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Im mittleren Westen bringt eine bewaffnete Bürgermiliz unter der Führung des Neonazis Floyd einen neuen biologischen Kampfstoff in ihren Besitz und löst eine Katastrophe aus. Das Militär versucht die Seuche einzudämmen und stellt das kleine Städtchen unter Quarantäne. Ex-CIA-Agent Wesley McClaren versucht nicht nur Floyd und seine Armee auszuschalten, sondern auch ein Gegenserum zu entwickeln. Doch die Zeit arbeitet gegen ihn...

Wir gratulieren zum Jubiläum! Mit "The Patriot" absolviert Actionstar Steven Seagal seinen 30. Leinwandeinsatz in einer typischen Rolle als knallharter Kämpfer mit CIA-Vergangenheit, der nun als naturverbundener Hausarzt und Heilpraktiker in einem Kuhdorf praktiziert.
"Der Doktor und das liebe Vieh" oder "Der Landarzt" lassen grüßen, wenn Seagal als Kräuterdoktor mit indianischen Wurzeln nicht nur kränkelnde Kälber wieder auf Trab bringt und sich seine Behandlungen mit selbst gebackenem Blaubeerkuchen entlohnen lässt.

"The Patriot" ist in vielerlei Hinsicht ein eher ungewöhnliches Seagal-Vehikel: Manfred Lehmann als Synchronstimme für den Hauptdarsteller ist gewöhnungsbedürftig, Frisur und Kleidung des Helden wie so oft grenzwertig.
Verstörender ist jedoch vielmehr die Tatsache, dass Seagals Jubiläum erschreckend handzahm ausgefallen ist. "The Patriot" ist vielmehr Virenthriller als Actionfilm und entsprechend gering ist die Ausbeute an Explosionen, Schießereien und Fights - dem Hauptbestandteil, den Filme wie "Auf brennendem Eis", "Glimmer Man" oder "Exit Wounds" ausmachen.
Die Action ist sparsam dosiert - doch wenn es Regisseur Dean Semler krachen lässt, ist das routiniert inszeniert und mit ordentlich Schmackes und den genretypischen Shoot-Outs.
Vergleicht man sein Werk aber mit dem thematisch ähnlichen "Outbreak - Lautlose Killer" so wirkt Wolfgang Petersens Version wie der ultimative Action-Overkill und lässt "The Patriot" ziemlich blass aussehen.
Steven Seagal selbst tritt in den wenigen actionbetonten Momenten kaum in Erscheinung - im gesamten Film greift er einmal zur Waffe und es gibt auch nur einen Zweikampf zu bewundern. Wer also den Film nur der Action wegen schaut wird angesichts der mageren Ausbeute sehr enttäuscht sein.

Was unterm Strich bleibt ist ein unterhaltsamer, kurzweiliger Virenthriller mit Anleihen am Katastrophenfilm, dessen Budget aber leider kein aufwändiges Katastrophenszenario zulässt.
"The Patriot" hat durchaus Potential, doch alle guten Ansätze werden nur angekratzt. Die ausgetretene Seuche und der Handlungsstrang um Floyds Bürgermiliz geraten zur Nebensache - für einen Virenthriller mangelt es einfach an Spannung und Dramatik. Stattdessen konzentriert sich das Geschehen auf Seagal, der durch eine bildgewaltige Naturkulisse reitet, schlechte Miene zum bösen Spiel macht und an einem Serum arbeitet, dass er letzten Endes aus Wildblumen braut.

"The Patriot" als Actionfilm zu vermarkten ist dreister Etikettenschwindel auf TV-Niveau - nett anzusehen und für den Moment unterhaltsam, insgesamt gesehen aber nichts halbes und nichts ganzes. Unspektakulär und ohne jedes Gespür für Tempo, wobei eine Änderung des Titels in "The Pacifist" gerechtfertigt wäre um Seagals Rolle zu definieren und Fans in ihren Erwartungen nicht zu enttäuschen.

6,75/10

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