In Hollywood spielender, wie üblich für die Dreharbeiten von David A. Prior aber in Mobile, Alabama, also der Pampa weitab vom Schuss gewerkelter Thriller mit illustrer, für diese Art von Verführungs- und Mordthrillern wieder genregerechter Besetzung, in dem Priors Bruder Ted auch mal nicht die Hauptrolle, sondern nur den Thug im Nebenher mal spielt. Den Hahn im Korb gibt dafür Andrew Stevens, der das erste und einzige Mal beim hiesigen Filmemacher werkelt und für halbseidene und möglichst auch preiswertere Auszieh- und Strapskrimis für die Videotheken und Kabelsender kurz vor Mitternacht auch prädestiniert geradezu ist:
Die alterne Actrice Monica Martel [ Sally Kirkland ] bekommt bei ihrem Comeback-Versuch durch Produzent Coleman [ Gary Swanson ] und Regisseur Stephen Ross [ Chick Vennera ] nahegelegt, für die expliziten Szenen doch auf ein Body Double zurückzugreifen, wobei sehr zum Ärger des ehemaligen Filmstars auf die blutjunge Lisa Shane [ Sherrie Rose ] zurückgegriffen wird, und auch Monicas Liebhaber und 'schauspielerische Entdeckung' Eric Cline [ Andrew Stevens ] der attraktiven Frau sichtlich nicht abgeneigt ist; weder vor der Kamera noch hinter hier. Ganz andere Sorgen hat Detective Robert Fenich [ Richard Lynch ], der Eric schon eines früheren Mordes verdächtigt und einen neuen befürchtet.
"It's really simple: All I want you to do is make this character a little bit more sympathetic."
"That's kinda hard to do when the character I'm playing is really an asshole."
Eine Observierung mit tödlichem Ausgang, ein geheimes Treffen mit dem Austausch von kompromittierenden Fotos gegen Bares, ein vorgetäuschter Einbruch, der einen Mord verschleiern soll: Prior, der auch bereits in Center of the Web dem eigentlichen Geschehen eine getürkte Einstiegsszene vorgeschoben hat (dort war es ein Schauspieltraining) wirft auch hier dem Zuschauer eingangs ein Fake vor der Füße, das Ende eines filmischen Thrillers (namens 'Double Vision') nämlich, der anschließend vom Produzenten im Beisein des Regisseurs begutachtet wird. "There's no sex in this picture." lautet das abschließende negative Statement, der Rest gefällt dem Geldgeber, vor allem auch die Actionszenen, aber Sex sells nun mal und ist das höchste Gebot und das oberste Motiv.
Spielend in Hollywood und mit dortiger Mannschaft, also eben einer Filmcrew wird hier natürlich getreu von Set und Setting auch die künstliche Welt herangezogen, selbst Tagträume ("Get outta here, Monica, this is my fantasy.") und das Verhältnis von Sein und Schein und echt und eben gespielt und gespiegelt betrachtet und damit auch ein doppelter Boden bei all dem scheinbaren Chargentum eines Thrillers hier installiert. Ein Verwirrspiel auf mehreren Ebenen – darunter scheinbar nichtige oder klischeehafte Szenen, die weit später noch ihre nachträgliche Bedeutung und Umkehrung erhalten, und bspw. das Bebildern zweier Telefonate, von denen man insgesamt drei Teilnehmer sieht, aber anfangs auch nur Bruchstücke der Kommunikation nicht weiß, wer mit wem gesprochen, und wer wem Anweisungen erteilt hat, – das Prior, der nicht dumm ist auch zur Erhöhung einer eigenen Geschichte nutzt; was ist bloß angetäuscht und was real und wem kann man trauen und wo ist das Lächeln nur das Versteck für Fassade und Hinterlist? Eine relativ deutliche Masturbationsszene, die gleichzeitig gewagt(er als sonst) und irgendwie auch oder weil seltsam billig wirkend, leitet den Reigen der sexuellen Offensivideen und spekulativen Einstellungen ein; wobei dort noch die ältere oder doch eher reifere Frau in der Geschichte den Ton angibt, aber eben nur für sich betrachtet wird und bald die jüngere Frau, der Jungbrunnen quasi, ihr noch von Natur aus 'gesegneter' Doppelgänger bzw. das Body Double – was nicht umsonst an De Palmas gleichnamigen Thriller von '84 erinnert – die Initiative und die Funktion der Sexualität übernimmt.
Eine Wachablösung, die keine andere Ursache hat als die des Alters; etwas, das man nicht meiden kann, aber auch etwas, was die Meisten nicht einfach so hinnehmen und versuchen aufzuhalten oder zu tricksen, wenn denn schon nicht zu verhindern. Die Angst vor dem Abstellgleis der Karriere und der Gunst beim Mann hier der erste deutliche Antrieb für eine Missgunst, dazu die Eifersucht, die sich folglich gleich mit ergibt. Und ein Hauptdarsteller, der als Identifikation für den Zuschauer herzuhalten hat, allerdings a) kein unbeschriebenes Blatt und b) auch durchaus mit negativen Eigenschaften und c) durch die Anwesenheit von Stevens auch nicht per se sympathisch, aber dennoch das Interesse am Gewinnen ist. Stevens, der sein Bestes gibt, inklusive einem Sprint vor zwei bewaffneten Schergen, der auch tatsächlich nach einem Gerenne in Todesangst und um Leib und Leben und eben nicht nach Dauerlauf für die Kameras aussieht.