Review

Tja, das passiert, wenn dir mitten in der Produktion dann irgendwann die Kohle ausgeht!
„Spasm“ ist heute fast in Vergessenheit geraten und wird meistens nur hervor gekramt, wenn jemand die „lead actors“ Oliver Reed und Peter Fonda erwähnt oder entdeckt, was auch wirklich das Prominenteste an diesem „Monsterstreifen-fast-ohne-Monster“ ist.

Der Film erscheint wie eine Ruine oder ein unfertiger Rohbau und Geldmangel war sicherlich einer der stärksten Gründe dafür. Sogar die selige imdb notiert, dass das Budget verschlissen war, bevor das große Finale mit Reed und der Riesenschlange gedreht werden. Das sorgt zwar für einen recht schnellen und irgendwie abrupten Abschluss, kann aber nicht kaschieren, dass der Restfilm auch nicht im besten Zustand ist.

Das Hauptproblem ist vor allem der Umgang mit dem größten Schauwert, der Schlange an sich. Die ist praktisch nie richtig zu sehen, ich will mal dreist annehmen, dass überhaupt nur ein „prop“ des Kopfes mit einem Stück des Korpus konstruiert wurde, die man dann ständig ins Bild schubste oder stieß. Weil das natürlich schon 1958 doof ausgesehen hat, richtet der Cutter auf Geheiß der Produktion dann immer ein wirres Schnittgewitter aus Wischeffekten und schreienden Opfer zusammen und bemüht sich so um Steigerung der Dramatik.
Ansonsten sieht man sehr, sehr, sehr oft aus der subjektiven Schlangenperspektive, was anfangs noch ganz nett ist, dann aber tot geritten wird. Vor allem wirkt es ärgerlich, wenn im Gegenschuss NIE, aber auch wirklich NIE etwas zu sehen ist. Tatsächlich hab ich nach der Startsequenz im Dschungel zu Beginn angenommen, das Vieh wäre vielleicht unsichtbar.
Wie es gefangen wird und was die Eingeborenen da am Anfang machen (es beschwören, um sich dann abschlachten zu lassen???), ist nicht klar zu erkennen, aber irgendwie kriegt man das Vieh schließlich in eine Kiste und zum Hafen. Und weil man sie da ja noch nicht raus lassen kann, plumpst die Kiste ermal dem Fänger auf die Rübe. Ja, so ein Film ist das.

Später wird es dann nicht mehr besser, denn alle Beteiligten geben sich größte Mühe, das Vieh entkommen und sich umbringen zu lassen. Beeindruckende die Szene, in der Kerrie Keane die Schlange umbringen will, indem sie die Kistenheizung runterdreht!!!
Alles bleibt da recht kryptisch: woher die telepathische Beziehung Reeds zur Schlange kommt, nachdem er mal von ihr angegriffen wurde; wieso er sich die Schlange liefern lässt, anstatt sie etwa nach dem Einfangen gleich töten zu lassen; wieso er sich Peter Fonda als Parapsychologen dazu holt, mit dem er eigentlich gar nichts anfangen kann und dem er auch eigentlich nie etwas zu tun gibt.

Dann mischt da auch noch diese obskure Satanssekte mit, deren Mitglieder gern mal mit Ringelnattern hantieren und die die Viper natürlich haben wollen, weswegen sie Cagney-und-Lacey-Spezi Al Waxman als ständig vor sich hinlachenden Schmodderino aussenden, der aber nicht mehr hinbekommt, als das Vieh deppert freizulassen.
Danach verschwindet die Sekte übrigens sang- und klanglos aus der Handlung

Irgendwann nach ziemlich gestreckten 90 Minuten treffen sich dann Schlange und Star(s) zum unvermeidlichen Showdown und endlich erhascht man mal einen sekundenlangen Blick auf den Schlangenkopf, aber das war’s dann auch.
Regisseur William Fruet war sozusagen der „Wes Craven“ Kanadas und drehte Horror und Thriller in Reihe (u.a. „Schreie der Nacht“ und „Party des Grauens“), bis er beim TV landete (wo er das Gleiche machte), hat sich aber hier nicht mit Ruhm bekleckert, vor allem weil er auch noch zum Teil die Romanadaption zu verantworten hatte.
Es gibt weitaus trashigere Filme, aber wenn Horror nicht Bilder liefert, dann wird die Angelegenheit schnell dröge, da helfen auch die bekannten Mimen nichts, denn Fonda ist bezaubernd fehlbesetzt und Reed rollt zu seinen angstschweißbedeckten Monologen so dolle mit den Augen, dass man schon fast annehmen kann, dass er meistens gegen einen enormen Kater gekämpft hat.
Für Splatterfans gibt es übrigens immer dann rote Soße, wenn sich das Reptil über Gesicht und Oberkörper seiner Opfer hermacht, aber erhebend ist nichts davon. Zu Recht vergessen! (3/10)

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