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Erinnert ihr euch noch an "Memento" oder an "Mulholland Drive"? Zwei der wenigen Filme, die einem wirklich 100% Konzentration abverlangen und das den kompletten Film über? Filme bei dem man wirklich keine Sekunde verpassen darf, da man ansonsten womöglich nicht mehr aus dem genialen Film-Rätsel herauskommt?! Lange hat es gedauert, bis sich ein Filmstudio endlich mal wieder getraut hat, solch einen Streifen in unsere Lichtspielhäuser zu bringen: "The Mechanist"! Und auch wenn der Film nicht chronologisch rückwärts läuft und einen eigentlich auch vollkommen Fragenfrei aus der Geschichte entlässt, so ist doch wirklich vollste Konzentration verlangt, um diesem genialen Psychotrip zu folgen.

"The Mechanist" ist ein kleiner aber feiner Thriller, so wie ihn sich Rätselfreunde schon lange mal wieder herbeigesehnt haben. Die Story um einen Maschinenangestellten, der seit über einem Jahr nicht mehr schlafen kann und dem plötzlich unglaublich merkwürdige Dinge passieren ist vielleicht nicht gerade die Innovativste, doch sie ist vollkommen ohne Logikfehler und bietet perfekteste Spannung bis zur letzten Minute. Man kommt aus dem Rätseln überhaupt nicht mehr heraus. Mit jeder Filmminute gibt es neue mysteriöse Vorkommnisse, die den Zuschauer heftig ins Grübeln bringen!
Wer ist dieser merkwürdige neue Kollege, der Trevor zu verfolgen scheint? Was hat es mit der netten Kellnerin und ihrem Sohn auf sich? Was sind das für merkwürdige Zettel, die plötzlich in Trevors Wohnung auftauchen? Was ist in Trevors Kühlschrank, aus dem eine merkwürdige Flüssigkeit tropft? Was hat es mit der ständigen Uhrzeit 01:30 Uhr auf sich? Und vor allem: Warum kann Trevor seit einem Jahr nicht mehr schlafen und warum ist er so verdammt abgemagert? Fragen über Fragen, die einem wirklich erst in den letzten Minuten aufgeklärt werden.

Dabei schafft es Regisseur Brad Anderson gekonnt Spannung und Atmosphäre aufzubauen, die einem bis zum Schluss Schweißperlen auf die Stirne treiben. Das liegt zum einen natürlich an der Rätselraterei, zum anderen ist es aber auch die brillante Inszenierung, die einen so schnell nicht loslässt. Der aus Fincher-Filmen bekannte, äußerst kühle, ja geradezu farblose Look des Films, verschafft eine Atmosphäre, die schlicht sensationell ist und einen schaurig frieren lässt, egal wie warm es im Kino bzw. im Wohnzimmer auch sein mag. Man möchte sich am liebsten die dicke Winterjacke aus den Schrank holen und schnell überziehen, um bloß ja nicht weiter so zu frieren und zu bibbern vor Kälte. Doch es nützt einfach nichts! Der Look des Streifens ist dafür einfach zu trist und zu kühl!

Dazu ein schlicht genial geratener Score, der wohl nicht nur rein zufällig an diverse Hitchcock-Soundtracks erinnert. Kräftig, gruselig und immer an den richtigen Stellen eingesetzt, trägt auch der Score zur Atmosphäre bei. Ein Thriller-Soundtrack, wie er einem schon lange nicht mehr untergekommen ist!

Einzig und allein die Auflösung des Ganzen, könnte den einen oder anderen etwas enttäuschen. Zwar ist die Lösung wirklich in keinster Weise unlogisch und kommt vollkommen schlüssig daher, doch nach der ganzen Rätselraterei hat man wohl doch etwas Anderes erwartet, das irgendwie mehr Biss hat. Leicht Banal das Ganze! Wer nach dem Filmerlebnis gerne noch weitergerätselt hätte, der muss sich hier mit einer 100% Aha-Auflösung zufrieden geben, die wirklich keinerlei Fragen im Kopf hinterlässt, sofern man auch nur etwas mitdenken kann. Schade eigentlich, denn war die anschließende Diskussion mit Freunden darüber, was nun wirklich geschehen ist, nicht irgendwie das Beste an "Memento" & Co.?

Aber wieder zurück zum Positiven: Dem Hauptdarsteller. Christian Bale legt hier wirklich eine grandiose Performance hin, die wohl zum Besten gehören dürfte, was er bis jetzt in seiner Karriere-Laufbahn abgeliefert hat. Es ist nahezu erschreckend ihm dabei zusehen zu müssen, wie er mit über 30 Kilo unter seinem normalen Körpergewicht, seinen Charakter glaubwürdig darzustellen versucht. Dünn, knochig, abgemagert und doch absolut brillant auf ganzer Linie. Bale geht förmlich auf in seiner Rolle und das spürt man auch. Eine Leistung die Oscar-würdig ist! Alle anderen Darsteller sind soweit ebenfalls in Ordnung, doch gegen Bales perfekte One-Man-Show kommen sie einfach nicht an!

Fazit: Cleverer, verschachtelter und 100% schlüssiger Rätsel-Psycho-Thriller, der Spannung, Rätselraten und knackige Atmosphäre bis zum bitteren Schluss bieten kann und durch seine geniale Inszenierung und einem wirklich großartigen Christian Bale, auch in seiner Umsetzung nahezu vollkommen überzeugen kann. Bis auf das leicht banale und gleich auf alle Rätsel eine Lösung habende Ende, wird einem hier wirklich beste Thrillerkost geboten, die einen so schnell nicht mehr loslässt! Bitte mehr davon!

Wertung: 8/10 Punkte

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