Golden Harvest-Chef Raymond Chow produzierte bereits 1978 diesen Vietnamfilm zusammen mit Columbia Pictures, der nicht nur ein Jahr vor „Apocalypse Now“ erschien, sondern in Teilen auch schon Stanley Kubricks „Full Metal Jacket“ vorwegnahm.
Fünf Rekruten stehen im Mittelpunkt des Films, die den Querschnitt der Gesellschaft bilden: Ein Hippie-Kriegsgegner, der von der Polizei herbei gebracht wird, ein tougher Schwarzer mit Straßenvergangenheit, ein italoamerikanischer Frauenheld, ein junger Weißer mit Reporterambitionen sowie ein weiterer, einfach gestrickter Weißer. In einer Parallelmontage wird ihre Ankunft mit verschiedenen Begleitern, von der Polizei über die Eltern bis hin zur Freundin, gezeigt, wenig später übt man sich im Bootcamp an Gleichmachung, spätestens dann, wenn der Rasierer die Langhaarfrisuren kürzt (eine Szene, mit der „Full Metal Jacket“ mehr oder weniger begann).
Unter dem Drill von Ausbildern wie Sergeant Loyce (R. Lee Ermey) werden die Rekruten im Schnellverfahren auf Vietnam vorbereitet, nach nur wenigen Wochen Ausbildung werden sie bereits ins Kriegsgebiet gebracht…
Der Verlauf des Films nimmt ein wenig „Full Metal Jacket“ vorweg, auch wenn die Ausbildung hier wesentlich weniger Screentime bekommt als dort, während der episodische Aufbau an Filme wie Samuel Fullers „The Big Red One“ erinnert. Und obwohl „The Boys in Company C“ beiden vorausgeht, kann er doch nicht ganz an sie heranreichen: Sidney J. Furie erweist sich als gewohnt guter Handwerker, aber eben nicht mehr als das. So ist „The Boys in Company C“ trotz des eher schmalen Budgets sauber in Szene gesetzt, doch einen besonderen Touch hat der Film seiner Schilderung der Kriegsereignisse nicht, eine ambitioniertere Note fehlt.
Dies ist aber teilweise auch dem Drehbuch geschuldet. Man vergleiche nur die von R. Lee Ermey gespielte Ausbilderfigur: Bei Kubrick erreichte er als seltsam sympathischer Unmensch Weltruhm, hier wird er als tatsächlich liebenswerter Ausbilder, dessen Härte (die bei weitem noch keine „Full Metal Jacket“-Ausmaße hat) nur das Beste im Sinn hat, wie er dem rebellischen Tyrone (Stan Shaw) erklärt, als er zur Kameradschaft erzieht. Doch Lob an Furie, der das Talent Ermeys, der hier seine erste Filmrolle spielt, erkannte. Die fünf Hauptdarsteller erbringen ebenfalls zufriedenstellende, aber nicht herausragende Leistungen, weshalb Ermey trotz weniger Screentime mehr Präsenz zeigt.
Anhand des Quintetts junger Rekruten spielt „The Boys in Company C“ den Irrsinn Vietnams durch, etwa wenn diese erleben müssen, wie die Bombardierung eines augenscheinlich harmlosen Dorfes angeordnet wird, damit die Abschussquote stimmt, sie beim Waten durch die Reisfelder auf Minen treten und diese entschärft werden müssen oder man sie einen Fußballspiel gegen vietnamesische Verbündete spielen lässt, nur damit im Verlauf des Spiels angeordnet wird, dass sie doch bitte verlieren mögen um den befreundeten Befehlshaber nicht zu verärgern. Diese und solche Episoden kennt man aus Vietnamfilmen zuhauf, doch „The Boys in Company C“ war früh genug dran um nicht als reiner Trittbrettfahrer zu gelten. Der nüchterne Stil des Films macht die eh schon schwierige Charakterisierung als Kriegs- oder Antikriegsfilm nicht einfacher, die Gefechte werden jedoch nicht als Actionszenen inszeniert und immer wieder findet sich Kritik an der Regierung und am Vietnamkrieg selber, etwa dann, wenn ein Convoy unter Beschuss vorangetrieben wird und es sich herausstellt, dass man lediglich Luxusgüter für die Party eines Offiziers fristgerecht abliefern soll. Insofern kann „The Boys in Company C“ eher dem Antikriegsfilm zuordnen, auch wenn diese Kategorisierung nie einfach ist.
Mancher Vietnamfilm, der später kam, mag es noch besser gemacht haben als „The Boys in Company C“, gelungen ist Sidney J. Furies episodische Schilderung des Kriegsirrsinns aber auf jeden Fall. Zwar eher ein handwerklich sauberer denn ein künstlerisch ambitionierter Film, jedoch eingängig und recht gelungen. Und der Song „Here I am (in Vietnam)“, vorgetragen von Castmitglied Craig Wasson, ist wirklich famos, weshalb er nicht nur im Film vorkommt, sondern auch die Endcredits untermalt.