Beat 'em Up
„Double Dragon“ hat nicht nur Ähnlichkeiten zum „Super Mario Bros.“-Film, sondern wird wie dieser auch oft genug als perfektes Beispiel für eine frühe, miese Videospielverfilmung genannt, das den mit Mist gepflasterten Weg dieses Subgenres deutlich vorgezeichnet hat. Aber ich bin mit „Double Dragon“ aufgewachsen, dem genialen Arcadeautomaten sowie diesem Film dazu, und muss hier mal einen kleinen Dolch für dieses cheesige Actionfest brechen.
Klar ist das käsig und nicht ohne Schwächen, klar sind die Games zehnmal besser, klar hätte man das noch wesentlich feiner, fetziger und härter machen können und ich möchte „Double Dragon“ jetzt auch nicht direkt auf das Niveau von ähnlicher Konkurrenz wie „Mortal Kombat“ oder „Street Fighter“ heben. Mit den richtigen Augen betrachtet, kann man an diesem trashig-dystopischen Martial Arts'er, der ganz klar eher für Kinder ausgelegt ist, dennoch eine Menge positiver Dinge finden. Wenn man denn will.
Erzählt wird von zwei kämpfenden Brüdern, die im ziemlich abgewrackten „New Angeles“ der Zukunft gegen einen fiesen Gangboss antreten müssen, der es auf ihr magisches, uraltes Amulett abgesehen hat... Manches sollte man lieber in süßer Erinnerung behalten? Oder zu unrecht gescholtener, naiver Spaßbereiter und Wegbegleiter? Hier sowohl die vielleicht viele überraschenden Pros als auch unübersehbaren Contras aus der Sicht eines früheren Fans:
Marc Dacascos
+ wirkt manchmal wie eine (unbeholfene?) Mischung aus „Turtles“, „Bloodsport“ und „The Warriors“
+ viele kleine Insider aus den Games
+ die genial-miese Mode; vollkommen in den 90ern hängen geblieben
+ Dacascos kann kämpfen
+ Patrick kann Bösewicht; schön drüber
+ Alyssa Milano!!!
+ schöne Matte Paintings des zerstörten L.A.
+ ein paar düstere Vibes (z.B. der dunkle, doppelte Samurai gegen Ende)
+ nette Kampfaction (speziell aus Kinderaugen)
+ gute Chemie zwischen den Brüdern
+ cheesige Witze und One-Liner
+ sichtbar nicht allzu niedriges Budget
+ ein paar nette Gadgets, Fahrzeuge und Nebenfiguren
+ pushender Score
+ gar nicht soo weit weg von seinen Vorlagen
+ die Anzüge am Ende
+ Bo Abobo!
+ „All Together Now“ über'm Abspann
+ Verfolgungsjagden auf den Straßen und im Wasser
Scott Wolf
— etliche Witze gehen ins Leere
— deutliche Kulissen
— Cheesefaktor für viele zu hoch
— angestaubt; ein Kind seiner Zeit
— Herr Wolf kann unübersehbar nicht kämpfen
— Herr Wolf ist nicht der beste Schauspieler
— unsägliche Mode und Frisuren
— manche Dinge sehr schräg und enttäuschend von den Games übernommen
— ziemlich blasses Finale
— mehr Schein als Sein
— viele Unzulänglichkeiten werden deutlich versucht zu überspielen
— womöglich zu kindlich und naiv
— Story mehr als nur rudimentär und happig; gleichzeitig aber auch wirr und überladen
— wenn man damit nicht früh in Kontakt kam, ohne Frage mit Grütze-Potenzial
Fazit: die Story ist super flach und man muss wohl etwas kindlich, naiv, mit rosaroter Brille rangehen - doch mir macht „Double Dragon“ damals wie heute eine Menge Spaß! Selbst wenn das vielleicht geilste Arcadegame aller Zeiten natürlich eine noch wesentlich bessere Verfilmung verdient gehabt hätte. Mein Herz ist dennoch leicht gebrochen, wenn ich sehe, wieviele Leute den zerreißen und scheinbar gänzlich anders sehen, als ich...