Bis zur Mitte der 80er hat uns Karlchen Bronson so manchen Selbstjustizthriller unter die Leute gebracht, die Günstig-Reißer gleich im halben Dutzend. Hier ist auch so ein munterer reaktionärer Knüller, der in der Darstellung und Handlung des Protagonisten "Dirty Harry" wie einen Waisenknaben aussehen läßt.
Die zynische und herbe Einstellung, die Bronson hier darstellt, dürfte das Machwerk gleich um einen Etagen tiefer einsteigen lassen, wenn er hier zum Wohle der Gesellschaft Beweise fälscht oder in der Schlußszene den gefaßten Killer vor versammelter Mannschaft einfach per Kopfschuß aus dieser Welt befördert. Das wird den Republikanern vielleicht im Geheimen gefallen haben, aufregen werde ich mich deswegen aber nicht, denn dafür ist Regie-Oldtimer J.Lee Thomsons Reißer zu durchschnittlich, um jetzt die moralische Grundsatzdiskussion vom Stapel zu lassen. Aber interessant welch heftige Sachen anno 83 noch zu uns ins Kino kamen. Ach, gute alte Zeit...
Neben diesen Selbstjustiztendenzen bleibt übrigens ein passabler Serienkillerthriller übrig, der den damals schon 60jährigen Bronson kaum einmal in Action zeigt, was bei der finalen Verfolgungsjagd auffällig wird, weil er ganz schön hinterherhumpelt. Große Teile der Handlung werden auch über Andrew Stevens abgewickelt, der Karlchens jungen Assi gibt und über Lisa Eilbachers, des Harmonikaspielers Töchterlein. Überhaupt nimmt der Familienkonflikt hier zu viele Filmminuten ein, aber es bleibt erträglich.
Was den Film über den Durchschnitt bringt, ist der Serienkiller an sich. Das ist hier nämlich gut recherchiert ein wirklich brauchbares Beispiel, da im richtigen Alter und mit dem nötigen psychologischen Hintergrund (immer noch Jungfrau, latent Männern hingezogen, ohne sich das einzugestehen, Abreaktion durch Frauenhaß und Mord, Mord als Sexualersatz) und einer verblüffend realistischen Handlungsweise. Wenn Gene Davis (der als Killer Stacy wirklich unheimlich rüberkommt) sich vor jedem Mord nackt auszieht, um dann zur Klinge zu greifen, dann haben wir hier den real american psycho vor uns.
Offensichtlich hat man sich auch stark an einem wahren Serienmörder, nämlich Ted Bundy (hingerichtet 1981) orientiert, da Stacy auch einen VW-Käfer fährt und bei Frauen seinen Charme aufdreht. Auch die Massakersequenz im Schwesternwohnheim geht auf einen wahren Serienkillerfall zurück, nur daß dabei doppelt so viele Opfer dran glauben mußten.
Aber an einer komplizierten Ermittlung ist man hier eh nicht interessiert, Stacy ist schnell entlarvt und der Film läuft zum Justizthriller heiß.
Übrigens gibt's hier reichlich Blut in der ungeschnittenen Fassung, recht hart, selbst für einen Bronson. Wie gesagt, wahren Wert kann man diesem kleinen Film heute kaum noch beimessen, aber interessant kommt er schon daher. Und das ist mehr als man von den Death-Wish-Fortsetzungen sagen kann. (6/10)