecherduos, das die katastrophalen Zustände in den Kohlenminen Nordchinas dazu ausnutzt, ihre eigenen Leichen zu verschütten. Von den korrupten Betreibern erpressen sie erkleckliche Schmerzens- und Schweigegelder für die "verunglückten" Verwandten.
"Blind Shaft" zeichnet die Realitaet in den desolaten Städten des zentralen Nordens (Shanxi, Henan, Hebei) mit all ihren tiefen Schatten schonungslos, so wie es dort wirklich ist, und nie wirkt sein Sarkasmus deplaziert. Bilder, wie sie die Offiziellen in China ganz und gar nicht gerne sehen. "Blind Shaft" ist auf dem Festland verboten, und Li Yang darf dort nicht mehr drehen.
Absurderweise - und sehr bezeichnend für die bürokratische Willkür und Missachtung der Urheberrechte in China - gibt es den Film dort dennoch als "lizensierte" DVD-Veröffentlichung im offiziellen Medienhandel der "Xinhua" und "Wenhua"-Ketten ... ohne, dass die Firma des Regisseurs hierzu jemals gefragt wurde geschweige denn einen lumpigen Yuan gesehen hätte. Auch auf mehreren Provinzkanälen, sagte Li Yang, sei der Film schon unlizensiert gesendet worden.
Aus Hongkong gibts den Film mit englischen Untertiteln.