Review

Das Neuseeland eine nette Filmkulisse sein kann, wissen wir seit den "Hercules/Xena"-Serien und der Herr der Ringe-Trilogie. Zur Abwechslung gibt es hier mal einen Film, der im Gegensatz zu den genannten auch tatsächlich eine neuseeländische Produktion ist. Vielleicht weil die Kiwis ihre eigene schöne Landschaft zur Genüge kennen, kommt diese aber kaum zur Geltung (der Film spielt nämlich weitgehend nachts).

Die Handlung klingt im Ansatz wie der x-te US Teenie-gegen-Rednecks-Schocker: Zwei Studenten, der eine flippig, der andere mit Liebeskummer (netter Randgag: die Freundin hat ihn verlassen, weil ihm "Herr der Ringe" nicht gefiel) wollen an der Küste surfen, geraten aber bei der genretypischen Benutzung der nächstmöglichen "Closed Road" mit der örtlichen Landbevölkerung aneinander. Die nachfolgenden Geschehnisse geben nicht nur den beiden reichlich Rätsel auf - an dieser Stelle werde ich die Inhaltsbeschreibung abbrechen, denn der Film entwickelt sich danach in eine andere Richtung als ursprünglich erwartet. Trotzdem eine SPOILER-Warnung: Ohne ein paar Details über den Rest der Handlung lässt sich der Streifen nicht sinnvoll reviewen, wer sich die Spannung (die allerdings auch keine gesundheitsgefährdenden Ausmaße annimmt) vollständig erhalten will, möge nicht weiterlesen.

Um es einmal vorwegzunehmen: Ein wirklicher Knaller ist das nicht, was der Verleih hier von der anderen Seite der Welt ausgegraben hat. Dass ein Film aus Neuseeland (ca 3,5 Mio. Einwohner) kaum ein Riesenbudget haben kann, dürfte auch PISA-geschädigten deutschen Schülern einleuchten. Folglich gibt es weder Gore, Action oder gar aufwändige Effekte (einer der wenigen Trickszenen, ein im Zeitraffer "alterndes" Auto erinnert irgendwie an die Horror-Filme der 60iger). Wenn ein Gruselfilm auf all das verzichten muss, sollten also Atmosphäre und Story stimmen, und tatsächlich sammelt der Film hier einige Pluspunkte. Angesichts der gesammelten Missgeschicke, in die unsere Helden hereingeraten, fragt man sich erst mal, welcher Drehbuchautor sich derart hirnrissige Zufälle ausgedacht hat, bevor der Film die angedeutete Wendung nimmt und dabei die eine oder andere nette Überraschung parat hat. Und hier, im Mittelteil hat der Film auch seine besten Szenen, z.B. eine ziemlich haarsträubende Fahrt mit den zwei leicht overstylten Tussis, die unsere Helden zwischenzeitlich aufgegabelt haben (oder ist es vielleicht umgekehrt ?).
Je mehr sich der Film dem Ende nähert, desto unbefriedigender wird das ganze dann aber doch. Damit wir uns recht verstehen: Ein klassischer Soft-Grusler muss nicht alle seltsamen Ereignisse logisch erklären, manche "Auflösung" hat schon einem ansonsten guten Film den Boden unter Füssen weggezogen. Hier ist es nun aber genau umgekehrt. Weil es deutlich leichter ist, jede Menge Rätsel und Mystery aufzutürmen, als diese später sinnvoll aufzulösen, lässt man es halt einfach bleiben (Muster "Akte X"). Was da in der Vergangenheit genau passiert ist, warum scheinbar ein ganzer Landstrich davon betroffen ist, wieso sich manche Sachen immer wiederholen, welche Rolle der Hauptfinsterling nun spielt - alles Fehlanzeige. Aus der Abteilung "restlos unlogisch" stammen dann auch der erst merkwürdig spät erkennbare "Blässeeffekt" sowie die Sache mit den Schmerzen. Irgendwann ist der Film dann ohne einen großen Höhepunkt am Schluss einfach aus, und wir dürfen rätseln.

Fazit: Wer nach Lektüre des DVD-Covers einen üblichen Slasher erwartet, wird heftig enttäuscht. Fans altmodischer Gruselfilme kommen trotz Mini-Budget dagegen halbwegs auf ihre Kosten, vor allem dank einiger atmosphärisch dichter Szenen. Ein oder zwei nette Überraschungen täuschen aber nicht darüber hinweg, dass die Story Löcher in mindestens doppelter "Gothica"-Größe hat. 5/10.

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