Oliver Reed versus Killerschlange. Das hatten wir doch schon mal, nicht wahr? Genau, in Piers Haggards Venom bekam es der am 2. Mai 1999 verstorbene Brite zwei Jahre zuvor mit einer schwarzen Mamba zu tun. Hier nun, in William Fruets Spasms, rückt ihm eine extrem bösartige "Satansviper" auf die Pelle. Reed ist Jason Kincaid, ein erfahrener Jäger, der vor einigen Jahren bei einer Expedition auf einer kleinen mikronesischen Insel von einer hochgiftigen Riesenschlange gebissen wurde. Im Gegensatz zu seinem Bruder überlebte Kincaid die Attacke schwer verletzt, doch durch das in seinem Körper fließende Gift hält er seitdem eine Art telepathischen Kontakt mit der seltsamen Kreatur. So verfällt er manchmal ohne Vorwarnung in Trance und "sieht" in Form einer Vision die Untaten des Reptils. Klar, daß ihn das nervt, und so sendet er einen Söldner nach Mikronesien, um das Teufelsbiest zu fangen. Dessen Bemühungen sind tatsächlich von Erfolg gekrönt. Wenig später befindet sich die seltene Schlange in Toronto im Labor von Dr. Tom Brasilian (Peter Fonda), der von Kincaid angeheuert wurde, um das Reptil zu untersuchen. Suzanne Cavadon (Kerrie Keane), die nach dem Tod ihres Vaters von Kincaid großgezogen wurde, mißbilligt diese Aktion zwar, kann ihren sturen Onkel aber nicht umstimmen. Natürlich kommt es, wie es kommen muß. Bei einem Einbruch wird die Schlange aus ihrem Gefängnis befreit und beginnt, fröhlich durch die Stadt zu wüten.
Spasms bietet wenig Schock, dafür viel Schlock. Der auf dem Roman Death Bite (1955) von Michael Maryk und Brent Monahan basierende und überaus ernst angelegte Tierhorrorstreifen hat dermaßen viele Probleme, daß selbst die Genredurchschnittsmarke völlig außer Reichweite ist. Glücklicherweise ist dieser negative Umstand dem Unterhaltungswert nicht sonderlich abträglich, sodaß man mit Spasms trotz aller Defizite recht viel Spaß haben kann. Was also stimmt nicht mit dem Film? Nun, erstmal ist William Fruet kein guter Regisseur. Selbst seinen besten Arbeiten (Death Weekend, Cries in the Night, Trapped) geht das gewisse Etwas ab. Des Weiteren sind die schauspielerischen Darbietungen äußerst durchwachsen. Oliver Reed (The Brood) liefert in der Hauptrolle zwar eine gewohnt intensive Performance mit gelegentlichem Hang zum Overacting ab, aber Peter Fonda (Easy Rider) schlafwandelt lustlos durch den Film, und Kerrie Keane (The Incubus) kann mit ihrer undankbaren Figur kaum etwas anfangen. Al Waxman (Class of 1984) chargiert seine eindimensionale Schleimbeutelrolle routiniert herunter, während George Bloomfield (ein recht fleißiger Regisseur) als Oberhaupt einer schlangenanbetenden Sekte völlig verschenkt ist. Das Drehbuch von William Fruet und Don Enright verzettelt sich in ambitionierten Ideen und/oder unnötigen Nebenhandlungssträngen, die allesamt ins Leere laufen. Sämtliche Figuren sind einem völlig egal, der Dramaaspekt funktioniert überhaupt nicht, und Fruet schafft es trotz Unmengen an blaugefärbten Schlangen-POV-Shots zu keiner Zeit, Spannung aufzubauen. Zu allem Überfluß ging der 5-Millionen-CAN$-Produktion auch noch das Geld aus, bevor man einen ordentlichen Showdown drehen konnte.
Das abrupte Ende ist dann auch dermaßen unbefriedigend, daß es dem Streifen eigentlich das Genick brechen müßte. Just als man denkt, daß unsere Helden der randalierenden Schlange endlich die Leviten lesen werden und man sich in Erwartung eines spektakulären Fights freudig zurücklehnt, ist der "Kampf" auch schon wieder vorbei. Daß Spasms, dessen deutscher Titel Avanaida - Todesbiß der Satansviper um einiges aussagekräftiger ist, dennoch recht ansehnlich geraten ist, geht auf das Konto des David Cronenberg-erfahrenen DoPs Mark Irwin. Und die Musik stammt, teilweise zumindest, von Tangerine Dream. Die "Satansviper", von der man bis zum enttäuschenden Finale nur Teile sieht (ein vorbeihuschender Schatten, ein peitschender Schwanz, geifernde Zähne), ist die übliche Standard-Riesengummischlange, die Trashfans ein Grinsen ins Gesicht zaubern sollte. Der knallrote Schlund hat aber was! Immerhin sorgt ihr Gift dafür, daß sich die Opfer unter schmerzhaften Krämpfen winden und sich deren Fleisch wild aufbläht (coole Bladder-Effekte von SFX-Legende Dick Smith). Der Beginn mit den ekstatisch tanzenden Eingeborenen, die für ihre Schlangenbeschwörung das volle Programm abziehen, ist auch ganz nett. Weniger nett ist der Kommentar eines der Jäger: "So stupid these people! So stupid these natives! Two days of dancing and nothing come!" Das unumstrittene Highlight ist allerdings die Schlangenattacke auf ein Studentenwohnheim (eines der drei weiblichen Opfer duscht gerade "zufällig"!), die überraschend effektiv geraten ist. Die Kreatur befindet sich in Spiellaune, schleudert die Frauen durch die Gegend und schlitzt ihre Haut auf, ohne sie gleich zu töten. Diese Sequenz hebt sich vom Rest deutlich ab und führt vor Augen, was hätte sein können, wenn man das durchaus vorhandene Potential halbwegs ausgeschöpft hätte. So ist Spasms leider ziemlicher Murks, der wenigstens vom ordentlichen Unterhaltungswert abgefedert wird.