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Wow. Mann muss echt sagen, dass Steven Seagal ein echtes Multitalent darin ist, sich möglichst unpassende Rollen auszusuchen und diese dann entsprechend beschissen zu verkörpern. Sei es der Eskimo bzw. das ex-CIA Mitglied in "Auf brennendem Eis", der Archäologe bzw. das ex-CIA Mitglied in "Out for a kill" oder der Indianer (an dieser Stelle bitte lachen) und Landarzt bzw. das -Überraschung!- ex-CIA Mitglied in diesem Film. Ich beginne so langsam ein Muster zu erkennen, der gemeinsame Nenner all dieser Rollen ist mir aber noch nicht ganz klar (ist natürlich ironisch gemeint).
Aber nun gut. Die obligatorische "er ist der beste den sie kriegen können" CIA Vergangenheit einmal außer acht gelassen, verkörpert "Multitalent" Seagal in diesem Film den naturbezogenen Indianer, der Superdaddy für seine kleine Rotzgöre (mit der wohl nervigsten "Liebes kleines Mädchen" Synchronstimme, die man sich vorstellen kann) und stehts weiser Landarzt, der sich von alten Schabracken mit selbstgemachten Pflaumenkuchen ("Sooo groß werden sie bei mir...") bezahlen lässt. Zwischendurch geht er mit seinem wandelnden Klischee-Cowboy-Buddy, dem "alten Frank" (der übrigens einen tollen Trick kennt, wie man "Missisippi" buchstabiert, ohne die i's zu sehen) auf Ausritt, bei dem er sich, wohl im wahnwitzigen Entschluss, unbedingt wie ein tumber Affe aussehen zu müssen, allen ernstes einen Cowboyhut aufsetzt.
Natürlich ziehen auch in diesem Film Seagals Fusselhaare den Ärger nahezu magisch an und so entschliesst sich der selbsternannte Patriot Floyd mit einer Horde von "wer trägt den größten Pornobalken nach Tom Selleck" Hinterwäldlern, ein tödliches Virus in Seagals kleiner Paradiswelt freizulassen. Das wirklich erschreckende ist, dass der Extremist Floyd im Grunde genommen auch nicht finsterer drauf ist als jeder zweite texanische Rancher ("Dies ist mein Land, da kann ich machen was ich will!"). Ist es eigentlich Zufall, dass in dem kompletten Film kein einziger schwarzer Auftaucht? Aber Scheiß drauf. Die dicke Kräuterhexe Seagal kann natürlich nicht nur Moralpredigten abhalten, Wildblumentee (nach Großvaters tollem Geheimrezept: einfach die Kacke in heißes Wasser werfen und sich noch nicht mal die Mühe machen, ein Teesieb zu benutzen...achtet mal drauf) trinken oder superperfiede chemische Kampfstoffe mit Pflanzen aus Omas Kräutergarten ausschalten, nein, er kann natürlich auch weltklasse Schnauzbärte vertrimmen. Auch in diesem Film zeigt Seagal mal wieder seine (zum ertsenmal in Hard to Kill gesehende) Angewohnheit, vor den Augen seiner kleinen Kinder Leute zu töten, bzw. zu verkrüppeln. Macht aber nichts, jeder weiß doch, dass die Kinder vom besten Daddy der Welt die Wörter "traumatisches Erlebnis" nicht kennen. Dummerweise tut er genau das in diesem Film viel zu selten, schade, sind die Actionscenen in diesem Film doch recht schön anzusehen. Stattdessen zieht es Seagal vor, möglichst viel zu "schauspielern" (urgh) und möglichst markige Sprüche vom Stapel zu lassen ("Sterben sie nicht, mein Sohn, das ist ein Befehl!"-"Ja-jawohl...Sir..."). Sogesehen trotz des hohen Budgets (um die 35 Mio. glaube ich) und der gar nicht mal so schlechten Regiearbeit auf jeden Fall einer von Seagals schlechteren Filmen (wenn auch nicht soooo schlecht). Wenigstens hält sich sein Körperfett in diesem Film in grenzen (und wie er Floyd killt, ist auch schon recht cool).

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