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Ein typischer Bronson aus dem Jahr 1983 war „10 To Midnight". Mit anderen Worten, auch hier sorgt Bronson auf seine bekannte Art und Weise für Recht und Ordnung, wie er es auch in unzähligen anderen Filmen zur Genüge tat. So hätte der Film auch in der Death-Wish-Reihe laufen können, aber den Fans wird's schnuppe gewesen sein.

Als Cop Leo Kessler jagt Bronson den geistesgestörten Frauenkiller Warren Stacey. Das Gericht muss ihn mangels Indizien laufen lassen. Als Kessler beginnt, Beweismittel zu fälschen, fliegt er aus dem Dienst. Auf private Faust ermittelt er weiter. Dann ist sogar seine Tochter in Gefahr.

Sicherlich hat der Film keine unerhörten Neuigkeiten zu bieten. Die Polizeiarbeit und die der Gerichte wird als das geschildert, was sie auch ist - Routinearbeit für alle beteiligten Personen. Interessanter wird da schon der Blick auf das innere Ich von Stacey, welcher zwar wenig facettenreich ausfiel, aber dennoch einen bizarren Einblick in die Welt eines Verrückten gewährt. Von Frauen abgewiesen, steigert er sich in einen Hass hinein, der sein ganzes Tun und Handeln bestimmt. Wenn er dann noch nackig um die Häuser streift auf der Suche nach Opfern, macht ihn das noch unheimlicher.

Da der Täter von Anfang an feststeht, ist hier das Krimiflair eher gering einzustufen, aber das erwartet man auch bei einem Charles-Bronson-Film nicht unbedingt. Der Film reduziert die Spannung eher auf das Katz-und-Maus-Spiel zwischen den beiden Protagonisten, welches in einem blutigen Finale gipfelt, das manchem Teenie-Slasher-Filmchen zur Ehre gereicht hätte.

Eigentlich ist es kaum zu glauben, dass die Indizierung vor einiger Zeit nicht nur aufgehoben, sondern die FSK sogar auf 16 runtergestuft wurde. Wenn man den doch arg reaktionären Gesamtkontext des Filmes - Selbstjustiz und heftiger Gewaltdarstellung inklusive - betrachtet und dann das 18er Siegel auf einem „Dirty Harry"-Film sieht, kann man über die Willkür der Behörden nur noch den Kopf schütteln.

Fazit: Ein Film, der heute wohl weniger kontrovers diskutiert wird als damals, kein Wunder bei dem Gewaltpotential heutiger Streifen. Dennoch: Ein guter Thriller und einer der besseren Bronson-Filme.

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