Review

Herrlich herzlich


Christopher Guest ist der beste Mockumentary-Macher in der Filmgeschichte. Echte Konkurrenz ist dafür zwar rar, doch einen solchen Ruf muss man sich dennoch erstmal erarbeiten. Mit „This Is Spinal Tap“ und „Best In Show“ sicher als Diamanten in seiner Krone. Immer mit schrägen aber liebenswerten Figuren, bizarren Topics und überraschend viel Wissen um das entsprechende Metier. Und vor allem einem tollen Händchen für Situationskomik, natürliche Dialoge und dem schmalen Grat, die Musiker, Fans und das Musikgenre an sich nicht zu verletzen oder zu beleidigen. Das ist große Klasse. Super leicht hätte man die Folkler vollkommen dem Spott und Hohn preisgeben können, doch fast die ganze Zeit über mag man sie und man lacht viel eher mit als über sie. Nochmal: das ist ganz groß!

Die Darsteller und Comedians haben einen exquisites Timing, die Folkszene wirkt frisch und unbenutzt, zwischendurch blitzt eine Menge Herz auf (Levy + O'Hara) und man ist sehr viel am Schmunzeln. Mindestens. Obendrauf gibt es viele schwungvolle Songs, die witzig, schmissig und ehrlich zugleich sind. „A Mighty Wind“ ist vielleicht nicht Guests Sternstunde in meinem Buch, aber das kann auch daran liegen, dass ich mit der Musik und dem Genre von all seinen Parodien am wenigsten anfangen konnte. Aber das ist vollkommen persönlich und subjektiv. Ein fetter Geheimtipp ist dieser mächtige Wind in jedem Fall. Denn eigentlich hat er hier all seine Stärken aus den genannten, wesentlich bekannteren Filmen auf die Spitze getrieben und perfektioniert. Verstehen, warum „A Mighty Wind“ (vor allem in Europa) keiner kennt, kann man allerdings definitiv. Es ist eben eine Nische. Eine köstliche und herzensgute.

Fazit: kein Spinal Tap, aber dennoch eine feine, sensible und furztrockene Mockumentary über die Leben, die Lieder und das Leiden von Folkmusikern. Spaßig ohne böse zu sein. Eine Kunst! 

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